Web-Firmen springen auf den Flipboard-Hype

Web-Inhalte auf Tablets, wie dem iPad, magazinig aufbereiten - das ist der neue Trendsport von etablierten Internet-Firmen. Aufgescheucht von dem hochgelobten Startup Flipboard haben mittlerweile alle großen Web-Firmen Magazin-Anwendungen gestartet, angekündigt oder noch geheim in der Mache. AOL Editions ist in den USA bereits erhältlich, Yahoo will im Herbst mit Livestand loslegen und Google entwickelt hinter den Kulissen eine Digital-Magazin-Lösung mit dem Arbeitstitel Propeller.

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Das Propeller-Projekt von Google wurde zuerst von dem US-Blogger Robert Scoble bei Google+ angekündigt. Der Name “Propeller” wurde von der stets gut informierten Kara Swisher von “All Things D” hinzugefügt. Google Propeller soll es Nutzern ermöglichen, komfortabler durch Social News und Feeds zu navigieren. Wie genau das Google-Produkt aussehen wird und was man alles damit wird konsumieren können, ist noch unklar.
Wesentlich weiter sind die Planungen für Yahoo Livestand. Livestand soll Yahoo-Dienste wie Sports, News, den Bilder-Service Flickr, den eigenen Mail-Dienst sowie die Klatsch- und Tratsch-Website OMG! magazinig für iPads und Android-Tablets aufbereiten. Zusätzlich setzt Yahoo laut einem Bericht der Financial Times Deutschland stark auf Kooperationen mit Verlagen, die ebenfalls Inhalte zu Livestand beisteuern sollen. Yahoo will dann Provision kassieren. Die Ankündigungen zu solchen Kooperationen in der FTD wirken freilich noch sehr vage. Es habe Anfang des Jahres Gespräche mit Condé Nast gegeben. Der Verlag von Vogue und Wired habe zwar keinen Vertrag unterzeichnet, sei aber “interessiert” gewesen. Konkret klingt anders.
AOL hat mit Editions dagegen bereits eine iPad-App in den USA gestartet, die AOL-Inhalte in Form eines schicken Digital-Magazins aufbereitet. Allerdings fehlt bei Editions die Möglichkeit, eigene RSS-Feeds einzubinden, wie es Flipboard bietet. Weitere hoffnungsvolle Mitbewerber im noch jungen Segment der Magazin-Reader heißen Pulse.me, Zite.com oder News.me, das sich auf die Aufbereitung von Twitter-Nachrichten und dort hinterlegten Links spezialisiert.
Auch Social-Network-Primus Facebook arbeitet Gerüchten zufolge an neuen, attraktiveren Darstellungsformen von empfohlenen Inhalten, um die aufkeimende Konkurrenz im Zaum zu halten. Angefacht wurde die Magazin-Euphorie von Flipboard. Die App, die es bislang nur fürs iPad gibt, verbindet Inhalte aus RSS-Feeds, Twitter und Facebook zu einem optisch ansprechend aufbereiteten, hoch personalisierten Digital-Magazin. Die Hoffnung ist, dass sich Verlage und andere Medienanbieter für exklusive Kooperationen gewinnen lassen und man Provisionen für Digital-Abos oder Werbe-Schaltungen kassieren kann.
Noch ist nicht klar, ob dieses Geschäftsmodell funktioniert, aber keiner will eine mögliche Chance verpassen, wenn die neuen Digital-Claims absteckt werden. Laut Kara Swisher soll Google bereits versucht haben, Flipboard aufzukaufen. Als die Gründer dankend ablehnten, begann Google kurzerhand mit der Entwicklung des Gegen-Produkts Propeller. Im Internet wird das Fell des Bären verteilt, lange bevor er erlegt ist.

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