„Etwas Neues zu tun, ist immer ein Risiko“

Morgen geht das VOX-Wettsingen “X Factor“ auf die Zielgerade der Lifeshows. Mit Nica (Veronika Belyavskaya) und Joe (Joseph Guyton) erleben Zuschauer nicht nur ein musikalisch beeindruckendes Duett. Nica und Joe sind mehr: In Köln sprachen beide mit Christopher Lesko über die Entwicklung einer Freundschaft zwischen Klassik und Pop und die wirkliche Begegnung russisch-deutscher und US-amerikanischer Lebenswege. Zwei junge Künstler zeigen: “Das Ganze“ kann mehr sein als “die Summe seiner Teile“.

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Nica & Joe: Wo und wie seid Ihr aufgewachsen, und wie entstand Eure Beziehung zur Musik?
Nica: Ich bin in drei bis vier Ländern aufgewachsen: Meine Eltern kommen aus Baku, Aserbaidschan. Ich bin in Polen geboren und in Moskau und Deutschland aufgewachsen. Meine Eltern waren früher auch Musiker: Während meine Mutter in Baku ihr Studium beendete, arbeitete mein Vater als Musiker in einem Orchester in Polen. Er war Trompeter im klassischen Bereich, privat spielte er auch in einer Big Band. Meine Mama ist Opernsängerin, hat in Operetten und im Theater gespielt.
Als Trompeter ist Ihr Vater Till-Brönner-affin?
Ja, man kann ihn als Jazz-Freak bezeichnen, und Till Brönner findet er toll.
Mit Eltern wie diesen kann man der Musik fast gar nicht ausweichen, oder?
Nein nicht wirklich. Mein Vater zeigte mir gerade erst ein altes Kinderfoto von mir: Ich bin ganz klein, sitze mitten in einer Tuba und gucke verwirrt.
Wie war es bei Ihnen, Joe?
Ich bin in Ypsilanti, Michigan aufgewachsen.
Nach diesem Ort ist bei uns in Deutschland eine Politikerin benannt worden…
Ja, ich habe davon gehört. Meine beiden Eltern waren Lehrer. Meine Mutter hatte eine schöne Opernstimme. Als Katholiken gingen wir in den Gottesdienst, und meine Mutter sang in der Kirche. Sie sang nicht nur schön, sondern auch sehr, sehr laut. Als ich klein war, war mir das peinlich. Ich fragte sie “Mam, kannst Du nicht ein wenig leiser singen?“ Meine Mam sah mich an und sagte: “Weißt Du, ich singe für Gott. Ich kann nicht leiser singen, sonst hört Gott mich nicht.“ Mein Vater hätte auch gerne gesungen, aber seine Stimme war nicht kräftig genug. Er war aber ein hervorragender Pianist.

Casting-Duett von Nica & Joe
Klassik ist ja gerade in den USA für junge Menschen nicht der Mainstream-Zugang zur Musik. Der junge Joe wollte nicht zu Rap, Hiphop, R&B mit einem Ghetto-Blaster auf Basketballfeldern stehen?
Ursprünglich schon. Als ich 16 war, schenkte mir meine Mutter ein Video der drei Tenöre: Luciano Parvarotti, José Carreras und Placido Domingo. Wenn man 16 ist, wollen Eltern immer irgendwie, dass man so wird wie sie. 16-Jährige wollen grundsätzlich das Gegenteil und machen nichts, was die Eltern wollen. Also habe ich meiner Mama gesagt: “Das Video ist blöde, ich will das nicht.“ “Okay, sagt meine Mama. Dann nicht.“ Als sie aus dem Haus ging, habe ich das Video heimlich angesehen, und es hat mich so fasziniert, dass ich heimlich begann zu üben. Ich habe zwar kein einziges Wort verstanden, aber einfach angefangen die Tenöre zu imitieren. Das war der Anfang. Ich mochte auch Pop, R&B und Rap: im Auto oder auf Partys. Aber Oper und Klassik war für mich immer etwas Besonderes. Es klingt vielleicht komisch, aber: Ich fühle mich irgendwie Gott am nächsten, wenn ich Klassik singe.
Nein, das klingt nicht komisch. Das klingt liebevoll. Und neben Handwerk ist Liebe das Herz von Kunst, egal ob man singt, schreibt oder malt. Haben Ihre Eltern Ihnen bestimmte Musikrichtungen ans Herz gelegt, Nica?
Nein, sie haben mir immer meinen freien Lauf gelassen, und ich bin ihnen sehr dankbar dafür. Meine erste CD beispielsweise war von Britney Spears – peinlich, oder?
