Alles Wissenswerte zur Occupy-Bewegung

"Occupy Wall Street" wird größer und größer: Aus einem Sitzstreik einzelner Protestler im Herzen Manhattans ist eine weltweite Bewegung gegen das Finanzsystem geworden. Am Wochenende versammelten sich in Frankfurt, Düsseldorf, Berlin und Hamburg Zehntausende, um gegen das Finanzsystem und ungerechte Besteuerung zu demonstrieren. Wer demonstriert da eigentlich? Gegen wen wird protestiert? Und wie halten die einzelnen Gruppen Kontakt? MEEDIA beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Wo hat die Occupy-Bewegung ihren Ursprung?
In direkter Nähe zur Wall Street. Auf dem Liberty-Park, einer kleinen Fläche in Rufweite zur Wall Street und direkt an Ground Zero angrenzend kampierten schon Anfang September Aktivisten, um gegen die ungerechte Besteuerung der “99 Prozent” zu demonstrieren.

Wer sind die 99 Prozent?
Mit den 99 Prozent sind die 99 Prozent der amerikanischen Bevölkerung gemeint, die nicht zu dem einen Prozent gehört, das 40 Prozent des Vermögens auf sich vereint. Innerhalb weniger Wochen entwickelte sich “Occupy Wall Street” ("OWS") vom Sitzstreik zur ausgeprägten Demo.

Gegen wen richtet sich der Protest?
Kurz gesagt: gegen das Finanzsystem. Damit ist zum einen das weiterhin bestehende provisionsgetriebene Handeln bei Banken sowie das “Zocken” mit hochspekulativen Anageprodukten gemeint, zum anderen richtet sich der Protest aber auch gegen die reiche Elite. In New York hat das dazu geführt, dass man “Wanderung” durch die Upper East Side, das Viertel von Manhattans reicher Elite, anbietet.

Wie kommunizieren die Anhänger von OWS untereinander?
Natürlich über Facebook, Twitter und Blogeinträge. Seit Anfang Oktober druckt ein kleines Team sogar eine tägliche erscheinende Zeitung: das Occupied Wall Street Journal. Gedruckt in den New Yorker Gewerkschaftsdruckereien versorgt das “Occupied Wall Street Journal” die Demonstranten auf die altmodische Weise mit Informationen rund um die Proteste. In New York findet das kostenlose Blatt reißenden Absatz. Die ersten Auflage lagen bei 20.000 Exemplaren, jeweils in englischer und spanischer Sprache. Die zweite Ausgabe lag schon bei 50.000 Exemplaren. Michael‘>, Chefredakteur des OWSJ, erklärte im Tagesspiegel, dass man mittlerweile Ausgaben für alle großen Städte planen, um umfassend über die Proteste zu berichten. Levitin hat zuvor unter anderem für die AP, die Newsweek und den Daily Telegraph gearbeitet. Dank des großen Erfolges peilt das kleine Führungsteam nun ein Auflage von 250.000 Exemplaren an. Die Ausgabe lassen sich auch‘>.

Wer demonstriert?
Während sich einige Medien an Klischées festbeißen, lassen sich die Protestler am ehesten als Kapitalismuskritiker beschreiben. Bei den Demonstrationen trifft man auf Menschen jeglichen Alters, vom Schüler über den Studenten bis zum Rentner.

Was hat es mit dieser Maske auf sich?
Unter die Demonstranten mischen sich auch Protestler, die aus Gründen anonym bleiben wollen. Die Maske mit Spitzbart ist eine Anlehnung an Guy Fawkes. Er war ein englischer Offizier, der am 5. November 1605 ein Attentat auf den englischen König Jakob I. versuchte. Er revoltierte gegen die Obrigkeit. 1982 entwarfen der Autor Alan Moore und der Zeichner David Lloyd einen Comic namens "V wie Vendetta, in dem ein als Fawkes verkleideter Revoluzzer gegen die Regierung kämpft. 2005 wurde die Story verfilmt. Seitdem dient die gezeigte Maske der Gruppe "Anonymous" als Erkennungsmerkmal und Möglichkeit, die eigene Identität zu schützen.

Wo wird sonst noch demonstriert?
Am Wochenende folgten nach den USA Proteste in Australien, England, China und Deutschland. Allerdings fällt die Resonanz außerhalb der Staaten unterschiedlich aus. In London beispielsweise gingen nach Informationen von Spiegel Online nur rund 5000 Menschen gegen das Finanzsystem auf die Straße. Nach Angaben des globalisierungskritischen Netzwerks “Attac” versammelten sich in deutschen Städten rund 40.000 Menschen. In Berlin mobilisierte man laut “Attac”-Informationen rund 10.000 Menschen, die gemeinsam vor dem Bundeskanzleramt und dem Reichstag demonstrierten. In Frankfurt am Main gingen rund 8000 Kapitalismusgegner auf die Straße. Außerdem hätten laut “Attac” in der Nacht zum Sonntag rund 200 Demonstranten ihre Zelte vor dem Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main aufgeschlagen.

Wie halten die Demonstranten in Deutschland Kontakt?
In Deutschland steckt die “Occupy”-Bewegung im US-Vergleich noch in den Kinderschuhen. Den weltweiten Auftakt zur zweiten Protestwelle haben Asien und Australien gemacht. In Deutschland organisiert sich der Protest unter anderem über die Fanpage “Occupy Germany”, deren Mitgliederzahl stetig wächst. Beinahe im Minutentakt laufen Neuigkeiten über die geplanten Demonstrationen in Frankfurt am Main, Berlin, Hamburg und Düsseldorf ein.

Verlaufen die Proteste friedlich?
Ja. Mit Ausnahmen. Während die Demos in Deutschland weitestgehend friedlich verlaufen, kam es in Rom zu schweren Ausschreitungen. Über 70 Menschen wurden verletzt und unzählige Autos in Brand gesetzt. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.

Wie wird die Bewegung in der Politik wahrgenommen?
Offenbar nimmt zumindest die deutsche Regierung die Proteste in mehreren Städten ernst. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erklärte am Sonntag, die Politik müsse beweisen, dass sie die Regeln setzt und nicht von der Wirtschaft bestimmt wird.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte großes Verständnis für die weltweiten Proteste. "Die Kanzlerin kann auch persönlich verstehen, dass die Menschen auf die Straße gehen“, sagte Merkels Sprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Die Regierung nehme die Proteste sehr ernst: „Darin drückt sich eine tiefe Sorge aus und auch ein berechtigtes Gerechtigkeitsverlangen der Menschen.“

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