Ist Business Punk die bessere Wired?

Es ist vielleicht der Beginn eines neuen Chefredakteurs-Disputes, aber auch ein déjà-vu: In einem Blogeintrag rechnet Nikolaus Röttger, Redaktionsleiter von Business Punk, mit einem zwei Jahre alten Lügen-Vorwurf von Thomas Knüwer ab, der mittlerweile Chefredakteur von Wired ist. Zugleich erinnert das Posting an die gerade erschiene Ausgabe von G+Js hippem Wirtschaftsmagazin. Und siehe da: Beim Blick in das Heft zeigt sich, dass Business Punk möglicherweise sogar die bessere Wired ist.

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Vom Ansatz her unterscheiden sich die beiden Hefte gewaltig – inhaltlich liegen sie jedoch nah beieinander. So beschäftigen sich beide viel mit dem Internet, mit neuer Technik und den daraus resultierenden Trends. Wired erzählt seine Geschichten mit einem größerem Fokus, ausgefeilteren und opulenteren Optiken und einem philosophischeren – und möglicherweise auch intellektuelleren – Ansatz. Röttger setzt dagegen konsequent die Menschen und Macher in den Vordergrund.

Gaming-Dossier in der Business Punk

Passend zum scheinbar kompromisslos hedonistischen Ansatz von Business Punk sind die meisten Protagonisten harte oder coole Alpha-Tiere. So wird in der Titelgeschichte des Wirtschaftsmagazins der Paypal- und Tesla-Gründer Elon Musk "zum größten Genie seit Steve Jobs", und im Gaming-Dossier wird Bigpoint-Gründer Heiko Hubertz zu "Deutschlands Online-König". Weitere Webworker, über die Business Punk berichtet, sind der Seriengründer Lukasz Gadowski, Etsy-Europachef Matt Stinchcomb und Hung Huang, Verlegerin und eine der meistgelesen Bloggerinnen Chinas.

Abgesehen von der teilweise völlig überdrehten Verkaufe wie "Online-König" und "größtem Genie seit Steve Jobs" geht es auch in der Business Punk überwiegend um Menschen, die im Grunde ihres Herzens Nerds oder Geeks sind. Und mit denen beschäftigt sich auch wiederum die Wired.

Die Wired über Geeks

Wahrscheinlich ist die thematische Nähe der beiden Hefte auch der Grund, warum sich Röttger jetzt noch einmal zu einem Posting genötigt sah. Der Business-Punk-Macher weist darauf hin, dass er bereits im April ein großes Stück über Geeks und Nerds gemacht habe.

"Warum ich mich jetzt trotzdem noch mal melde anlässlich der Wired?", bloggt er: "Weil ich das Bedürfnis habe, etwas klar zu stellen, das mich schon seit zwei Jahren ärgert. Etwas, das nichts mit der Wired, sondern mit Chefredakteur Thomas Knüwer zu tun hat." Denn der Start des Condé-Nast-Magazins erinnerte Röttger wieder daran, "wie Knüwer die Erstausgabe von Business Punk besprach. Diese Blattkritik von damals ärgert mich aufgrund einer fiesen Unterstellung jetzt wieder." Es geht um einen Blog-Text von Knüwer, in dem er behauptete, das Zitat eines Wallstreet-Bloggers, auf dem der Name der Wirtschaftszeitung beruht, sei erfunden. Im Business Punk-Editorial stand damals "We like to work hard. We like to play hard. We love money and all the happiness it brings us. We like to close the bar at 4 am on a Monday night and be at the office a few hours later.”

Business Punk beschäftigt sich mit Etsy.com

Dieses Zitat konnte der damalige Handelsblatt-Reporter nicht mehr ergoogeln. Zwei Jahre später kontert Röttger endlich und bloggt. "Das Zitat ist natürlich NICHT erfunden" und nennt ein Messageboard als verbliebene Quelle.

Es könnte gut sein, dass der Disput zwischen den beiden Blattmachern weitergeht. Denn Röttger scheint Blut geleckt zu haben. So schreibt er: "Jetzt habe ich – natürlich – die Blattkritik von damals noch mal ganz gelesen und bin kurz davor mich reinzusteigern".

Interessant wird es sein zu beobachten, ob die nächste Antwort in dem kleinen Schlagabtausch auch wieder zwei Jahre auf sich warten lässt.

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