Nein. Es hätte auch Modern Talking sein können.
(lachend) Na ja, mit 12 macht man halt Fehler. Mit 13 oder 14 war meine zweite CD dann schon von Celine Dion. Ganz abgesehen davon wollte ich nie Sängerin werden.
Keine Sängerin werden zu wollen hat nicht geklappt.
Stimmt. Ich wollte immer Tänzerin werden: Ich habe schon mit drei Jahren Dirty Dancing geschaut, wollte Patrick Swayze heiraten und Tänzerin werden. Natürlich habe ich dann auch begonnen zu tanzen. Als ich sieben war, hat meine Mutter mich zur Ballettschule angemeldet. Im Vergleich zu anderen Kindern der Schule war ich aber immer schon ein wenig zu groß für Ballett. Ich habe dann weiter getanzt: Jazz-Dance zum Beispiel.
Das bietet ja auch in “X Factor“-Zeiten zusammen mit Joe Perspektive..
Nica( lachend): Man kann nie wissen. Wenn ich mit Joe erst anfange zu tanzen…
Joe (lachend): Klar, Du tanzt dann vor …und ich hinter der Kamera.
Nica: Ernsthafter tanze ich ja seit fünf Jahren nicht mehr. Und mit etwa 14 begann auch der Traum, wie Celine Dion oder Whitney Houston auf der Bühne zu performen. Beide haben mich sehr beeindruckt.
Nica, wenn man mit professionellen Musikern als Eltern aufwächst, lernt man ja früh Disziplin  als einen Wert kennen. Man übersieht das schnell von draußen. Das ist schon anders, als zwischendrin aus Spaß mal eben “einen auf dem Hof zu rappen“.
Ja, unbedingt. Als ich in Russland gelebt habe, bin ich zur Musikschule gegangen und habe natürlich Klavierunterricht bekommen. Ich habe es gehasst. Meine Mutter hatte mich gezwungen dorthin zu gehen. In Russland waren die Lehrer sehr streng: Hatte man seine Hausaufgaben nicht gemacht, bekam man mit dem Lineal einen auf die Hände. Als meine Eltern merkten, dass mir Musik als Beruf wichtig wurde, haben sie mir die Augen geöffnet und gesagt: “Überlege Dir gut, ob Du das willst. Wenn ja, musst Du viel härter arbeiten, als viele andere.“ Sie haben recht: Von draußen sieht man nur Auftritt und Bühne und man übersieht schnell, was alles dahintersteckt und wie viel Konsequenz und Disziplin man für diesen Beruf braucht. Hätte ich das nicht früh gelernt, hätte ich bis heute nie überlebt.
Joe, haben Sie von Ihren Eltern etwas gelernt, was Ihnen für Ihr Leben hat helfen können?
Ja: Meine Mam hat mir nie “Werte erzählt“, sondern sie einfach vorgelebt. Meine Eltern waren schon in den Sechzigern ein Paar. Das war damals nicht so populär – eine Schwarze mit einem Weißen zusammen.  In einigen Südstaaten waren Ehen zwischen Weißen und Schwarzen damals noch illegal.
Da war dieser Hardliner Wallace Gouverneur in Alabama…
Ja, genau. Das war wirklich hart für beide. Sie hatten nichts, als sie begannen. Außer sich selbst. Ihre Familien kamen nicht einmal zu ihrer Hochzeit. Meine Eltern blieben zusammen und haben sich einfach ihren Weg gesucht. Hart gearbeitet und ihren Weg gemacht. Geld gespart, weiter gemacht und ein Haus für uns besorgt. Ich habe das als Kind gezeigt bekommen: “Keep goin´ and make your own way“ als Wert nicht nur für das Leben, sondern auch für die Musik. Anfangs habe ich in der Musik nur selten Ablehnung erfahren. Von einem bestimmten Level an allerdings erfährst Du Kritik und erhältst auch Absagen. Erst dann siehst Du wirklich, was in Dir ist. Gibst Du auf oder machst Du weiter? Das Problem ist nie die Ablehnung selbst. Der Punkt ist, wie Du mit Ablehnung und Kritik umgehst. Das gilt übrigens auch für positive Kritik  oder Anerkennung. Egal was Du tust: Einige Menschen werden es mögen und andere mögen es nicht. Das habe ich von meinen Eltern gelernt, auch durch ihren Umgang den Reaktionen auf ihre Ehe.
Wie ging er weiter – Euer Weg in die Musik und ins Erwachsen-Werden?
