Thielen: Bertelsmann „voll auf Angriff“

Was Gunter Thielen sagt, hat bei Bertelsmann doppelt und dreifaches Gewicht. Der Aufsichtsratsvorsitzende des Medienkonzerns hat mit der FAZ über den scheidenden Vorstandsboss Hartmut Ostrowski und den neuen Mann an der Spitze Thomas Rabe gesprochen. Ostrowski sei demnach gesundheitlich angeschlagen und auf dem Weg zu einem "möglichen Burnout". Rabe dagegen ein Mann in Topform. Solch einen Manager brauche der Konzern, der nun wieder "voll auf Angriff programmiert" sei.

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FAZ-Redakteur Johannes Ritter hat Thielen, dem Vertrauten von Liz Mohn, dem langjährigen Bertelsmann-CEO und dem Chef der einflussreichen Bertelsmann-Stiftung, die richtigen Fragen gestellt. Sei die plötzliche Abberufung Ostrowskis und die Begründung, Thielen sei nicht ganz fit, nicht nur Gesichtswahrung statt die volle Wahrheit? Vielleicht sei der wahre Grund der Auswechslung, dass die Bertelsmann-Eigentümer nicht mehr von Ostrowskis Strategie überzeugt waren? Thielen sagt, Ostrowski habe die Aufgabe, Bertelsmann durch die Krise zu führen und zu entschulden, gemeistert. Das habe "viel Kraft gekostet".

Zwischen den Zeilen heißt das aber auch: Ein neuer Mann an der Spitze kann jetzt, da Bertelsmann wieder Geld zu investieren hat, die Rede ist von einer Milliarde Euro im Jahr, voll durchstarten. In fünf Jahren gelte es "einige neue Geschäftsfelder" zu besetzen, darunter Education (Bildungsmedien). Das Musikrechtegeschäft BMG werde gemeinsam mit der Investment-Firma KKR ausgebaut. Als Signal an die Töchter RTL und Gruner+Jahr sendet Thielen die Botschaft: "Wir werden auch das Stammgeschäft mit Fernsehen und Zeitschriften nicht vernachlässigen."

Ansonsten aber gilt die Devise, dass Rabe loslegen kann. Denn der habe "Unternehmerblut". Thielen selbst ist Unternehmer – und verspricht sich vom neuen Vorstandschef einen Kurs, der – so zumindest ist das Interview zu interpretieren – einen unternehmerisch aggressiveren Kurs als bisher einschlägt. Zukunftsfelder lägen vor allem im Internet, "weniger in Europa als in Asien und Amerika".

Zu Spekulationen, Arvato-Vorstand Rolf Buch stehe vor der Auswechslung, wollte Thielen sich nicht äußern. Ebensowenig dazu, dass Brigitte Mohn Ende 2012 angeblich die Bertelsmann-Stiftung übernehmen soll und Christoph Mohn den Bertelsmann-Aufsichtsrat. Nur eins stehe fest: Thielen feiert im kommenden Sommer seinen 70. Geburtstag und legt seine Ämter dann nieder.     

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