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Harald Schmidt so erfolglos wie nie zuvor

Als Produzent Fred Kogel Anfang September im Interview mit der F.A.Z. davon sprach, Harald Schmidt habe seit 15 Jahren ein bis zwei Millionen Zuschauer, hatte er recht. Doch die Zeiten, sie scheinen vorbei. Seit inzwischen zwölf Sendungen dümpelt die neue alte "Harald Schmidt Show" bei Sat.1 unter der Mio.-Marke herum, erreicht nur noch halbwegs solide Marktanteile, wenn im Vorprogramm die Champions League läuft. Geht die Zeit von Schmidt zu Ende? Oder braucht er sogar mehr Sendezeit?

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Um es gleich vorweg zu sagen: Ein richtiger Mainstream-Erfolg waren Schmidts Late-Night-Sendungen nie. Mehr als 2 Mio. Zuschauer gab es nur in Ausnahmefällen: Bei seiner letzten Sat.1-Show im Dezember 2003 waren 2,40 Mio. dabei. Bei seiner ersten ARD-Sendung im Dezember 2004 sogar 5,17 Mio. Die lief zwar um 21.45 Uhr, doch auch auf dem 23-Uhr-Sendeplatz gab es danach ab und zu nochmal mehr als 2 Mio. Seher. Als er mit "Schmidt & Pocher" ein anderthalb Jahre langes Missverständnis startete, sahen im Oktober 2007 wieder 2,28 Mio. zu.

Doch das war’s auch, seitdem gab es nie wieder mehr als 2 Mio. Zuschauer für seine Shows. Die Premiere des Sat.1-Comebacks war am 13. September mit 1,40 Mio. Sehern dennoch ein Erfolg. Angesichts von Marktanteilen von 14,3% und 16,1% in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen sah es nach der ersten Woche noch aus, als könne Schmidt noch einmal ein großer Erfolg gelingen. Doch schon die dritte Sendung stürzte mit 0,64 Mio. Zuschauern und 0,38 Mio. 14- bis 49-Jährigen auf erbärmliche Werte. Anfang Oktober waren dann sogar nur 0,51 Mio. bzw. 0,28 Mio. dabei – die Marktanteile erreichten nichtmal mehr die 5%-Marke. Für einen Sender wie Sat.1 mit 12-Monats-Durchschnittswerten von 10,1% (gesamt) bzw. 10,6% (14-49) viel zu wenig. Diese Sendernormalwerte erreichte Schmidt seit Ende September nicht mehr.

Der Blick auf den Langzeit-Trend seiner Late-Night-Shows zeigt, dass Schmidt seine erfolgreichste Zeit in seinem ersten ARD-Jahr hatte: Von Dezember 2004 bis Juni 2005 erreichte er im Durchschnitt 1,75 Mio. Leute. Bei den 14- bis 49-Jährigen waren es die Sat.1-Saisons 2002/03 und 2003/04, in denen Schmidt mit 0,82 Mio. jungen Zuschauern das größte Publikum hatte. Zwar liegt er hier mit 0,50 Mio. derzeit leicht über den letzten ARD-Jahren, doch das kann für das bei den 14- bis 49-Jährigen deutlich erfolgreichere Sat.1 ja kein Maßstab sein.

Doch warum kann Schmidt derzeit nur so wenige Leute zum Einschalten verführen? Haben seine Fans den Zweimal-pro-Woche-Termin noch nicht stark genug verinnerlicht? Ist seine Show im Sat.1-Programm mittlerweile ein zu großer Fremdkörper? Oder – viel schlimmer – geht seine Zeit zu Ende? Gegen die Theorie, Schmidt wäre erfolgreicher, wenn er wieder öfter pro Woche senden würde, spricht, dass er ja die 1,75 Mio. ARD-Zuschauer auch zu einer Zeit erreichte, als er nur zweimal pro Woche zu sehen war.

Schaut man auf die Abwärtstendenz der vergangenen Jahre, kann es durchaus sein, dass Schmidt zu wenige neue Fans gewinnen konnte, nun nur noch die Fans aus früheren Zeiten übrig sind – und von denen noch nicht genug gemerkt haben, dass Schmidt wieder bei Sat.1 gelandet ist – und dort sogar wieder eine Prise lustiger ist als in düsteren ARD-Zeiten. Seinen verbliebenen Fans und ihm ist zu wünschen, dass sein Sender Geduld mit ihm hat. Hieße er nicht Harald Schmidt, müsste er sich wohl schon jetzt Gedanken machen. Oliver Pocher erreichte mit seiner Late-Night-Show in der letzten Saison vor dem Aus 0,53 Mio. 14- bis 49-Jährige, Schmidt kam bislang auf 0,50 Mio.

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