Netflix laufen 800.000 Kunden davon

Für zwei Jahre war sie die erfolgreichste Aktie an der Technologiebörse Nasdaq: Mit klassischem Filmverleih und dann mit seinem Streaming-Angebot sorgte Netflix in den vergangenen Jahren in den USA für Furore. Doch auf den Höhenflug folgt nun der brutale Absturz: Das DVD-Verleihgeschäft sollte erst in ein eigenes Unternehmen ausgegliedert werden, dann kam der Rückzieher. Auf Preiserhöhungen von 60 Prozent rebellierten die Kunden – die Aktie implodiert nach einer Gewinnwarnung nun völlig.

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Für zwei Jahre war sie die erfolgreichste Aktie an der Technologiebörse Nasdaq: Mit klassischem Filmverleih und dann mit seinem Streaming-Angebot sorgte Netflix in den vergangenen Jahren in den USA für Furore. Doch auf den Höhenflug folgt nun der brutale Absturz: Das DVD-Verleihgeschäft sollte erst in ein eigenes Unternehmen ausgegliedert werden, dann kam der Rückzieher. Auf Preiserhöhungen von 60 Prozent rebellierten die Kunden – die Aktie implodiert nach einer Gewinnwarnung nun völlig.

Der Aufstieg ließ selbst Apple und Amazon neidisch werden: Mehr als 1000 Prozent konnten Aktionäre verdienen, die den US-Filmverleiher Netflix auf dem Tiefpunkt der Finanzkrise vor drei Jahren aufgelesen haben. Damals war das Papier für knapp 30 Dollar zu haben, im Juli waren es dagegen happige 300 Dollar.

Rund ein Quartal später sind die Kursnotierungen wieder zweistellig. Netflix hat im jüngsten Börsencrash so hart verloren wie kein zweiter Medien- oder Technologiewert – und das in erster Linie selbstverschuldet. Das sperrige DVD-Verleihgeschäft per Postversand, mit dem Netflix groß geworden ist, sollte in ein neues Unternehmen namens Qwikster ausgegliedert werden, um sich ganz auf den sexy Zukunftsmarkt des Film-Streamings zu konzentrieren.

Aderlass im dritten Quartal: 800.000 Kunden weniger

Doch Amazon und Apple hatten sich schließlich längst in Stellung gebracht. Das weltgrößte Online-Kaufhaus brachte im Frühjahr selbst ein Streaming-Angebot auf den Markt, während Netflix seine Kunden mit einer Preisanhebung von 60 Prozent auf 7,99 Dollar pro Service für die Monatsflatrate verärgerte.

Das Resultat der Verunsicherung ist nun in der jüngsten Quartalsbilanz zu sehen: Netflix laufen die Kunden weg. Gleich 800.000 Abonnenten gingen im abgelaufenen Quartal verloren. Noch schockierender: Der Trend setzt sich fort – der Ausblick auf das Weihnachtsquartal gleicht einer Katastrophe. Selten wurden Wall Street-Schätzungen so krachend unterboten wie nachbörslich von Netflix. Statt einem Gewinn je Aktie von 1,09 Dollar sollen nun nur noch 36 bis 70 Cent verdient werden.  

Europa-Expansion kostet: Verluste in 2012 erwartet

2012 kommt es dann ganz knüppeldick: Netflix erwartet sogar den Absturz in die Verlustzone! So soll die Ausland-Expansion, mit der im kommenden Jahre auch Europa erobert werden soll, stark vorangetrieben werden – der Start in England und Irland ist geplant. Doch der ist eben teuer bezahlt.

Die langjährige Erfolgsstory Netflix scheint damit vor der Zerreißprobe zu stehen: Aktionäre verloren nachbörslich komplett die Nerven und prügelten die Aktie im nachbörslichen Handel an der Wall Street um 28 Prozent nach unten. Bei nur 85 Dollar liegt Netflix inzwischen um unglaubliche 72 Prozent unter dem Allzeithoch vom Juli. Es kann eben schnell gehen an der Börse – in beide Richtungen.  

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