Gottschalks On-Off-Beziehung mit dem Bambi

Wie die ARD-Programmvorschau diese Woche enthüllte, bekommt Thomas Gottschalk dieses Jahr mal wieder einen Bambi. Gottschalk und seine Bambi - das ist eine Geschichte voller Höhen und Tiefen. Beim Focus werden nun auch die Personal-Entscheidungen von Wolfram Weimer revidiert, Jeff Bezos eifert Steve Jobs nach, muss aber noch üben, Sport Bild und CIO kämpfen mit Print-Problemen und Günther Jauch muss erkennen, dass eine gute Sendung kein Garant für Top-Quoten ist.

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Am 10. November überträgt das Erste live die Verleihung des Burda-Medienpreises Bambi – diesmal aus der piekfeinen Hessen-Hauptstadt Wiesbaden. Wer eine der güldenen Reh-Statuen bekommt, wird wie üblich tröpfchenweise bekanntgegeben. Diesmal sind u.a. die Top-Stars Lady Gaga und Justin Bieber dabei. Ein Blick in die ARD-Programmvorschau vom Dienstag offenbart, dass auch Thomas Gottschalk mal wieder ein Bambi bekommt. Der scheidende “Wetten dass ..?”-Moderator wird für das “TV-Ereignis des Jahres geehrt”. Das Bambi und Gottschalk – das ist eine Beziehung mit Höhen und Tiefen. 1988 gab Gottschalk in der ZDF-Sendung “Na siehste!” mit Günther Jauch, die ihrerseits die Nachfolgeshow zu Gottschalks “Na sowas!” war, drei Bambis in einer Plastiktüte zurück. Gottschalk ärgerte sich damals, dass Burdas Bunte über angebliche Eheprobleme spekuliert hatte (“Wie kaputt ist Gottschalks Ehe?” hieß die Zeile). 2001 dann trat Gottschalk bei der Bambi-Verleihung als Laudator für Günther Jauch auf, der den Bambi in der Kategorie “TV-Moderation erhielt. Jauch hatte dann einen “Überraschungs-Bambi” für Gottschalk dabei und brachte die drei alten, zurückgegebenen Statuen in derselben Plastiktüte von 1988 auch gleich wieder mit. Gottschalk nahm das Friedensangebot und die Statuen wieder an. Jetzt bekommt er also wieder eines. Hat jemand mitgezählt? 3 – 3 = 0; 0 + 3 + 1 = 4; 4 + 1 = 5. Es wird sein fünftes Bambi sein.

Friede, Freude und Eierkuchen gibt nun wohl wieder satt in der Redaktion von Burdas Focus. Die kurze Ära Weimer wurde von Allein-Chef Uli Baur schnell vergessen gemacht. Jetzt wurde auch die von Weimer geholte Kultur-Chefin Christine Eichel in die Wüste geschickt, bzw. ins Korrespondentendasein. Sie soll von außerhalb der Redaktion weiter fürs Kultur-Ressort wirken. Wie aus der Redaktion zu hören war, wurde sie mit den Kollegen in München nie so Recht warm. Vermutlich war es eine Trennung im berühmten beiderseitigen Einvernehmen. Aber es ist schon beeindruckend mit welcher Geschwindigkeit und Konsequenz die Änderungsversuche Weimers beim Focus wieder rückgängig gemacht wurden. Konzeptionell und Personell.

Apples iPad hat in dieser Woche vielleicht erstmals ernsthaft Konkurrenz bekommen. Der Online-Händler Amazon stellte seinen neuen Tablet Kindle Fire vor. Im Prinzip eine Amazon-Variante des iPad. Ein bisschen handlicher, mit einem Android-Kern, mit eigenem Android-App-Store, mit viel Musik, Videos, E-Books und Zeitschriften zum Kaufen. Und vor allem mit einem heißen Preis: 199 Dollar will Amazon für den Fire haben. Apple verlangt für das günstigste iPad 2 knapp 500 Dollar. Auch die Präsentation von Amazon-Chef Jeff Bezos (hier ein Video davon bei TechCrunch) wirkte ein bisschen wie eine Billig-Variante der berühmten Steve-Jobs-Keynotes. Bezos lief vor einem riesigen Bildschirm hin und her und zeigte und pries das neue Gerät. Allein: Der Funke wollte nicht überspringen. Keiner im Saal klatschte, es blieb gespenstisch still, Bezos wirkte teils nervös und suchte schließlich Zuflucht hinter einem Pult. In Sachen Produkt-Präsentation bleibt der iGod Jobs nach wie vor unerreicht.
Mit Print und Aktualität ist das so eine Sache. In dieser Woche zeigten gleich zwei total unterschiedliche Magazine, dass bedrucktes Papier als Nachrichtenmedium nur bedingt einsatzbereit ist. Die Sport Bild machte auf mit dem Burn-Out des Schalke-Trainers Ralf Rangnick und präsentierte stolz die "geheime Liste" der Nachfolge-Kandidaten. Blöd halt, dass zum Erstverkaufstag der Nachfolger Huub Stevens bereits feststand. Immerhin war der auch einer der Kandidaten auf der "geheimen" Liste. Und das Fach-Magazin CIO für IT-Menschen teaste auf der Titelseite Léo Apothekers Pläne für den Computer-Hersteller HP an. Da war der aber schon gefeuert und die frühere eBay-Chefin Meg Whiteman macht jetzt Pläne für HP. Sowas wird immer wieder mal passieren. Aber es zeigt eindrücklich, wie schwer sich gerade Wochen- oder gar Monatsmagazine mit aktuellen Themen tun.

TV-Zuschauer sind manchmal eine undankbare Spezies. Da hat sich Günther Jauch am vergangenen Sonntag die Bundeskanzlerin als Solo-Gast in seiner ARD-Talkshow präsentiert und dabei auch eine respektable Figur gemacht. Und was machen die Zuschauer: bleiben weg. 4,29 Mio. Zuschauer im Gesamtpublikum – das ist nicht berauschend für eine Sendung mit einem Top-Gast wie Merkel. Aber wenn es nicht am Gast lag und nicht am Moderator, woran dann? Nun, der Kölner “Tatort” vorher war quotenmäßig auch eher schwach auf der Brust. 7,7 Mio. Zuschauer schalteten da ein. Normalerweise lockt ein Kölner “Tatort” über 9 Mio. Was lernt der TV-Macher daraus: Welche Gäste man hat und wie gut die eigene Sendung am Sonntagabend ist, ist nicht so wichtig, wie die Quoten-Vorlage durch den “Tatort”. Vermutlich könnte man in die Talkrunde am Sonntagabend auch Schaufensterpuppen mit Motorradhelmen setzen und bekäme immer noch zwischen drei und vier Millionen Zuschauer in der Quotenmessung zusammen. Eigentlich eine frustrierende Erkenntnis.

Schönes Wochenende!

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