Hohe Luft und Co.: die neue Denklust

Der Verlag der früheren Gruner+Jahr-Zeitschrift Emotion, Inspiring Networks, bringt mit dem Philosophie-Magazin Hohe Luft am 17. November einen zweiten Titel auf den Markt. Chefredakteur ist der frühere Chef von PM und Technology Review, Thomas Vašek. Mit Themen wie “Du sollst nicht lügen! Aber warum eigentlich nicht?” könnte die Neuerscheinung auch im Revier des Traditions-Titels Psychologie heute wildern. Und mit dem Philosophie Magazine steht die Konkurrenz auch schon bereit.

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Der ungewöhnlich anmutende Name Hohe Luft rührt vom Verlagssitz im Hamburger Stadtteil Hoheluft her. Gleichzeitig soll der Name aber auch andeuten, dass das Heft Themen aus “luftiger Höhe”, also mit Abstand zum hektischen Alltag betrachten will. Allzu entrückt soll es aber trotzdem nicht zugehen. „Wir holen die Philosophie vom akademischen Diskurs zurück ins Leben. Dort kommt sie her, und dort gehört sie hin”, sagt Chefredakteur Thomas Vašek.
Das Magazin will Anstöße geben, über Fragen des Lebens auf philosophische Weise nachzudenken.Die Optik ist bewusst schlicht gewählt – nichts soll vom Denken ablenken – und erinnert zumindest auf der Titelseite an das ebenfalls schlicht gestaltete Wirtschaftsmagazin Brand eins. Themen der Erstausgabe sind neben der Titelgeschichte “Du sollst nicht lügen!” u.a.: “Wie vernünftig sind Gefühle?”, “Steckt mein Geist im iPhone?”, “Wie krank war Nietzsche?” und “Hätte Machiavelli Europa gerettet?”. Bemerkenswert immerhin, dass auch ein Philosophie-Magazin um Apples Wundernudel iPhone (“Wundernudel” Copyright by Turi2.de) nicht herumkommt.
Hohe Luft erscheint erstmals am 17. November mit 100 Seiten zum Preis von acht Euro und einer Druckauflage von 70.000 Exemplaren. Zielgruppe sind Männer und Frauen ab 25 Jahren. Es gibt unter www.hoheluft-magazin.de auch eine dazugehörige Website, die als Tumblr-Blog angelegt ist. Fürs nächste Jahr ist eine zweimonatliche Erscheinungsweise angestrebt.
Der Verlag Inspiring Networks bringt bereits seit Februar 2010 die Frauenzeitschrift Emotion heraus. Verlagschefin Katarzyna Mol hatte den Titel damals Gruner + Jahr abgekauft, von München nach Hamburg verlegt und mit neuem Team relauncht. Seither müht sich der Verlag, Emotion im schwierigen Markt der Frauentitel zu etablieren. Die Auflage liegt mit 62.446 verkauften Exemplaren im 3. Quartal 2011 und einem hohen Anteil an sonstigen Verkäufen (21.168) sicherlich nicht in einem Bereich, in dem es sich ganz und gar sorgenfrei wirtschaften lässt. Das Thema Philosophie, so ist die Zeitschriften-Macherin Mol überzeugt, hat aber gerade Potenzial. “Die Bestseller-Listen werden angeführt von philosophischen Büchern, TV-Philosophieformate haben feste Sendeplätze. Wir erweitern den Markt um ein anspruchsvolles Philosophie-Magazin im Publikumszeitschriftensegment“, so Katarzyna Mol.
Darauf sind auch andere gekommen. Wenn Hohe Luft auf den Markt kommt, ist es nicht alleine. Ebenfalls in der zweiten Novemberhälfte erscheint das französische Philosophie Magazine in Deutschland. Das Heft gibt es bereits seit 2006 in Frankreich und beackert dort ebenfalls populäre philosophische Themen. Chefredakteur der deutschen Ausgabe ist Wolfram Eilenberger, Sitz der Redaktion ist in Berlin. Eilenberger war mal “philosophischer Korrespondent” für das Polit-Magazin Cicero (was es alles gibt!) und hat schon diverse Bücher zum Thema verfasst (“Philosophie für alle, die noch etwas vorhaben”, “Kleine Menschen, große Fragen”, “Lob des Tores – 40 Flanken in Fußballphilosophie”).
Unser Namensvorschlag für alle, die jetzt auf den Geschmack gekommen sind und auch noch schnell eine Philosophie-Zeitschrift herausbringen wollen: Denklust.

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