Das Vater-Sohn-Buch von Verleger DuMont

Kaum war ein wenig Ruhe eingekehrt in den Dauer-Konflikt zwischen dem Kölner Verleger Alfred Neven DuMont und seinem Sohn Konstantin - da veröffentlicht der Alte seinen mittlerweile zweiten Roman mit dem Titel “Vaters Rückkehr”. Ein Buch, erzählt aus der Perspektive eines Sohnes über die Irrungen und Wirrungen einer verkorksten Vater-Sohn-Beziehung - inklusive versöhnlichem Ende. Egal wie man es dreht und wendet - das kann man nur als Schlüsselroman verstehen.

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Sofort mit dem Erscheinen des Buches, wird “Vaters Rückkehr” von den DuMont-eigenen Zeitungen wohlwollend besprochen. Die Mitteldeutsche Zeitung schafft es dabei sogar, kein Wort über den realen Vater-Sohn-Konflikt zu verlieren. Zwar wird in dem Text erwähnt, dass der Autor, Professor Alfred Neven DuMont, wie er voll Ehrfurcht genannt wird, Herausgeber der Mitteldeutschen ist, ansonsten wird fleißig gelobt. Die Mitteldeutsche Zeitung bilanziert: “Der Vater indes, der eigentliche Held dieses Romans, trägt alles dies in seinem Herzen, heiter und traurig zugleich im selbsterfahrenen Wissen um den Schmerz, den man einander zufügen kann. Vater und Sohn, sie gehören zusammen, was immer sie trennt. Verständnis macht die Dinge leichter. Darin liegt Hoffnung. Beim Schreiben wie im Leben. So kann man diesen Roman als eine Tröstung lesen. Für Väter und Söhne.”

Arno Widmann gelingt in in den DuMont-Publikationen Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau dagegen das Kunststück, das Verleger-Buch auf ganz und gar un-anbiedernde Weise zu rezensieren. Der Trick dabei ist, dass er die Tatsache, dass es sich um ein Buch vom Chef handelt, plakativ an den Anfang seines Artikels stellt, offen darüber räsoniert was hier Wahrheit und was Fiktion sein kann und sogar vor Ironie nicht zurückschreckt. Zitat: “Sex im Büro! Das muss eine Fiktion sein. Unmöglich, dass unser Verleger dergleichen im Auge hat, wenn er davon spricht, dass er sich freut, wenn das Arbeitsklima in einer Redaktion gut sei.” Dass das Formulieren von Liebesszenen nicht zu den offenkundigsten Fähigkeiten von Alfred Neven DuMont gehört, darüber schweigt der Rezensent gnädig.

Bleibt de Frage nach dem Warum? Warum schreibt der Verleger DuMont so ein Buch, das man gar nicht anders verstehen kann, als eine Aufarbeitung des realen Vater-Sohn-Konflikts in Form eines Romans? Offenbar hat die Medien-Familie DuMont selbst einen gewissen Drang hin zur Öffentlichkeit. Während der echte Sohn, Konstantin, in Interviews, Artikeln und Internet-Kommentaren den Konflikt öffentlich auslebte und -lebt, hat der Vater nun einen Roman geschrieben. Beides öffentliche Aufarbeitung eines privaten Konflikts. Inwieweit die Öffentlichkeit – egal in welcher Form – heilsam ist, müssen die Beteiligten selbst wissen. Übrigens: Auch Alfred Neven DuMonts Frau Hedwig schreibt. Ihr Krimi mit dem Titel “Backgammon” erscheint am 16. September bei Bastei Lübbe.
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