Porno-Streit: Kirche verkauft Weltbild-Verlag

Der Streit um die Erotik-Literatur im Weltbild-Verlag ist nun auf die Spitze getrieben: Die katholische Kirche sucht jetzt ernsthaft nach einem Käufer für das Unternehmen. Zuvor hatten sich die Kardinäle Joachim Meisner und Richard Marx zu Wort gemeldet. Meisner forderte, sich von dem Verlag "radikal zu trennen". Marx kritisierte: "Wir können noch so große Medienkonzerne haben – wenn sie nicht das Ziel haben, das Evangelium zu verkünden, geht es in die falsche Richtung."

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Zuvor hatte sich Papst Benedikt XVI. eingeschaltet und sich gegen die Verbreitung “von Material erotischen oder pornographischen Inhalts, gerade auch über das Internet” ausgesprochen und damit auch das Online-Angebot des kircheneigenen Verlags kritisiert. Das Sortiment von Weltbild.de beinhaltet neben Belletristik, Sachbüchern und Fachliteratur auch einen Erotik-Bereich, in dem beispielsweise die Bücher aus dem Hamburger Verlag Blue Panther Books mit den Titeln “Schlampen-Internat”, “Vögelbar”, “Anwaltshure” zumindest bis vor kurzem angeboten werden.
Ende Oktober reagierte Weltbild auf die Vorwürfe und erklärte, man biete keine Pornografie an, da Pornografie ein “rechtlich eindeutig definierter Begriff sei”. Zwischenzeitlich ist der Onlineshop überarbeitet worden. Suchanfragen nach Begriffen wie “Sex” oder “Porno” führen seitdem ins Leere. Auch die Bücher von Blue Panther Books wurden aus dem Sortiment genommen. Die Weltbild-Geschäftsführung versuchte außerdem dem Eindruck entgegenzuwirken, man verdiene “mit Pornos Millionen”. Erotische Bücher hätten 2011 einen Umsatzanteil von weniger als 0,017 Prozent bei Weltbild.de gemacht.
Nun haben die Gesellschafter die Geschäftsführung um Carel Halff gebeten, "ohne jeden Verzug entschlossen" einen Käufer für das Unternehmen zu finden, wie das Unternehmen in einer Mitteilung schreibt. Weltbild hält 100 Prozent an der Fiegweil & Taubert Gruppe, die Hälfte an der Verlagsgruppe Droemer Knaur sowie 33 Prozent an Buecher.de und 49 Prozent an dem Gebrauchtwaren-Marktplatz C-Books. 2007 gründete der Verlag zudem die DBH Buch Handels GmbH & Co. KG gemeinsam mit der Handelskette Hugendubel.
Seit 2008 gibt es immer mal wieder Überlegungen seitens der Kirche, Weltbild zu verkaufen. Damals erzürnte sich eine Debatte um den in Kirchenkreisen umstrittenen Dan Brown-Bestseller "Sakrileg", den der Verlag massiv beworben hatte. In dem Buch stellt der Autor die These auf, dass Jesus und Maria Magdalena verheiratet gewesen seien. Als mögliche Käufer wurden seinerzeit die Medienkonzerne Holtzbrinck und Bertelsmann genannt. Die Verkaufsinteressen waren angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise jedoch schnell wieder eingestellt worden.

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