Anzeige

Leif wirft NR „Konfliktinszenierung“ vor

Thomas Leif, der ehemalige erste Vorsitzende des Netzwerk Recherche, hat dem Verein via Spiegel eine "Konfliktinszenierung" vorgeworfen. Währenddessen wählte das NR einen neuen Vorstand: Oliver Schröm wurde am Freitag in Köln zum neuen ersten Vorsitzenden bestimmt. Der Leiter des Stern-Investigativressorts sagte, das Hauptaugenmerk liege nun darauf, "Recherche durch die Vernetzung der Vereinsmitglieder zu fördern." Der Verein müsse sich zehn Jahre nach Gründung weiter entwickeln.

Anzeige

Als Schröms Stellvertreter wurde Markus Grill vom Spiegel gewählt – er hatte wie Schröm keine Gegenkandidaten. Grill war bereits im alten Vorstand Beisitzer. Kassenwart im NR-Vorstand wird David Schraven (WAZ-Gruppe), bisher Beisitzer im Vorstand. Neu in dem Gremium ist Alexander Richter als Schriftführer. Richter war vor einigen Jahren Geschäftsführer des Vereins, schied dann aber schon nach einem halben Jahr aus. Der Journalistenverein wagt damit einen Neustart mit teilweise bekanntem Personal im Vorstand.

Als Beisitzer wurden Renate Daum (Gruner und Jahr Wirtschaftsmedien), Markus Frenzel (Fakt), Bernd Kastner (Süddeutsche Zeitung) und Gert Monheim (freier Autor, ehemals WDR) gewählt. Kassenprüfer sind Frank Brendel (freier Rechercheur) und Andreas Kolb (Deutschlandfunk).

Zuvor wurde der alte Vorstand inklusive der alten Vereinsspitze Thomas Leif und Hans Leyendecker von den in Köln versammelten NR-Mitgliedern entlastet. Hintergrund der Neuwahl: Im Juni machte der Verein publik, dass Fördergelder von der Bundeszentrale für politische Bildung in Höhe von über 75.000 Euro zu Unrecht an das NR geflossen waren. Als Hauptschuldiger des Fiaskos wurde der erste Vorsitzende Leif ausgemacht. In einer Mitteilung heißt es, die Mitgliederversammlung danke den bisherigen Vorstandsmitgliedern "für ihr ehrenamtliches Engagement". Besonderer Dank gelte Hans Leyendecker, der seit der Gründung des Vereins vor zehn Jahren als zweiter Vorsitzender fungierte und "insbesondere seit dem vergangenen Sommer die Interessen von Netzwerk Recherche nach außen vertrat".

In der Mitteilung befindet sich kein expliziter Hinweis auf die Finanzaffäre, die durch über die vergangenen Jahre unrechtmäßig eingeworbenen Fördergelder ausgelöst wurde. Unklar ist bis heute, wann der Vorstand von den Unregelmäßigkeiten, die offenbar vor allem der langjährige NR-Chef Thomas Leif zu verantworten hat, erfahren hatte. Kritiker des NR, darunter der Journalistikprofessor Michael Haller, werfen dem bisherigen Vereinsvorstand einen "blinden Fleck" vor, der bei der lückenlosen Aufklärung des Falls hinderlich sei. 

Ein Interview der Medienzeitschrift Message mit dem SWR-Reporter Thomas Leif über das Netzwerk Recherche – allerdings wegen eines laufenden Ermittlungsverfahrens unter Ausklammerung von Fragen zur Finanzaffäre – findet sich hier. Gegenüber dem Spiegel warf Leif dem Verein am Wochenende indessen eine "Konfliktinszenierung" vor – es sei den ehemaligen Vereinskollegen "nicht um die Lösung der Sachprobleme im Zusammenhang mit einem komplizierten bürokratischen Antrag" gegangen. Alle Fragen hätten auch direkt mit der Bundeszentrale für politische Bildung geklärt werden können. Nun aber ermittelt die Staatsanwaltschaft. Leif sagt laut Spiegel aber auch: "Im Nachhinein ist mir klar, dass ich besser einen Wirtschaftprüfer mit einem Stundenlohn von 500 Euro mit dem Ausfüllen der Anträge beauftragt hätte. Ich hätte es nicht selbst machen sollen."

Gleich nach der Neuwahl des NR-Vorstands wurde unter dem Namen von Oliver Schröm ein Twitter-Account eingerichtet. Zitat: "Jetzt steht Transparenz an erster Stelle. Vertrauen muss wieder hergestellt werden." Schröm weist darauf hin, dass die Zitate nicht von ihm stammen. Wir hatten zunächst berichtet, dass der Account von Schröm selber eingerichtet wurde.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige