Die Todes-Show beim Jackson-Prozess

Der “King of Pop”, Michael Jackson, ist seit zwei Jahren tot. Aber selbst im Tod ist er immer noch für mediale Show-Effekte gut zu haben. Jetzt begann in Los Angeles der Prozess gegen Jacksons früheren Leibarzt wegen des Vorwurfs fahrlässiger Tötung. Der Prozessauftakt wurde live übertragen und geriet zu einem Medienspektakel der eher würdelosen Art. Das Spektakel dokumentiert auch, wie fundamental unterschiedlich die Rechtssysteme in Deutschland und den USA ticken.

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Für die USA ist es ganz selbstverständlich, dass solch ein Prozess live übertragen wird, dass TV-Kameras im Gerichtsaal dabei sind, wenn der Staatsanwalt ein Foto des fast toten Michael Jackson auf einer Krankentrage zeigt oder einen Mitschnitt eines Telefonats vorspielt, in dem Jackson offenbar unter Drogeneinfluss steht. In Deutschland wäre so etwas undenkbar. Man erinnere sich nur daran, wie umfassend die Öffentlichkeit beim Kachelmann-Prozess ausgeschlossen wurde.

Während in den USA das Prinzip maximaler Transparenz gilt, ohne Rücksicht auf Würde oder Persönlichkeitsrechte der Betroffenen, steht in Deutschland der Schutz der Privatsphäre oft über dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit. Beiden Haltungen haftet etwas Extremes an, beides ist kritikwürdig und im Falle des Jackson-Prozesses teilweise schwer erträglich.

Denn vor allem Boulevard- und TV-Medien stürzen sich genüsslich auf die “full shocking Details” (Daily Mirror). Bild, B.Z. (beide Springer) zeigten das umstrittene Jackson-Foto am Mittwoch groß auf ihren Titelseiten. Ebenso britische Boulevard-Zeitungen, wie der Daily Mirror und The Sun. Im Radio, auch im Öffentlich-Rechtlichen, wurde eifrig aufgezählt, was in den kommenden Tagen noch alles zu erwarten sei, u.a. Fotos des toten Michael Jackson, wie ein Reporter aufgeregt zu Protokoll gab. Es werde noch “viel Interessantes” zu berichten geben, wurde u.a. im Hessischen Rundfunk verkündet. So ein Prozess sei eben auch ein Spektakel. So sei das halt in den USA.

Andere machten sich daran aufzuzählen, wie viele der zwölf Geschworenen nun als Michael-Jackson-Fans gelten und darum befangen sein könnten oder wer von der illustren Jackson-Familie alles im Gerichtssaal anwesend war und wie ausgesehen hatte. Und im Anschluss spielen sie im Radio Michael Jacksons “Don’t stop till you get enough”. Von den “shocking Details” wie in diesem Show- und Schau-Prozess bekommen Teile der Medienwelt allerdings wohl niemals genug. Und aufhören werden sie auch nicht.

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