Joe: Ich wollte ja ursprünglich Lehrer werden wie meine Eltern. Als sich das veränderte und ich Sänger werden wollte, sagte meine Mama: “Wenn Du das willst, mach es! Du hast Talent. Klappt das nicht, kannst Du immer noch Lehrer werden.“ Ich habe versucht hart zu arbeiten, mich weiter zu entwickeln, zu lernen. Als ich 18 war, bewarb ich mich auf einer guten Schule in New York. Nach einem Jahr brach ich ab. Die Schule war erstklassig, aber ich war noch nicht bereit dafür. Ich hörte auf zu singen, ging zurück nach Michigan und begann, Lehrer zu studieren.  Aber: The music picks you – not you the music. Hätte ich damals  irgendetwas anderes tun können, bei dem ich so glücklich gewesen wäre wie mit Singen und Musik – ich hätte es sofort getan.
Talent ist nicht nur schwer, sondern auch ein Geschenk.
Nica: So sehe ich das auch: ein Geschenk Gottes.
Sind Sie gläubig, Nica?
Ja, ich bin ein gläubiger Mensch.
Wie ging es bei Ihnen weiter?
Nica: Ich habe mit 15 in Deutschland ein Praktikum in einer  Tanzschule als Tanzlehrerin gemacht. Da gab es einen Musical-Kurs, in dem ich später eine Gesangslehrerin entdeckte. Ich habe mich da angemeldet und wollte tanzen. Irgendwann sollte ich dort vorsingen: Mein erster öffentlicher Gesangsauftritt vor zwei Leuten. Ich hatte ein Ministimmchen und habe gequietscht wie ein Mäuschen. Aber sie hat in mir etwas gesehen. Ich bin dann in Köln bei ihr zum Gesangsunterricht gegangen, und mit 16 hat sie mich auf die Bühne geschickt. “ Geh auf die Bühne und mach etwas draus!“ Das war eine tolle Erfahrung. Ich bin ihr unglaublich dankbar, dass sie mir diese Chance gegeben hat. Dann war klar, ich wollte Sängerin werden.
Patrick Swayze war ohnehin inzwischen in festen Händen. Waren Ihre Eltern begeistert vom neuen Berufswunsch?
Überhaupt nicht. Meine Mutter wollte, dass ich lieber etwas Anständiges lerne – Jura studiere oder Ärztin werde. Ich wollte lieber tun, was mich glücklich macht. Irgendwann sahen meine Eltern mich auf der Bühne und waren stolz. Dann fing mein Vater an, mich täglich zu fragen, ob ich meine Einsing-Übungen gemacht hätte. Bis heute fragt er mich übrigens und achtet darauf, ob ich ernst genug für einen Beruf arbeite. Das ist eigentlich gut so. Mein Vater ist darüber unheimlich glücklich, weil er gerade den Traum mit mir zusammen lebt. Beide waren ja Musiker und mussten ihren Beruf aufgeben, um uns drei Kinder durchzubringen, als wir nach Deutschland kamen. Sie ackerten von morgens bis abends, weil sie wollten, dass es uns gut geht.
Was machen beide denn heute beruflich?
Mein Vater fährt Taxi und meine Mutter arbeitet in der Altenpflege.
Ihr beide seid ja am relativen Anfang eines vielleicht erfolgreichen Weges. Wenn Sie es richtig machen, können Sie Ihren Eltern später neben einer glücklichen Tochter auch in anderen Fragen etwas zurückgeben.
Nica: Ja, hoffentlich.
Joe, wie haben Sie eigentlich den 11.09. 2001 erlebt?
Ich war in Philadelphia wo ich studierte und hörte an jenem Morgen Radio…
Nica: Wie immer…
Joe: …statt nur Musik im Radio wurde an diesem Tag ohne jede  Musik nur gesprochen. Ich kam in den Klassenraum, und jeder saß versteinert dort vor dem Fernseher. Das zweite Flugzeug flog gerade in den Tower, ich habe das erst für eine Wiederholung des ersten Flugzeuges gehalten. Ich konnte gar nicht fassen, dass es zwei waren. Der Lehrer kam und sagte, wir seien Opfer eines Angriffs geworden. Er cancelte den Unterricht, schickte uns nachhause und sagte, wir sollten kein Wasser trinken. Alle waren fassungslos. Dass dies so Amerika geschehen konnte. Ich meine: Woanders ja – aber Amerika als Opfer eines Angriffs? Das hat viel für uns alle verändert. Diese Terroristen sind ja Menschen ohne Geld und häufig ohne Familienleben und bekommen in den Terror-Organisationen eine Art von Heimat, Identität und “fanatischem Zuhause“. Amerika ist zerbrechlicher geworden dadurch, verwundbarer und auch härter. Alles ist ein Stück anders seit damals.
