Der erstaunliche Print-Erfolg von i

Print sei vorbei, die Zukunft sei digital, und die Nachfrage nach gedruckten Zeitungen würde bald auf Null fallen. An diese Warnungen von "Experten" erinnerte der Verlagschef Evgeny Lebedev angesichts des ersten Geburtstags von i nur zu gern, schließlich hat er es den Pessimisten gezeigt. Die kompakte Qualitätszeitung hat nicht nur einen neuen Markt erfunden, sie verkauft inzwischen auch mehr Exemplare als die große Schwester Independent.

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Print sei vorbei, die Zukunft sei digital, und die Nachfrage nach gedruckten Zeitungen würde bald auf Null fallen. An diese Warnungen von "Experten" erinnerte der Verlagschef Evgeny Lebedev angesichts des ersten Geburtstags von i nur zu gern, schließlich hat er es den Pessimisten gezeigt. Die kompakte Qualitätszeitung hat nicht nur einen neuen Markt erfunden, sie verkauft inzwischen auch mehr Exemplare als die große Schwester Independent.
Der Sohn des russischen Investors Alexander Lebedev, Evgeny Lebedev, hält sich in der Regel eher zurück, aber anlässlich des Erfolgs seines risikoreichen Projekts namens i schrieb er ein paar Zeilen für das Blatt. Er dankte den Werbekunden, der Redaktion und natürlich den Lesern. Besonders dem Enthusiasmus der letzteren Gruppe ist der Erfolg zu verdanken, die entgegen allem Zynismus täglich 20 Pence für die kompakte Ausgabe des Independent zahlen.
Auf 56 bis 64 Seiten werden Nachrichten und Analysen für Schnellleser zusammengefasst und übersichtlich in Matrizen und Graphiken aufbereitet. Auf Showbiz-Klatsch wird ganz verzichtet. i richtet sich, wie der Independent, klar an die gebildete Mittelklasse.
Den letzten offiziellen Zahlen zufolge verzeichnete i im September eine Auflage von 184.402. Nach eigenen Angaben wurde während der Krawalle im Sommer sogar die 200.000-Marke durchbrochen. Seit Anfang August verkauft i konstant mehr Exemplare als der Independent, und zusammen haben i und Independent den nächsten Konkurrenten unter den Qualitätstageszeitungen, den Guardian, locker abgelegt.
Aufgrund des Erfolges von i gibt es seit Mai auch eine Samstagsausgabe, denn Sonntag hat die Redaktion zum Ruhetag erklärt. Die iPad-Version kostet genau wie die Printausgabe 20 Pence, an einer Kindle-Ausgabe wird gebastelt.
Print ist also doch nicht tot, auch wenn die Nische von i denkbar klein ist. Im kompakten Nachrichtenformat gab es in Großbritannien bislang in erster Linie das Freesheet Metro, dass an den Londoner U-Bahn-Stationen täglich gratis zu haben ist. Nachahmer wie London Paper und London Lite waren langfristig erfolglos, nicht zuletzt aufgrund des Angriffs seitens des Evening Standards. Die Abendzeitung für London, die ebenfalls den Lebedevs gehört, wird seit gut einem Jahr gratis verteilt. Die Qualität des Blattes ließ die anderen Freesheets schnell blass aussehen, die mit drittklassigen Celebrity-News die Pendler zu unterhalten suchten. Mit 700.000 Exemplaren erreicht der Evening Standard inzwischen 1,6 Millionen Londoner, und ist damit erfolgreicher als je zuvor.
Wie gesagt, der Standard und die Independent-Titel gehören der gleichen Familie. Und die Lebedevs haben sich als mutige und kluge Verleger erwiesen. Schon von Anfang an wurde spekuliert, ob i bald auch umsonst zu haben ist oder ob der Evening Standard wieder kostenpflichtig wird (vor der Entscheidung, die Zeitung umsonst zu verteilen, kostete sie 50 Pence). Beide Titel sind beliebt bei Werbetreibenden und bei anspruchsvollen Lesern. Qualitativ hochwertige Titel gratis oder billig zu verkaufen ist ein neuer Denkansatz. Und damit vielleicht die Zukunft des Print.

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