Lieber Sportsfreund, das geht schief

Erfolgreicher Sport-Journalismus muss radikal sein: der Kicker setzt bedingungslos auf den - zum Teil schon extrem uninspirierten - Fachmagazin-Ansatz, die Sport Bild auf puren Boulevard und 11 Freunde auf eine – oftmals - subjektive Nerd-Perspektive. Unter dieser Prämisse wird das neue Magazin Sportsfreund kein großer Erfolg. Denn der Neuling erinnert zu stark an ein Krankenkassenmagazin: Es ist ordentlich gemacht, wartet mit einigen netten inhaltlichen Ideen auf, ist alles im allem aber viel zu brav.

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In seinem Editorial erzählt Chefredakteur Christian Bärmann, dass der „Sport nun einmal die schönsten Geschichten“ schreibt und dass Sportsfreund mit den Lesern viele weitere erleben wolle, „auch abseits der großen Bühnen und des Leistungssports“. Sein Konzept dazu erläutert Bärmann wie folgt: „Mit spannenden, ungewöhnlichen und überraschenden Reportagen, Interviews, Hintergrundberichten und Porträts aus der vielfältigen Welt der professionellen und weniger professionellen Körperertüchtigung.“

Klingt nach einem Heft mit wenig Fußball und dafür viel buntem Sport – und tatsächlich macht das Magazin nicht mit Bayern München, Schalke und Co. auf, sondern mit der Nummer zwei im deutschen Mainstream-Sport-Koordinaten-System: Michael Schumacher und der Formel 1.

Die Titelgeschichte beschäftigt sich mit Comebacks und transportiert die These, dass die meisten Sportstars auf eine Rückkehr verzichten sollten. Recht hat die Redaktion – und doch ist es wohl keine sonderlich smarte Entscheidung mit solch einem negativen Thema, das bislang auch niemanden so richtig interessierte, die erste Ausgabe aufzumachen. Das Titelfoto zeigt passend dazu einen wenig glücklich dreinschauenden Schumacher vor braunschwarzen Hintergrund. Kurz: die gesamte Komposition ist wenig einladend.

Ansonsten teasert das Magazin auf seinem Cover neben Fußball und Tennis noch die beiden wenig massenkompatiblen Sportarten Golf und Polo an. Blättert man das Heft durch, gibt es zu viel Massenware statt überraschender Geschichten. Dazu gehören das bereits erwähnte Polo-Stück genauso wie der Besuch beim Heimatverein von Thomas Müller, dem TSV Pähl, oder ein Streifzug durch den neuen Olympia-Park von London. Alles ganz nett, aber auch nicht mehr.

Dabei hat das Heft auch einige tolle Momente. Dazu gehören eine Doppelseite mit legendären Sport-Duellen, ein Stück über einen blinden Golfer, die Tabelle der Bundesligalogos oder ein Interview mit Oliver Kalkofe über Sport im Fernsehen.

Der Anspruch des neuen Heftes ist es, den Sport in seiner ganzen Breite zu zeigen. Ein  hehres Ziel, an dem jedoch bereits ganz andere Projekte wie Sports oder Player scheiterten. Das Problem ist möglicherweise, dass sich Tennisfans einfach nicht für blinde Golfer interessieren oder Fußballfreunde nicht für Damentennis. Ein solches Konzept funktioniert nur, wenn ausnahmslos jede Geschichte radikal überrascht oder unterhält.

Die Titelzeile in dem Gespräch mit Oliver Kalkofe lautet: „Sportfans haben keinen Humor“. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Sportsfreund die Chance gehabt hätte, das Gegenteil zu beweisen. Doch das ist noch nicht gelungen. Allerdings liegt auch erst ein Heft am Kiosk und Sportfans wissen ja: Ein Spiel entscheidet noch lange nicht über das Wohl und Wehe einer ganzen Saison.

Das Magazin erscheint alle vier Wochen, die Auflage liegt bei 40.000 Stück und der Preis beträgt 4,50 Euro.

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