Spiegel Online für Hölle-Preis nominiert

Die Freischreiber haben die Kandidaten des Himmel- und Hölle-Preises bekanntgegeben, mit dem sie die fairste und fieseste Redaktion auszeichnen. Zu den Nominierten des Negativ-Preises gehören Spiegel Online, Neon und Für Sie. Nach Meinung des Verbandes waren diese Redaktionen im Verhalten gegenüber freien Journalisten besonders unfair. Chancen auf den Himmel-Preis haben die Redaktionen des P.M.-Magazins sowie die beiden Wirtschaftshefte Enorm und Brand eins.

Anzeige

"Wir haben viel mehr positive Vorschläge erhalten als negative", heißt es auf der Freischreiber-Website. "Wir haben von Traum-Redakteuren gehört und von guten Sitten, die wir für ausgestorben hielten. Wir haben in den Himmel lobende Mails bekommen und wir haben verhaltene Mails im Postfach gefunden. Es ging um anständige Honorare, Umgang auf Augenhöhe und gut redigierte Texte, die vor Druck vom Autor obligatorisch gegengelesen werden und noch vieles mehr."
Was der Berufsverband unter einer fairen Redaktion versteht, wurde im sogenannten Code-of-Fairness festgehalten. Dabei geht es unter anderem darum, dass Aufträge schriftlich bestätigt werden sollen oder die freien Journalisten rechtzeitig die Endfassung ihres Beitrags zur Durchsicht erhalten.
Für die Nominierten der Himmel-Auszeichnung veröffentlichte der Berufsverband die  Begründungen. So heißt es über das P.M.-Magazin, dass der Umgang mit der Redaktion "fair, unkompliziert und respektvoll" sei, die Themenbriefings werden sogar als "vorbildlich" bezeichnet. "Dazu noch ein netter und ungemein uneitler Chefredakteur. Alles super, bis auf manchen dunklen Schatten des Mutterschiffs Gruner+Jahr. Ein Lob an Chefredakteur Hans-Hermann Sprado und seine Manschaft", so die Freischreiber.
Über die Redaktion von Enorm lassen die freien Journalisten verlauten, dass sie "unzynisch" sei. Zudem würden Text und Richtung den Rechercheergebnissen entsprechend angepasst. Außerdem zahle das Magazin für nachhaltiges Wirtschaften gute Honorare.
Die Redaktion von Brand Eins bezeichnen die Freischreiber als "Ehrbare Kauffrau". So kämen die Rückmeldungen auf Themenvorschläge schnell und es werde auf gründliche Absprachen über Länge, Inhalt und Stoßrichtung der Texte Wert gelegt. Neben einer fairen Bezahlung würden auch Spesen erstatte. "Brand Eins ist vorbildlich, so der Tenor der Freien. Und all das nicht nur, weil die Honorare super seien, sondern vielmehr, weil der Ton der Mitarbeiter so schön unprätentiös sei. Ein Lob an Chefredakteurin Gabriele Fischer und ihre Mannschaft", heißt es von der Jury.
Zu den Gründen, warum Spiegel Online, Neon und Für Sie für den Hölle-Preis nominiert wurden, teilte der Verband mit, dass diese drei Redaktionen sich nicht an die Spielregeln des Code-of-Fairness halten würden. Man könne sich nicht zu konkreten Vorwürfen, wie etwa dem Diebstahl von Themen, äußern, weil man den Tippgebern absolute Vertraulichkeit zugesagt habe.
Allerdings liefern die Freischreiber doch einen Kommentar zu den Nominierten des Negativ-Preises ab, wenn auch in satirischer Form. Neben drei fiktiven Zeitschriftencovern hatte eine freie Autorin folgenden Traum:
"Ich hatte einen Traum. Ich war in der Hölle. Das Neonlicht flackerte. Eine Horde Redakteure kam auf mich zugerannt. ‚Gib uns deine Themen", riefen sie. Ihre Gesichter kamen mir bekannt vor. Sie entrissen mir meine Papiere und brachten sie dem Chefredakteur, der mit einem Dreizack an einer langen Tafel thronte. Er liess sich meine Themen vorlesen und schrie seinen Redakteuren zu: Diese Geschichte machst Du. Diese Du. Für mich war keins meiner Themen übriggeblieben. Ich rannte in den nächsten Raum. Der Raum war fast leer. Nur an den Wänden Regale, auf denen Diät Bücher standen. An den Wänden hingen Bilder der Jahreszeiten. Auf dem Bildschirm sah ich einen Text. Darüber mein Name. Das Thema kam mir bekannt vor. Der Text nicht. War wirklich Claudia Schiffer die neue Königin von Sansibar? ‚Hier werde ich bis zu meinem Lebensende wohnen‘, sagte sie. Ich hatte nie mit ihr gesprochen.
Entsetzt wandte ich mich ab. Im nächsten Raum ging es hektisch zu. Redakteure saßen an ihren Rechnern und spitzten Themen zu. Niemand beachtete mich. Ich rief: ‚Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die fieseste im ganzen Land?‘ An den Wänden hingen die armen Seelen von Online-Kollegen und bettelten um Honorare. Ich wachte auf."

Das sind die drei fiktiven Zeitschriftencover
Bis zum 24. Oktober können die Mitglieder von Freischreiber noch abstimmen, wer von den Kandidaten Teufel und wer Engel ist. Am 11. November findet die Preisverleihung dann in Hamburg statt.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige