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Sexmesse-TV: KJM rügt Joko und Klaas

Joko und Klaas sind für ihren zweideutigen Humor bekannt, der gerne auch mal unter die Gürtellinie geht. Ein "MTV Home"-Klassiker ist ihr regelmäßiger Besuch auf der "Venus". Der wurde dem Duo nun zum Verhängnis: Die Kommission für Jugendmedienschutz stellte für diese Sendung eine Entwicklungsbeeinträchtigung für unter 12-Jährige fest. Insgesamt zählten die Wächter 27 Verstöße gegen die Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags, davon 24 aus dem Rundfunk- und drei aus dem Telemedienbereich.

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In der Mitteilung der KJM heißt es über die "MTV Home"-Sendung: "Aus Jugendschutz-Perspektive beinhaltete die Sendung Handlungs- und Deutungsmuster, die problematische Verhaltensweisen, Einstellungen und Rollenmuster nahe legen. Sie können dazu beitragen, die psychosoziale und psychosexuelle Entwicklung von Kindern unter 12 Jahren zu beeinträchtigen."
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Yoko und Klaas auf der Venus 2010

Neben "MTV Home" wurde auch die ProSieben-Sendung "Galileo" gerügt. Dabei ging es um zwei Beiträge: "Ein 15-Minüter mit dem Titel ‚Die härtesten Gefängnisse der Welt‘ zeigte eine Vielzahl von massiven, drastischen Gewaltszenen. Aus Jugendschutz-Perspektive sind vor allem die beschriebenen Tötungshandlungen problematisch. Da die Bilder real sind, können sie auf Kinder und Jugendliche besonders emotionalisierend und belastend wirken", so die KJM. Die Wächter sind der Meinung, dass die Darstellungen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nachhaltig ängstigen und damit in ihrer Entwicklung beeinträchtigen könnten. Ein anderer Galileo-Beitrag beschäftigte sich mit „Methoden zum Töten“. Darin wurde anhand von Ausschnitten aus dem Film „True Lies“ mit Arnold Schwarzenegger gezeigt, ob die im Film gezeigten Tötungsarten auch in Realität funktionieren. Die KJM beschloss, dass der Beitrag sowohl aufgrund der mehrfachen Wiederholung einer Genickbruchmethode als auch aufgrund eines Wurfes mit einem Sägeblatt erst ab 22 Uhr hätte gezeigt werden dürfen.
Weitere Beanstandungen stellten die Jugendschützer – wie bereits im zweiten Quartal geschehen – in der RTL 2-Dokusoap „X-Diaries – love, sun & fun“ fest. Hier werde den Jugendlichen der Eindruck vermittelt, dass es sich um "wahre" Geschichten handele, was vor allem jüngere Zuschauer nicht realisieren würden. Die gerügten Folgen begründete die KJM mit einer Entwicklungsbeeinträchtigung: Die Darstellung der Themen Sex und Alkohol sei aufdringlich, die Sprachwahl derb-zotig. "Aufgrund der für Heranwachsende nicht zu erkennenden Fiktionalität der Sendung ist eine sozialethische Desorientierung für unter 16-Jährige oder für unter 12-Jährige zu befürchten", heißt es in der Mitteilung.
Auch zwei Trailer für einen „CSI-Event“ im Hauptabendprogramm von RTL, die der Sender innerhalb einer Woche jeweils im Tagesprogramm ausstrahlte, sind laut KJM als entwicklungsbeeinträchtigend für unter 12-Jährige zu bewerten. Beide Trailer warben für die drei amerikanische Krimiserien „CSI: Miami“, CSI: New York“ und „CSI: Den Tätern auf der Spur“ mit Gewaltszenen, ohne entlastende Momente. Darüber hinaus wurden zwei Verstöße in der US-Zeichentrickserie „Familiy Guy“ im Viva-Tagesprogramm festgestellt. Die Serie handelt von Familie Griffin, die aus dem Ehepaar Peter und Lois, deren Kindern Chris, Megan und Baby Stewie sowie dem sprechenden Familienhund Brian besteht. In der Episode „Peters Tochter“ erschießt Peter unvermittelt seine Tochter, in einer anderen Szene misshandelt er eine Freundin Megs mit einem Feuerlöscher. "Die drastischen Gewaltdarstellungen sind geeignet, Kinder unter 12 Jahren zu verunsichern und zu verängstigen. Andere Szenen haben sozialethisch desorientierende Effekte. Daher bewertete die KJM diese Folge der kinderaffinen animierten Serie als entwicklungsbeeinträchtigend für unter 12-Jährige", so die Wächter. Zu dem gleichen Urteil kam sie in Bezug auf die Doppelfolge "Stewie killt Lois“ / "Lois killt Stewie", deren Titel bereits den Inhalt zusammenfasst.
Auch ein Hörfunk-Angebot wurde beanstandet. Im Rahmen einer gutachtlichen Befassung bei einem nicht länderübergreifenden Angebot wurde eine Ausgabe 89.0 RTL Morningshow (6 bis 10 Uhr) mit dem Titel „Die spektakulärste Morningshow aller Zeiten: Die erste Penistätowierung im Radio!“ gerügt, weil sie als entwicklungsbeeinträchtigend für unter 16-Jährige bewertet wurde. Dem Zuschauer sei hier der Eindruck vermittelt worden, er sei live dabei, wie einem Kandidaten – der dafür ein Jahr lang ein Auto bekommen sollte – eine Automarke auf den Penis tätowiert werde. Abseits einer Aufklärung über Risiken und Folgen der Aktion wurde einseitig die tapfere Schmerzbewältigung des Kandidaten gelobt. Die KJM ist der Auffassung, dass die unkritische und unreflektierte Darstellung der Tätowierung im Intimbereich – einer gerade für Pubertierende sehr privaten Zone – zu einer psychischen Destabilisierung von unter 16-Jährigen führen könne.
Bei den drei beanstandeten Telemedienangeboten handelte es sich in zwei Fällen um pornografische Inhalte. Der KJM dazu: "In Telemedien darf einfache Pornografie nur ausnahmsweise innerhalb geschlossener Benutzergruppen zugänglich gemacht werden. Ist das nicht der Fall, liegt ein Verstoß gegen den JMStV vor." Bei dem anderen Telemedienangebot ging es um die Website eines Radiosenders. Das Angebot stelle aufgrund entwicklungsbeeinträchtigender Inhalte einen Verstoß gegen die Bestimmungen des JMStV dar, ließ die KJM dazu mitteilen.
Es gab noch weitere Telemedien, die von den Wächtern gerügt wurden: In 12 Fällen wurde das Verfahren laut KJM eingestellt, da die jugendschutzrelevanten Inhalte nach der Anhörung des Anbieters entfernt worden und auch die weiteren Voraussetzungen für eine Einstellung gegeben waren. Die KJM beschloss – je nach Art und Schwere der Verstöße – Beanstandungen, Untersagungen und/oder Bußgelder. Die entsprechenden Verwaltungs- und Ordnungswidrigkeitenverfahren führen die jeweils zuständigen Landesmedienanstalten durch.
In 105 Fällen beantragte die KJM im dritten Quartal 2011 die Indizierung eines Telemedienangebots bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM). Die Anträge bezogen sich zum Großteil auf Internetangebote mit pornografischen Darstellungen. In weiteren 23 Fällen gab die KJM eine Stellungnahme zu Indizierungsanträgen anderer antragsberechtigter Stellen bei der BPjM ab, die von der BPjM bei ihrer Entscheidung maßgeblich zu berücksichtigen sind.

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