Digitales deutsches WSJ startet Anfang 2012

Das digitale deutsche Wall Street Journal startet Anfang kommenden Jahres. Dies sagte Robert Thomson, der Chefredakteur des Journal, im Gespräch mit MEEDIA: "Deutsche Unternehmen und Leser brauchen unmittelbaren Zugriff auf die beste Berichterstattung aus allen Teilen der Welt." Managing Editor wird Knut Engelmann, der von ThomsonReuters kommt. Wallstreeetjournal.de, so die URL der Seite, wird im digitalen Paket mit Apps und mobilen Anwendungen kommen, für die Nutzer bezahlen müssen.

Anzeige

Das digitale Angebot des Journal, eine der größten Wirtschaftsmedien-Marken der Welt, soll das bestehende deutschsprachige Nachrichtenangebot von Dow Jones in Deutschland erweitern. Das Wall Street Journal gehört zu Dow Jones; das Unternehmen ist wiederum Teil der News Corporation von Rupert Murdoch. Murdoch übernahm Dow Jones 2007. Dow Jones Newswires konkurriert in Deutschland u.a. mit den Wirtschaftsdiensten von ThomsonReuters und Bloomberg. Managing Editor Engelmann soll den Dienst neu aufstellen und in Frankfurt eine integrierte Nachrichtenredaktion leiten, die sowohl das Angebot von Wallstreetjournal.de wie die Newswires bedient. Redaktionsleiter des neuen Digital-Angebots wird der Handelsblatt-Redakteur Ralf Drescher.

Matthias Paul, der Managing Director von Dow Jones Deutschland, wird Herausgeber der deutschsprachigen Website und soll das digitale Geschäft ausbauen. Paul: "Wir sehen ein großes Marktpotenzial für unser digitales Angebot." Die Macher um den Oberjournalisten Robert Thomson verlassen sich auch auf die Strahlkraft der Marke Wall Street Journal. Das neue Angebot soll das bieten, was auch Mitbewerber wie Handelsblatt Online und FTD.de für sich reklamieren – "exklusive Nachrichten und Analysen aus der Welt der Wirtschaft". Eine "einmalige Kombination" aus globaler Perspektive und Kenntnis lokaler Märkte soll Wallstreetjournal.de nun neben der bereits existenten Konkurrenz im deutschsprachigen Raum etablieren.    

Eigene Angebote in der Landessprache bietet das Wall Street Journal derzeit in China und Japan – beides Sprachen übrigens, die Chefredakteur Thomson beherrscht. Der Australier, ein enger Vertrauter von Rupert Murdoch, ist zur Bekanntgabe des Projektes nach Deutschland gereist. Er leitet das Journal, die auflagenstärkste Zeitung der USA, seit Mitte 2008 und hat es seither großen Veränderungen unterzogen, indem er es von einem reinen Wirtschaftsblatt zu einem breiter angelegten Angebot umbaute, das sogar einen Lokalteil für New York umfasst.

Der Schritt auf den deutschen Markt ist ein Zeichen des Selbstbewusstseins von Murdoch und seines Managements. Der Medienmogul fürchtete die Konkurrenz noch nie und will nun das Journal, für das er 5 Milliarden Dollar auf den Tisch legte, endgültig zu einer internationalen Marke machen. Er folgt damit der Financial Times, die vor mehr als zehn Jahren ein deutschsprachiges Angebot startete – das aber bis heute defizitär ist. Die Anlaufkosten werden beim Journal viel geringer ausfallen, weil es eine bereits bestehende Infrastruktur mit den Newswires gibt und die neue Operation rein digitaler Natur ist.

Die spannende Frage wird sein, wie sich die Platzhirschen Handelsblatt und FTD zu dem Angriff auf den deutschen Markt verhalten werden. Mit Bezahlinhalten waren beide Titel bisher äußerst zurückhaltend. Gewinnt Wallstreetjournal auf Anhieb viele Nutzer, die zu zahlen bereit sind, wären diese vermutlich für die etablierten Formate bereits verloren – denn doppelt zahlt niemand.

In Kürze bei MEEDIA: Ein Interview mit Robert Thomson, dem Chefredakteur des Wall Street Journal

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige