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Smart TV: Deutschland auf dem Appstellgleis?

Die alteingesessene deutsche TV-Branche wird von der US-Konkurrenz innovationstechnisch überrannt: Während die deutsche Fernsehlandschaft noch jeden neuen HD-Kanal mit Jubelchören feiert, ist man in den USA schon drei Schritte weiter: Hochauflösendes Fernsehen ist längst Standard. Hier arbeitet man am Fernsehen 3.0. Apple werkelt unter Hochdruck am neuen Apple TV, Google updatet seine Hardware und Twitter wandert mit intelligenten Apps auf die Mattscheibe.

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Die alteingesessene deutsche TV-Branche wird von der US-Konkurrenz innovationstechnisch überrannt: Während die deutsche Fernsehlandschaft noch jeden neuen HD-Kanal mit Jubelchören feiert, ist man in den USA schon drei Schritte weiter: Hochauflösendes Fernsehen ist längst Standard. Hier arbeitet man am Fernsehen 3.0. Apple werkelt unter Hochdruck am neuen Apple TV, Google updatet seine Hardware und Twitter wandert mit intelligenten Apps auf die Mattscheibe.

Die diesjährige IFA ließ schon erahnen, dass es in der Fernsehlandschaft bald “appgeht”. Nachdem die kleinen Programme auf Smartphones längst ihren Siegeszug bestritten haben, erobern sie nach und nach die TV-Geräte.
Drei der größten TV-Geräte-Hersteller hatten auf der IFA 2011 eine Partnerschaft angekündigt, um einen neuen Standard für TV-Apps zu schaffen. LG, Philips und Sharp kooperieren, um eine gemeinsame gangbare App-Lösung für Smart-TVs zu finden. Andere Konzerne sind herzlich eingeladen, der App-Allianz beizutreten.

Mit einer Fernseh-App ist nicht die eintausendste Portierung von "Angry Birds" gemeint. Die neuen Programme sollen “smart” agieren und das laufende Fernsehprogramm intelligent ergänzen. Eine dieser neuen smarten Apps (momentan noch für das iPad) ist Umami. Das Tool lauscht dem Programm und identifiziert, ähnlich der Musikdetektiv-App Shazam, die laufende Sendung. Der Zuschauer kann sich dann beispielsweise Wikipedia-Einträge und allerlei Wissenswertes über das laufende Programm anzeigen lassen.

Twitter kooperiert derweil mit Medienunternehmen, um laufende Sendungen mit Tweets zum Thema verbinden zu können. Wie turi2 berichtete, wurden beispielsweise bei der NBC-Castingshow "The Voice" Tweets in die laufende Sendung eingebaut und in der Bauchbinde gezeigt.

Deutsche Hoffnung HbbTV
Google wagt derweil mit seinem noch nicht wirklich erfolgreichen Google TV den Neustart: mit einem Update der Software, einem anpassbaren Homescreen und einer optimierten Suchfunktion. YouTube-Material wird künftig in HD auf dem Fernseher ausgespielt. Außerdem arbeitet man in Palo Alto offenbar an einem Pay-TV-Angebot. Wie das Wall Street Journal berichtete, hat der Konzern bereits erste Gespräche mit Walt Disney und Time Warner geführt. Eine Entscheidung wurde noch nicht getroffen, vielmehr wollte man offenbar Chancen ausloten. Und in Cupertino pfeilt CEO Tim Cook am perfekten Apple-TV. Kurzum: Das TV-Business in den USA brummt.

Und Deutschland? Hier heißt die Hoffnung HbbTV. Aber das nunmehr schon seit zwei Jahren. Schon einmal davon gehört? Technisch gesprochen lassen sich per HbbTV auf Grundlage von einer eigenen HTML-Sprache Fernsehprogramme und Internetinhalte gleichzeitig auf einem TV-Bildschirm darstellen. Das klingt erstmal wie ein minimal aufgemotzter Videotext. Die HTML-Umgebung ermöglicht aber eine ganze Reihe von neuen Funktionalitäten: Das verkleinerte Fernsehbild lässt sich in HTML-Seiten integrieren.

Von der HTML-Seite kann direkt auf ein anderes Fernsehprogramm geswitcht werden. Ein Beispiel: Schauen Sie eine Kochsendung, bekommen Sie per Knopfdruck Zugriff auf die Rezepte und können direkt online die Zutaten shoppen. Klingt toll, aber bislang scheint kein Sender ein gelungenes Konzept in der Schublade zu haben. Immerhin RTL hat Ende 2010 eine HbbTV-Version seines Videotextes gestartet.

App-Flickenteppich Deutschland
Und im Bereich Smart-TV? Immerhin der Video-on-Demand-Anbieter Maxdome kooperiert mit Samsung. Besitzer eines Smart-TVs können über eine entsprechende App anderem Filme, Serien, Dokumentationen, Magazine und Musiksendungen von Maxdome direkt auf dem Fernseher ansehen. Das bedeutet für den Kunden aber auch: Wer "smart" fernsehen will, muss für einen neuen Fernseher auch tief in die Tasche greifen.

Aber sonst? Auf breit angelegte Verleihangebote wie das in den USA recht erfolgreiche Netflix warten deutsche User vergeblich. Der Internetverleihdienst bietet seinen Kunden Flatrates an, über die sie Serien nicht nur auf dem Fernseher, sondern auch auf mobilen Endgeräten sehen können.

In Deutschland bedeutet Fernsehen auf mobilen Endgeräten ein Mischwerk aus Hardware-Angeboten und Apps einzelner Anbieter. Der deutsche Anbieter tizi vertreibt beispielsweise seinen mobilen DVB-T-Empfänger für iPhone und iPad über Gravis. Zattoo streamt einen Teil der deutschen Sender auf iPhone und iPad, während Sky mit SkyGo auf mobiles Pay-TV setzt.

Darüber hinaus scheint die deutsche TV-Industrie es sich im weltweiten Vergleich auf dem "Appstellgleis" gemütlich gemacht zu haben. Die Branche verhält sich ähnlich zögernd wie beim HD- und 3D-Boom: Der Handel ebnet der Technik mit guten Angeboten den Weg in die Wohnzimmer. Dennoch ist längst nicht jeder Sender in der HD-Version abrufbar. 3D-Formate haben immer noch absoluten Seltenheitswert.

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