Das seltsame Blamage-Gen der US-Politiker

Wenn man das Rennen der Präsidentschaftsbewerber um das Weiße Haus verfolgt, lässt sich ein gewisses Talent der republikanischen Präsidentschaftskandidaten nicht leugnen, sich öffentlich nach Strich und Faden zu blamieren. Derlei Patzer scheinen seit Jahren Tradition zu haben und von Wahlkämpfergeneration zu Wahlkämpfergeneration weitergegeben zu werden. Eine kleine Zusammenfassung der größten Pleiten und Pannen im US-Wahlkampf der vergangenen Jahre.

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Wenn der Milwaukee Journal Sentinel zum Interview bittet, dann muss man nicht unbedingt gut vorbereitet sein. Das muss sich offenbar der republikanische Präsidentschaftskandidat Hermain Cain gedacht haben. Doch was folgte, war die L-Frage: Was halten Sie von der Libyen-Politik des Präsidenten? Über Cains Reaktion machen sich nun User weltweit lustig: “Ok…..Libyen….Pause…..Obama hat doch den Aufstand unterstützt, oder?”, ist nach vielen peinlichen Sekunden die knappe Nachfrage an den Interviewer. Nach nervöser Nestelei an der Krawatte und weiterem Gestotter folgte eine Obama-Kritik aus der Retorte.

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Erst vergangene Woche hatte sich der US-Präsidentschaftsanwärter Rick Perry, Gouverneur aus Texas, mit einem Blackout vor laufenden Kameras aus dem Rennen ums Weiße Haus katapuliert. Wie auch Cain stolperte Perry über seine Kritik an US-Präsident Barack Obama. Drei Ministerien wollte er zugunsten der Wähler abschaffen, erklärte Perry während einer TV-Debatte unter den republikanischen Präsidentschaftskandidaten: “Handel, Bildung und ….ähmmmm.” Die Nachfrage des Moderators: “Sie können das dritte Ministerium nicht nennen?” Die knappe Antwort: “Nein….sorry….Oooops.”

Damit setzen Cain und Perry eine lange Tradition von höchstpeinlichen Aussetzern im US-Wahlkampf fort. Obamas Konkurrent im Wahlkampf 2008 John McCain bescherte dem US-Fernsehen einen legendären Blackout. Beim dritten Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten beantworteten die Kandidaten Fragen der Bürger. McCain, der sich über das Abstimmungsverhalten Obamas im Senat empören wollte, fragte ihn die Runde: "Sie werden nie erraten, wer im Senat dafür gestimmt hat…". Die Pointe misslang ihm kolossal, wollte ihm doch der Name seines Gegenübers einfach nicht einfallen. Stattdessen formulierte er lediglich ein respektloses “That one!”

Unvergessen ist auch Sarah Palins Auftritt in der Radio-Talkshow des Moderators Glenn Beck, bei der sie frappante Wissenslücken des außenpolitischen Verhältnisse offenbarte. Ihre Bitte: Die USA müsste natürlich auf der Seite der “nordkoreanischen Verbündeten stehen“.

Damit steht Palin nicht allein auf dem politischen Parkett als republikanische Kandidatin, die übers Ziel hinausgeschossen ist. Erst Ende Juni gab die US-Politikerin Michele Bachmann ihre Kandidatur bekannt. Wenn man sich um das Amt des Präsidentin bewirbt, kann ein Bekenntnis zu den politischen Wurzeln nicht schaden. So erklärte sie, dass sie aus Waterloo stamme, das auch schon den Westernhelden John Wayne hervorgebracht hätte. Derlei Gerechtigskeitssinn würde auch in ihr stecken, ließ Bachmann die Wähler wissen. Allerdings recherchierten US-Medien kurze Zeit später, dass nicht John Wayne, sondern John Wayne Gacy in Waterloo lebte. Ein bekannter Serienmörder, der in den 70er Jahren mehr als 30 Kinder und junge Männer ermordete und 1994 in Illinois hingerichtet wurde.

Zur Ehrenrettung der Republikaner: Auch die US-Demokraten blieben von Pannen nicht ganz verschont. Präsident Obama war sich doch tatsächlich sicher, sämtliche 57 US-Staaten während seines Wahlkampfes 2008 besucht zu haben. Auch wenn es nur 50 Bundesstaaten gibt.

Für einen kleinen Skandal sorgte der Demokrat Tim Spear, als er seine Solidarität mit den Truppen durch ein Bild zum Ausdruck brachte, auf dem Soldaten in SS-Uniformen zu sehen waren. All diese großen und kleinen Fehler zeigen: Bei aller Unterstützung durch spendable Sponsoren, große PR-Agenturen im Hintergrund und ausgeklügelte Kampagnen sind Präsidentschaftsbewerber vor allem eines: Menschen, die sich auch einmal irren können.

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