‚Journalismus und Werbung nähern sich an‘

Ein Werber in der Elefantenrunde: Mit dem Serviceplan-Geschäftsführer Florian Haller wird bei der legendären Auftaktveranstaltung der Medientage München in diesem Jahr erstmals ein Agentur-Chef dabei sein. Für Haller ein Zeichen, dass die Grenze zwischen Werbung und Journalismus immer mehr aufweicht. Der Werber sieht den Medienwandel vor allem als Chance für gute Geschichtenerzähler und Journalisten, die keine Angst vor Bewegtbild haben. Den reinen Print-Journalismus sieht der Münchner allerdings "bedroht".

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Herr Haller, mit Ihnen wird zum ersten Mal ein Werber an der Elefantenrunde, der traditionellen Eröffnungsveranstaltung der Münchener Medientage, teilnehmen. Worin sehen Sie Ihren Part zwischen Ministerpräsident Seehofer und Sky-Vorstandsvorsitzenden Brian Sullivan?
Zunächst freue ich mich sehr, als erster Agenturvertreter bei der Elefantengruppe dabei zu sein! Offiziell steht die Veranstaltung unter dem Motto "Mobile – Local – Social: Dreiklang der vernetzten Gesellschaft".  Meinen Part sehe ich darin, die weitreichenden Veränderungen der Kommunikationsbranche durch die Internetisierung in die Runde einzubringen und zu diskutieren.  
 
Und wie sieht die Zukunft der Kommunikationsbranche aus?
Das Internet hat sich als eigenständige Medienplattform nicht nur durchgesetzt hat, sondern wird auch  prägend für die kommenden Jahre sein. Wir stehen sicher erst am Anfang dieser tiefgreifenden Veränderungen.  
 
Was heißt das konkret?
Wir bewegen uns beispielsweise von dem demoskopischen Ansatz weg, hin zu einer klaren Zielgruppen-Ansprache. Dabei wird auch das Thema Bewegtbild immer wichtiger. Und das Erzählen von Geschichten ist die herausfordernste und größte Aufgabe
In der Werbung oder im Journalismus?
In beiden Disziplinen.
 
War das nicht schon immer so?
Naja, nicht ganz. Früher war es doch so: Wenn sie unbedingt einen Film um 20.15 Uhr sehen wollten, dann haben sie sich auch den 30-Sekunden-Spot davor angesehen. Ob er sie interessiert hat oder nicht. Im Web sieht das ganz anders aus. Sobald die ersten Anzeichen von Langeweile auftreten, klickt der Konsument einfach weg. Ganz extrem wird dieser Effekt bei Facebook.  
 
Warum?
Es reicht einfach nicht mehr nur eine Facebook-Seite online zu stellen. Das interessiert niemanden. Erst wenn sie wirklich spannende Inhalte bieten, haben sie eine Chance auch erfolgreich in dem größten Social Network der Welt zu kommunizieren.  
 
Heißt: Gerade bei Facebook ist Content King?
Ja, aber nicht nur dort. Die Inhalte sind auf allen Plattformen entscheidend.
 
Wenn das Internet das Medium der Zukunft ist und die Inhalte immer bewegter werden: Muss man sich dann um den Print-Journalismus Sorgen machen?
Wenn ich ganz ehrlich bin, glaube ich tatsächlich, dass das eine Bedrohung für den Print-Journalismus ist. Es kann aber auch eine ganz große Chance sein – für Autoren, die sich von der Idee lösen, alles aufschreiben zu müssen und anfangen, multimedial zu denken!
Glauben Sie, dass sie durch die Medienkrise das Verhältnis der Journalisten und Werber verändert hat?
Ja. Früher kamen einige Redakteure und Reporter mit der Attitüde: Wir machen ein Produkt und die Konsumenten interessieren uns nicht. Diese Einstellung kann man mittlerweile nicht mehr aufrechterhalten. 

Trügt der Eindruck oder weicht die Trennung zwischen Journalismus und Werbung immer mehr auf?
Er trügt nicht. Beide Gruppen nähern sich immer weiter an. Und das ist auch gut so. Es ist doch so: Gutes Placement wird längst von den jungen Zielgruppen sehr gut angenommen.

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