„Tatort“-Team wirft SR „Verlogenheit“ vor

Wirbel um SR-"Tatort": Das Ermittler-Duo Deininger und Kappl tritt nicht freiwillig zurück. "Über das überraschende Ende sind wir erstaunt und nehmen es mit Verwunderung zur Kenntnis", teilten beide auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung mit. Schauspieler Gregor Weber wirft dem zuständigen Redakteur Christian Bauer vor, mit einer "schlecht formulierten und offensiv verlogenen Pressemitteilung" den Eindruck erwecken zu wollen, "dass eigentlich wir gehen wollten und die Entscheidung sehr knorke finden".

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Die beiden "Tatort"-Ermittler konnten der SZ zufolge Bauers Begründung für eine Neubesetzung nicht nachvollziehen. Gerade die Gegensätze seien es, "die den Erfolg des Teams ausgemacht haben und die unserer Meinung nach noch lange nicht auserzählt sind". Weiter heißt es: "Wir waren gerne ‚Tatort‘-Kommissare." Deshalb bestanden sie offenbar darauf, dass die bei Trennungen gängige Floskel "in beiderseitigem Einverständnis" nicht in der Pressemitteilung auftauchen sollte.
Und tatsächlich: An den Quoten kann das Umdenken des SR nicht liegen. Denn obwohl der Sender zu den kleinsten Anstalten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zählt, waren Kappl und Deininger äußerst erfolgreich. Im MEEDIA-"Tatort"-Ranking belegte das Paar mit durchschnittlich 8,61 Millionen Zuschauern den siebten von 18 Plätzen.
Die SZ unterstellt dem verantwortlichen Redakteur Christian Bauer indes mangelnde Kompetenz, wenn es darum geht, den "Tatort" voranzubringen. Denn erst seit 2009 ist er für die Sendung zuständig. Zuvor arbeitete er als evangelischer Pfarrer und war stellvertretender ARD-Sprecher. Der Rausschmiss der beiden Kommissare zeugt, so das Münchener Blatt, "einmal mehr von der Stillosigkeit, mit der der Saarländische Rundfunk mit dem ‚Tatort‘ umgeht".
In seiner Pressemitteilung vom gestrigen Dienstag sprach Bauer davon, dass das SR-Ermittlerteam, "seine Dynamik aus der regionalen und mentalen Unterschiedlichkeit der Typen" gewinne. Die "völlig unterschiedlichen Methoden" machten den Reiz des Paares aus. Doch die Story der beiden sei "aus unserer Sicht jetzt zu Ende erzählt", schrieb der verantwortliche Redakteur. Wie ein neues "Tatort"-Konzept aussehen könnte, erklärte der Sender bisher nicht.

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