DLD Tel Aviv: Lernen von Israel

Déjà vu in Tel Aviv: Das Design der Bühne ist das Gleiche, die angejazzte Musik in den Talk-Pausen kommt ebenfalls bekannt vor, manche der Konferenzgäste sind stets auch in München anzutreffen, als Gastgeber grüßt wie immer der Verleger Hubert Burda – nur das Wetter ist viel besser als sonst. Die Digitalkonferenz DLD von Hubert Burda Media, seit sechs Jahren eine Pflichtveranstaltung der Branche in München, geht erstmals in Tel Aviv über die Bühne. MEEDIA ist dabei.

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800 Konferenzgäste, davon etwa 100 aus Deutschland angereist, hat Burda in einer ehemaligen Lagerhalle am Hafen von Jaffa, dem alten Teil der Stadt Tel Aviv, zusammengetrommelt. Der Verleger pflegt seit Jahren den Gedankenaustausch mit Israel. Die Burda-Stiftung rief an der Ben-Gurion-Universität das Hubert Burda Center for Innovative Communication ins Leben. Vor elf Jahren hatte Burda schon einmal eine Konferenz in Israel initiiert, "Cool People in the Hot Desert", auf der sich Startup-Unternehmer aus Deutschland und Israel austauschten. Schon damals mit an Bord war Yossi Vardi, heute Co-Schirmherr der DLD-Konferenz, der sich u.a. als Investor des Instant Messengers ICQ einen Namen machte.

Hubert Burda, das erzählte der Verleger noch einmal am Rande der Konferenz in Tel Aviv, fasziniert der israelische Unternehmergeist und das Tempo, mit der in dem Land Startups entstehen und wachsen. Tel Aviv sei heute zu einer "globalen Stadt" gewachsen. Schon seit vielen Jahren ist vom "Silicon Wadi" die Rede, der israelischen Antwort auf das Silicon Valley in den USA. An der NASDAQ-Börse sind nach amerikanischen Unternehmen mehr israelische Firmen registriert als von jeder anderen Nation. Viele Technologie-Unternehmen haben erkannt, dass es wertvoll sein kann, in Israel vertreten zu sein. Beispielsweise hat die Deutsche Telekom ein eigenes Telekom Lab an der Ben-Gurion-Universität angedockt.

Im Jahr fließen in Israel ungefähr eine Milliarde Dollar an Wagniskapital. Nach Tel Aviv waren u.a. Vertreter von Investoren aus den USA und Deutschland angereist, um ihr Interesse am israelischen Startup-Sektor zu unterstreichen. Paul-Bernhard Kallen, der Vorstandschef von Burda Media, wünscht sich einen Aufschwung für Startup-Unternehmertum auch für Deutschland: "Innovationen sind nötig", sagte er. Investoren wie Adam Valkin von Accel Partner reisen mindestens alle zwei Monate nach Israel, um sich neue Startups anzuschauen.

Einer der Hauptredner des DLD Tel Aviv war Arkady Volozh, der Chef der Suchmaschine Yandex. Der Russe ist mit seiner Suchmaschine heute der größte Wettbewerber von Google und Bing. Volozh erklärte, es gebe noch eine Reihe von nicht-kompetitiven Märkten auf der Welt, in denen Yandex künftig eine größere Rolle spielen könne, darunter Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien. In allen diesen Märkten hat Google ein Übergewicht.

Panels zur Zukunft des Fernsehens und zur Entwicklung des Online-Werbemarkts glichen freilich Konferenzen in anderen Ländern – die Themen und Herausforderungen sind schließlich überall in der Web-vernetzten Welt die Gleichen. Auch in Israel wird in jedem zweiten Panel gefragt, welche Rolle Google oder andere Marken des Konzerns wie YouTube bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen spielen. David Lawee, Chef von Googles Abteilung für Corporate Development (und damit auch für Zukäufe verantwortlich), hielt eine eher allgemeine Einführung und wich bei sensiblen Fragen aus, etwa der nach der Zukunft von Yahoo. Meir Brand, Google-Chef in Israel, moderierte ein Panel zur Rolle von Social Media bei gesellschaftlichen Umbrüchen wie dem arabischen Frühling. Auch in Israel hat es in den vergangenen Monaten Proteste gegeben, die sich vor allem gegen soziale Ungerechtigkeit im Land richten. Panels über den israelischen "Tent Protest"  oder die Rolle von Schullehrern für gesellschaftliche Veränderungen griffen abseits von reinen Tech-Panels landesspezifische Debatten auf. Doch ob Technik oder Gesellschaft – das Schlüsselwort bleibt immer Veränderung.

Die Burda-typischen Späße gab´s natürlich auch in Tel Aviv. "Könnt ihr mich hören oder soll ich was singen?", frage der Verleger zur Begrüßung der Konferenzgäste. Burda sang dann zwar nicht, aber dafür spielte Ron Huldai, der Bürgermeister von Tel Aviv, ein Ständchen auf der Blockflöte. Im Burda-Gefolge waren zahlreiche deutsche Medienunternehmer nach Tel Aviv gekommen, darunter u.a. der Verleger Dirk Ippen, der auch ein regelmäßiger Gast des DLD in München ist. Für 2012 ist die nächste Auflage des DLD Tel Aviv geplant. Der Konferenzimport ist beim ersten Anlauf geglückt.   

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