Das war für alle ein unfassbar schwerer Moment unglaublicher, plötzlicher Zerbrechlichkeit. Die Welt hielt an, und vieles wurde unwichtig. Waren Sie, Nica, eigentlich jemals in den USA?
Nica: Nein, noch nie. Das ist mein Traum. Aber….
Joe: …wir wollen im nächsten Frühling zusammen nach New York. Das ist die beste Zeit dafür.
Nica: Hoffentlich!
Joe, wann sind Sie denn nach Deutschland gekommen?
Letztes Jahr im Februar. Ich wollte in Opernhäusern vorsingen. In USA gibt es zwar große Opernhäuser, aber nicht so viele. Und sie sind anders finanziert. In Deutschland sind sie vom Staat subventioniert, und es gibt viele kleine Häuser. Eine Opernproduktion kostet in den USA schon mal 15 Mio Dollar, da wollen die Häuser große Namen. Schwierig für junge Künstler, die noch nicht so bekannt sind, selbst wenn sie der nächste Parvarotti sein könnten. In kleineren Häusern der USA kann man vielleicht in einem Monat zweimal auftreten. Alle jungen, amerikanischen Sänger gehen nach Europa. Werden sie von einem Haus akzeptiert, singen sie eine Rolle in Fest- oder Gastverträgen und können 30 Mal im Monat auftreten. Ich wollte Erfahrungen sammeln und mich weiterentwickeln. Wenn Du Dir hier Erfahrung und Reputation erwirbst, fragt Dich die USA, ob Du zurückkommen willst um zu singen.
Warum nicht Italien?
Oh, ich liebe Italien. Italien hat wunderbare Opernhäuser. Aber: Italien liebt italienische Sänger. Es ist wie in den USA: Ohne bereits einen Namen zu haben, ist es schwer.
Nica, bei Ihrer Gesangslehrerin Yana Kris habt Ihr beide Euch dann getroffen.
Nica: Ja. Wir haben uns bereits seit zwei bis drei Jahren dort gesehen, hatten aber nichts miteinander zu tun und haben nie miteinander gesprochen. Er dachte, ich mag ihn nicht und ich dachte, er mag mich nicht.
Dann passt es ja.
Nica(lachend):Ja, dann passt es. Joe sprach nur englisch. Ich verstand zwar alles, wollte aber irgendwie nicht englisch sprechen. Dann hatten wir ein paar kleine Shows zusammen und Yana schlug vor, dass wir ein Duett zusammen einstudieren: Das war “The Prayer“. Wir haben dann geprobt, uns super verstanden und viel zusammen gelacht. Und irgendwann kam Joe mit der Idee, dass wir zu “X Factor“ gehen.
Joe: Ich war im Fitness-Studio. Dort lief eine Werbung im Fernsehen für das allerletzte offene Casting in Köln. Last Chance.
Nica: Er hat mich dann weichgeklopft.
Joe: Oh oh, dieser Morgen: Um 08.00 dort zu sein – sehr, sehr früh für Künstler. Wir kamen an und sahen eine Schlange von Menschen, die immer länger und länger wurde. Fast wären wir umgedreht und wieder nachhause gefahren.
Wie lange habt Ihr gewartet?
Nica: Drei Stunden.
Joe: Und alle Menschen haben gesungen in der Schlange – Bruno Mars. Ich mag ihn, aber drei Stunden Bruno Mars, immer denselben Song von vielen Menschen, das war heftig.
Nica: Wir sind geblieben. Wir hatten keine Erwartungen,  waren wirklich entspannt und haben uns gar nichts erhofft.
Es hat sich gelohnt zu bleiben, und es war ein wirklich großer Auftritt. Könnt Ihr inzwischen morgens eigentlich noch Brötchen beim Bäcker einkaufen, ohne die Bestellung vorsingen zu müssen?
Nica: Ach, so bekannt sind wir ja noch nicht. Von dem Moment an, wo wir damals in der Schlange standen bis heute hat sich nicht sooo viel verändert. Wir beginnen erst jetzt vor den Life-Shows so richtig zu realisieren, dass sich wirklich viel zu ändern beginnt. Gut, wir haben in der Zwischenzeit wirklich viel und hart gearbeitet. Wir sehen uns inzwischen jeden Tag und proben…
Joe (lachend): I like that…
Sich zum ersten Mal als Zuschauer selbst im Fernsehen zu sehen, die eigene Stimme im TV zu hören…
Nica:. …ist wirklich krass und unwirklich. Ich habe die erste Show ja gar nicht live sehen können, weil ich mit meinem Freund und meiner Mutter gerade aus dem Urlaub gekommen bin. Am Gepäckband warteten wir auf die Koffer und eine SMS nach der anderen kam. Dann haben wir versucht, uns das Video herunterzuladen, aber das dauerte ewig. Das war eine verrückte Situation. Zuhause dann beim zweiten Betrachten des Auftritts fiel jeder kleine Fehler auf, und ich sagte: “Das hätten wir besser machen können, und das und das..“. Ich bin ein sehr selbstkritischer Mensch: Auch wenn ich 100% gegeben habe, fällt mir an vielen kleinen Stellen auf, dass die Leistung nicht 100% war.
