Google: keine Abkehr von der Gratiskultur

“Wenn Du etwas gut kannst, dann mach es nicht umsonst.” Diesem Sprichwort hat sich Google seit seinem Bestehen erfolgreich widersetzt. Während die Erlöse mit Werbung gemacht wurden, war der Internetriese dafür bekannt, all seine Tools kostenlos zur Verfügung zu stellen. Mit der Einführung eines Bezahlmodells befürchten Kritiker nun die Abkehr von der Gratiskultur. Das ist falsch. Schon seit langer Zeit bietet der Konzern professionelle Varianten seiner Dienste gegen Geld an.

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Angekündigt war die Einführung eines Bezahlmodells schon im April. "Uns ist klar, dass diese Beschränkung Probleme machen wird", schreibt Google-Maps-Produktmanager Thor Mitchell in einem Blogeintrag. Durch die Einführung einer Obergrenze für die Nutzung will das Unternehmen sicherstellen, dass die Maps API für Entwickler weiterhin kostenlos genutzt werden kann.

Das einfache "Embedden" von Kartenmaterial in Seiten wird weiterhin kostenlos bleiben. Kosten fallen nur für Dienste an, die die Google-Maps-Schnittstelle nutzen, um damit beispielsweise benutzerdefinierte Karten zu erstellen. Das können beispielsweise Dienste sein, die Google Maps nutzen, um eigene Standorte auf einer Karte abzubilden. So wie Wimdu, eine Plattform zum privaten Ver- und Anmieten von Wohnungen. Die Macher erklärten gegenüber der Financial Times Deutschland, mit der Umstellung auf ein Bezahlmodell eine Abkehr von Google Maps in Betracht zu ziehen.

Die Obergrenze beträgt nur 2500 Abrufe für Seiten, die speziell angepasste Maps nutzen. Nutzt ein Webseitenbetreiber einen solchen Dienst, muss er laut Google aber keine unerwartet hohen Rechnungen erwarten. Vielmehr wird der Betreiber darüber informiert, dass er die Nutzung reduzieren oder eine Premium-Lizenz erwerben soll.

Um besser mit den Abrufzahlen haushalten zu können, bietet Google in einer Art Prepaid-Modell die Möglichkeit, Volumen vorab zu ersteigern. Für 25.000 Seitenabrufe werden beispielsweise vier Dollar fällig. Als “Abruf” zählt dabei nicht nur der komplette Seitenaufbau einer Karte, sondern jede Anfrage, die an den Server gestellt wird. Das kann alles von der Suche auf der Karte bis zur Routenplanung sein. Abhängig sind die Preise auch von der verwendeten API-Version.

Zusammengefasst ist es dann doch nicht der befürchtete Einschnitt in der Unternehmensphilosophie oder eine Abkehr von der Gratiskultur. Für Privatnutzer, die lediglich das bestehende Kartenmaterial in ihre Webseite einbauen wollen, werden auch künftig keine Kosten entfallen.

Für die professionelle Nutzung seiner Dienste verlangt Google schon seit längerer Zeit Geld. Für eine Lizenz für den professionellen Einsatz von Google Earth werden 291 Euro pro Jahr fällig, die auch Aufnahmen von Kartenmaterial und deren Verwendung in Videos und Fotostrecken abdeckt. Und auch die Profi-Variante seiner Cloud-Dienste Gmail, Google Docs und Google Calander werden wegen höherer Funktionalität auch Nutzungsgebühren fällig. Reicht einmal der Speicher bei Googles Bilderdienst Picasa nicht aus, kann auch diesen gegen Zahlung einer Gebühr erweitern. Die Idee dahinter ist immer dieselbe und unterscheidet sich nicht großartig von den Business-Strategien anderer Anbieter: Die gelegentliche Nutzung zu privaten Zwecken ist kostenlos. Baue ich aber einen Service rund um die zur Verfügung gestellten Dienste auf, mit dem sich unter Umständen Geld verdienen lässt, muss ich dafür zahlen.

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