Presserat rügt Bild für Breivik-Bericht

Die aktuelle Tagung des Deutschen Presserates wurde diesmal dominiert von Diskussionen zur Berichterstattung über den Bombenanschlag in Oslo sowie dem Amoklauf auf Utoya. 16 Beschwerden lagen dem Gremium zu diesem Thema vor. Bild und Bild Online erhielten eine nicht-öffentliche Rüge für ihre Berichterstattung über den Attentäter Anders Breivik. Weitere Rügen gab es, allerdings in anderen Zusammenhängen, für Klambts Lea, Bild Berlin und den Münchener Merkur.

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Die Bild Zeitung, wie auch Bild Online, hatte ein Foto von Breivik veröffentlicht, auf dem neben dem Attentäter auch noch dessen Mutter so wie eine Freundin abgebildet waren. Dazu argumentieren die Medienwächter, dass es grundsätzlich unzulässig sei, "Familienangehörige und sonstige durch die Veröffentlichung mittelbar Betroffene, die mit dem Unglücksfall oder der Straftat nichts zu tun haben", mit Namen zu nennen oder abzubilden.

Zudem sprach der Presserat jeweils einen Hinweis gegenüber zwei Veröffentlichungen aus, in denen eine Vielzahl von Opfern mit Bild und vollem Namen dargestellt wurden.

In seiner Erklärung merkt das Aufsichtsgremium an, dass viele Medien Opfer-Fotos mit dem Argument veröffentlicht hätten, den Opfern “ein Gesicht geben“ zu wollen und den Lesern so das Ausmaß des schrecklichen Verbrechens begreifbarer zu machen. Diese Intention stoße sich allerdings mit dem Persönlichkeitsrecht der Betroffenen. "Nur weil Menschen zufällig Opfer eines schrecklichen Verbrechens werden, rechtfertigt dies nicht automatisch eine identifizierende Berichterstattung über ihre Person", heißt in der Stellungnahme. Deshalb kamen die Medienwächter zu dem Ergebnis, dass in diesem konkreten Fall das Persönlichkeitsrecht der Opfer "ein mögliches Informationsinteresse der Leser überlagert".

Ansonsten musste sich der Presserat, neben der Diskussion über die Utoya- Berichterstattung, auch in der aktuellen Sitzungsperiode wieder seiner Routine-Arbeit widmen. So wurde Klambts wöchentliche Frauenzeitung Lea öffentlich gerügt, weil sie einen frei erfundenen Text als journalistisch-redaktionellen Beitrag veröffentlicht hatte. Bei dem Stück handelte sich um einen Artikel über ein medizinisches Thema. Die Redaktion teilte dem Presserat offenbar mittlerweile mit, dass man sich von der freien Autorin getrennt habe.

Neben der Breivik-Rüge für Bild wurde auch die Regionalausgabe Berlin/Brandenburg gerügt, weil sie das Foto eines jungen Mädchens veröffentlicht hatte, das vor zwei Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen war.

Zudem stellte der Presserat fest, dass die Online-Ausgabe des Münchner Merkurs in einem Stück über die Wiedereröffnung einer Einkaufspassage gegen das Trennungsverbot verstoßen habe. Das Gremium sah in dem Text keinen "Servicecharakter, sondern mangelnde journalistische Distanz". In dem Artikel sollen einzelnen Geschäfte, ihre Angebote und Preise detailliert genannt worden sein.

Die drei Beschwerdeausschüsse des Presserates beschäftigten sich mit insgesamt 84 Beschwerden. Neben den zwei öffentlichen und zwei nicht-öffentlichen Rügen sprachen sie noch 16 Missbilligungen und 18 Hinweise aus.

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