Der Preis von Professionalität und Disziplin: Man muss schon auch aufpassen, dass man selbstkritisch bleibt, ohne innerlich verkrampft und unlebendig zu werden.
Nica: Das stimmt. Beim Auftritt selbst ist das alles auch weg, aber vorher und hinterher darf man sich nicht zu verrückt machen.
Joe, was hat sich denn bei Ihnen verändert?
Zuerst (Joe sieht Nica an und lacht): Ich habe eine gute Freundin gefunden! Für mich ist das die beste Erfahrung von allen. Beim ersten Auftritt hatte ich schon Sorge: “X Factor“ ist eine große und fantastische Show – für Pop. Ich war sehr unsicher, ob ein junges Publikum klassische Stimmen akzeptieren könnte. Vor uns sang ein Asiate: Der tanzte, machte richtig Stimmung, und das ganze Publikum ging mit. Ich habe mir um Nica gar keine Sorgen gemacht: Sie könnte den Wettbewerb auch ohne mich vielleicht sogar gewinnen. Sie hat eine wundervolle Stimme…
Nica: Joe….
Joe: …aber, ob ich als klassischer Sänger bei dieser Show das Publikum erreichen könnte, hat mir Sorgen gemacht. Ich bin bis heute immer noch nervös. Etwas Neues zu tun, ist immer ein Risiko, und man weiß nicht, ob es gelingt. Für mich ist es so: Wenn Du gut singst und alles tust, wenn Du mit Ehrlichkeit und Wahrheit singst – dann sollen “die Würfel fallen, wie sie fallen mögen.“ Das ist in Ordnung für mich.
Nica: Das wird natürlich auch schwieriger: Neues auszuprobieren über geprobte Duette hinaus, in denen wir wissen, wie wir zusammen klingen, das ist echt aufregend.

Nica (Veronika Belyavskaya) und Joe (Joseph Guyton) im Gespräch mit Christopher Lesko

Irgendwie seid Ihr  ja auch eine Geschichte, die zeigt was Musik möglich macht: Eine deutsch-russisch-polnisch-amerikanische Freundschaft und gleichzeitig eine Freundschaft unterschiedlicher Musikrichtungen. Daran arbeiten Politiker lange schon mit deutlich weniger Erfolg.
Nica und Joe (lächelnd): Vielen Dank.
Was wäre denn zukünftig aus heutiger Sicht der relativ größte Fehler, den Ihr beide machen könntet?
Nica: Hm – schwer:  Mit High-Heels von der Treppe fallen.
Joe: Der Presse zu glauben – im Guten, wie im Schlechten. Ich habe drei Menschen, mit denen ich über meine Leistungen spreche und denen ich vertraue. Ich glaube, wenn man sich von öffentlicher Meinung mitreißen lässt – nach oben und nach unten – ist das ein großer Fehler.
Habt Ihr jemals daran gedacht, möglicherweise ganz weit zu kommen oder gar gewinnen zu können?
Nica: Einerseits nein und andererseits: man kann sich gar nicht ganz frei machen davon. Aber wir waren von Anfang an entspannt und sind nicht abgedreht. Wir möchten natürlich in den Life-Shows so lange wie möglich diese wunderbare Erfahrung weiter machen dürfen.
Joe: Jeder Schritt zu seiner Zeit.
Und was wenn nicht?
Nica: Ach, wir wären dann reicher und erfahrener geworden und nehmen das Gute mit. Und zusammen auftreten werden wir weiterhin. Es gab für Joe und mich ja auch ein Leben vor “X Factor“, und wir waren nicht unzufrieden. Wir beide geben alles, was wir können und zwar wirklich gerne. Die Zukunft liegt ein wenig in unserer Hand,  in Gottes Hand – und in der Hand der Zuschauer.
Nica & Joe: Herzlichen Dank für dieses Gespräch!
Live-Shows jeweils dienstags, 20.15 Uhr, bei VOX.

Mehr über den Autor: www.leadership-academy.de

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