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Facebook: Grenzen des Wachstums in Sicht?

Das weltgrößte Social Network ist auf Kurs: Wie die Nachrichtenagentur Reuters aus unternehmensnahen Kreisen erfahren haben will, soll Facebook im ersten Halbjahr 2011 1,6 Milliarden Dollar umgesetzt und dabei fast 500 Millionen Dollar verdient haben. Damit liegt Facebook im Rahmen der Erwartungen, könnte aber bei einem Börsengang im nächsten Jahr durchaus Probleme bekommen, die zuletzt immer exorbitanteren Bewertungen zu rechtfertigen. Denn Google war zur selben Zeit bereits wesentlich weiter.

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Das weltgrößte Social Network ist auf Kurs: Wie die Nachrichtenagentur Reuters aus unternehmensnahen Kreisen erfahren haben will, soll Facebook im ersten Halbjahr 2011 1,6 Milliarden Dollar umgesetzt und dabei fast 500 Millionen Dollar verdient haben. Damit liegt Facebook im Rahmen der Erwartungen, könnte aber bei einem Börsengang im nächsten Jahr durchaus Probleme bekommen, die zuletzt immer exorbitanteren Bewertungen zu rechtfertigen. Google nämlich war zur selben Zeit bereits wesentlich weiter. 

Ist gut wirklich gut genug? Wenn man Facebook heißt, Firmenanteile an wohlhabende Investoren für eine gesalzene Premium-Bewertung verkauft und obendrein Angestellte damit anlockt, das erste Billionen-Unternehmen der Welt zu werden, sind die jüngsten Halbjahreszahlen, die die Nachrichtenagentur Reuters erfahren haben will, vielleicht dann doch nicht gut genug.

Zu den Fakten: Facebook selbst unterliegt als nicht börsennotiertes Unternehmen bislang keiner Veröffentlichungspflicht. Trotzdem sind Geschäftsdaten aus dem aufstrebenden Internet-Konzern nun erneut an die Medien gelangt. Reuters berichtet von Umsätzen in Höhe 1,6 Milliarden Dollar in den ersten sechs Monaten 2011, in denen Gewinne von knapp 500 Millionen Dollar erzielt worden sind.  

2010 verdiente Facebook 600 Millionen Dollar bei Umsätzen von zwei Milliarden Dollar

So weit, so gut. Als Facebook im Januar dieses Jahres die Aufsehen erregende Beteiligung von Goldman Sachs in Höhe von zwei Milliarden Dollar auf Basis einer 50 Milliarden-Bewertung bekannt gab, wurde auch gleich zum besseren Verständnis die Konzernbilanz der ersten 9 Monate 2010 nachgereicht. Seinerzeit fuhr Facebook Gewinne in Höhe von 355 Millionen Dollar bei Umsätzen von 1,2 Milliarden Dollar ein.

Im Gesamtjahr 2010 sah es schließlich nach Gewinnen von 600 Millionen Dollar bei Umsätzen von 2 Milliarden Dollar aus. Danach explodierten die Schätzungen für das laufende Geschäftsjahr komplett: Das Wall Street Journal zitierte im Frühjahr Experten, die bei Umsätzen von 4 Milliarden Dollar 2011 schon Gewinne vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern (Ebitda) von zwei Milliarden Dollar sahen.

Ambitionierte 2011er Erwartungen erscheinen nun zu hoch
Das erscheint angesichts der jüngsten – inoffiziellen – Halbjahreszahlen nun doch sehr ambitioniert. Zumindest nach der Gewinnentwicklung: Facebook bräuchte dafür ein sehr starkes drittes und ein sensationelles viertes Quartal, um die hochfliegenden Hoffnungen zu rechtfertigen. 4 Milliarden Dollar Umsatz sind angesichts des traditionell starken Schlussquartals allemal drin – aber woher sollen Gewinne von 1,5 Milliarden Dollar in sechs Monaten kommen?

Facebook müsste die Gesetze der Profitabiltät mit einer unglaublichen Nettomarge von 60 Prozent neu erfinden, während sie im ersten Halbjahr noch bei rund 30 Prozent gelegen hatte. Wer rechnen kann, weiß: Hier wären Vodoo-Economics im Spiel. So erscheint denn ein glatter Milliardengewinn oder eine Verdopplung auf 1,2 Milliarden Dollar im Gesamtjahr inzwischen weitaus realistischer.  

Facebooks (Börsen-)Schicksal: Wachstumsdynamik der nächsten Monate entscheidet

Geht der aktuell größten Wachstumsstory der Internetwelt damit nun die Luft aus? Keinesfalls – Umsatz- und Gewinnverdopplungen im siebten Jahr des Bestehens sind keine Selbstverständlichkeiten. Die hochfliegenden Bewertungen, die im Frühjahr noch kursierten sind damit aber noch um einiges luftiger geworden.

Legt man einen geschätzten Jahresgewinn von 1,2 Milliarden Dollar zugrunde, käme Facebook per Ende 2011 bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 40, das bei Börsengängen vom Format Facebook von risikofreudigen Anlegern schon mal bewilligt werden könnte, ziemlich genau auf jene 50 Milliarden Dollar-Bewertung, die Goldman Sachs seinen wohlhabenden Kunden Anfang des Jahres schmackhaft machte.

Da an den Aktienmärkten stets die Zukunft gehandelt wird, entscheidet sich Facebooks (Börsen-) Schicksal ganz maßgeblich in der Wachstumsdynamik der nächsten Monate: Kann Facebook 2012 nochmals um 100 Prozent wachsen und seine Gewinne in Richtung von 2,5 Milliarden Dollar steigern, während die Umsätze in die Dimension von 7 bis 8 Milliarden anziehen, erscheint die 100-Milliarden-Dollar-Wette weiter nicht ganz unrealistisch.   

Googles großer Schatten: Höhere Umsätze, mehr Gewinn
Doch die nun durchgesickerten Halbjahreszahlen nähren eher den Zweifel an der ambitioniertesten Börsenbewertung, die je ein Debütant erzielen würde: Noch mal eine Gewinn- und Umsatzverdopplungg – in dieser Größenordnung und in dem sich verfinsternden wirtschaftlichen Umfeld? Das ist nicht gerade die kleinste Herausforderung.

Und selbst wenn Facebook diese Wachstumshürde nimmt – an Google käme das Social Network immer noch nicht heran. Denn bereits im siebten Jahr des Bestehens erlöste Google sechs Milliarden Dollar.

Im siebten Geschäftsjahr befindet sich Facebook nun bereits – und egal, was passiert: Erlöse in Höhe von sechs Milliarden Dollar wird Mark Zuckerberg Investoren Ende 2011 kaum präsentieren können. Die größte Internet-Wachstumsstory unserer Zeit – sie hat nach den jüngsten Geschäftszahlen einen Dämpfer bekommen.

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