Apple: Was tun mit 100 Milliarden Dollar?

In einer Welt, die hoffnungslos überschuldet ist, hat der wertvollste Konzern der Welt das größte aller Luxusprobleme: 100 Milliarden Dollar dürften Anfang 2012 auf Apples prall gefülltem Bankkonto ruhen – doch der iPhone-Hersteller weiß bis heute nicht so recht, was er damit anstellen soll. Die Investmentbank Morgan Stanley hat gestern die alte Debatte neu angestoßen - und über einen Aktienrückkauf oder eine Dividendenausschüttung spekuliert. Wahrscheinlich ist beides in naher Zukunft nicht.

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In einer Welt, die hoffnungslos überschuldet ist, hat der wertvollste Konzern der Welt das größte aller Luxusprobleme: 100 Milliarden Dollar dürften Anfang 2012 auf Apples prall gefülltem Bankkonto ruhen – doch der iPhone-Hersteller weiß bis heute nicht so recht, was er damit anstellen soll. Die Investmentbank  Morgan Stanley hat gestern die alte Debatte neu angestoßen – und über einen Aktienrückkauf oder eine Dividendenausschüttung spekuliert. Wahrscheinlich ist beides in naher Zukunft nicht.  

Das Luxusproblem ist so alt wie die Milliarden, die von Quartal zu Quartal auf Apples Bankenkonto fließen: Der Geldspeicher in Cupertino wird immer dicker und dicker. In den nächsten Monaten dürfte das Ausmaße erreichen, die in der Wirtschaftsgeschichte so einzigartig sind wie die Finanzkrise, in der wir uns seit Jahren befinden. Während die Volkswirtschaften dies- und jenseits des Atlantiks unter der Verschuldung auf Rekordniveaus ächzen, dürfte Apple Anfang 2012 die 100 Milliarden-Dollar-Grenze knacken.

Das ist kein Tippfehler: 100 Milliarden Dollar Barreserven – so viel wird Apple im ersten Quartal nach normalem Geschäftsverlauf 2012 besitzen. Die Rechnung ist schnell gemacht: Über 76,4 Milliarden Dollar freie Mittel verfügte Apple per Ende Juni, als der iPhone-Hersteller einen Nettogewinn von 7,3 Milliarden Dollar einfuhr. Nur eine leicht anziehende Geschäftsentwicklung unterstellt (dabei explodierte Apples Gewinn zuletzt um 125 Prozent), und Apple fährt die fehlenden 23,6 Milliarden Dollar bis Ende März ein.

Prognose: Apple heute für den Cash-Anteil in 2015 zu haben

Morgan Stanley Analystin Katy Huber ist da schon etwas optimistischer: Sie gab gestern in einer Studie die Zielmarke von 94 Milliarden Dollar bis Jahresende (das wären weitere knapp 18 Milliarden Dollar in den beiden Quartalen bis Ende Dezember) und 136 Milliarden Dollar bis 2012 heraus. Eine zweistellige Gewinndynamik unterstellt, würden Apples Cash-Reserven  irgendwann in diesem Jahrzehnt folgerichtig auf den heutigen Börsenwert anschwellen. Der liegt derzeit bei rund 350 Milliarden Dollar. Der Vermögensverwalter Andy Zaky sieht diesen Fall bereits im Jahr 2015 eintreten.

Bleibt bei all dem Wachstum nur eine Frage: Was tun mit all den Milliarden? Die Wall Street beschäftigt dieses Thema schon länger. Nach den ungeschriebenen Gesetzen der Aktienmärkte zahlen Konzerne, wenn sie mit ihren Bargeld-Reserven nicht anfangen können, ihren Aktionären einen Teil der Gewinne aus oder verwenden sie zum Aktienrückkauf, um die eigenen Aktien attraktiver erscheinen zu lassen.

Steve Jobs: Warten und Scheck ausstellen

Entsprechend dieser Meinung ist dann auch Morgan Stanley-Analystin Katy Huber. "40 Jahre Aktien-Entwicklung zeigen, dass sich Aktienrückkäufe oder Dividendenausschüttungen für Aktionäre am meisten auszahlen", erklärt Huber gestern in ihrer Apple-Studie. Wall Street-Veteran James Cramer fährt Huber indes halb in die Parade: "Wenn Apple eine Dividende zahlt, wäre ich begeistert. Wenn sie Aktien zurückkaufen, weniger." Cramer hält einen Rückkauf von eigenen Anteilsscheinen vor allem unter Timingaspekten für Geldverschwendung.  

Wer allerdings auf eine schnelle Entscheidung in Apples Management setzt, könnte enttäuscht sein. Das wertvollste Unternehmen der Welt schweigt sich weiter beharrlich über die Verwendung der riesigen Barbestände aus. Unternehmensgründer Steve Jobs äußerte sich Anfang 2010 als Letzter ausführlich zu diesem Thema: Man warte auf die entsprechenden Gelegenheiten und schreibe dann einfach einen Scheck aus.

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