iPad vs. Kindle: Was kommt mit auf die Insel?

Tablet PCs wie das iPad und E-Reader wie Amazons Kindle sind mittlerweile nichts Besonderes mehr. Man hat sich an die flachen, elektronischen Alltagsbegleiter gewöhnt. Nach über einem Jahr mit dem iPad und einem halben Jahr mit dem Kindle stellt sich die Frage: Welches der Geräte ist in der Praxis ausgereifter? Wo liegen die Vor- und Nachteile? Und: Welches Gerät würde man auf die berühmte einsame Insel mitnehmen? MEEDIA macht den Langzeit-Vergleich zwischen Kindle und iPad.

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Bedienbarkeit

In diesem Punkt hat klar das iPad die Nase vorne. Die vielfältigen Möglichkeiten den Touch-Bildschirm zu bedienen werden auch von Anfängern, Kindern oder älteren Familienmitgliedern intuitiv und ganz selbstverständlich erfasst. Bei den einzelnen Apps kommt es dann natürlich immer auf die jeweilige Programmierung an, wie gut die Touch-Funktionalität eingesetzt wird. Das iPad punktet ansonsten mit der Apple-typischen Reduktion auf das Wesentliche: Home-Knopf, Lautstärkeregler, Ein- und Aus-Schalter – das war’s. Beim Kindle ist die Bedienung weitaus weniger intuitiv. Der graue Kasten von Amazon verfügt über eine fizzelige kleine Tastatur und eine ganze Reihe von Sonder-Tasten und ein ebenfalls eher fizzeliges Steuerteil mit dem man den Cursor auf dem E-Ink-Bildschirm mehr schlecht als recht steuert. Die Menüs sind nicht immer logisch und man braucht oftmals mehrere Anläufe, bis der Kindle das tut, was man von ihm möchte. Da man mit dem Kindle in den allermeisten Fällen aber einfach nur liest und Seiten blättert, lassen sich diese Defizite verschmerzen. Schwerer wiegt da schon, dass der Kindle in der aktuellen Version die Vor- und Zurück-Tasten so angebracht hat, dass man oft unbeabsichtigt blättert, wenn man das Gerät in die Hand nimmt. Das hätte Amazon bei der nunmehr dritten Generation des Geräts nicht passieren dürfen.

Coolness-Faktor

Zumindest in Deutschland kann man mit dem Kindle in Sachen Coolness keinen Blumentopf gewinnen. Otto-Normalverbraucher kennen das Gerät erst gar nicht und während man am Flughafen vom Sicherheitspersonal automatisch nach “Laptop oder iPad” gefragt wird, erntet man mit der Aussage, man habe “nur einen Kindle dabei” ein verständnisloses “Hä?” Kein Zweifel, der Kindle ist auf seine Weise bestürzend uncool. Für seine Fans macht aber gerade das einen Teil des Charmes aus. Mit seinen vielen kleinen Knöpfen und dem grauen Display wirkt der Kindle im Vergleich zum hypermodernen iPad fast schon erfrischend altmodisch. Das iPad dagegen ist zwar immer noch hip – wirklich beeindrucken kann man damit auch aber auch keinen mehr. Entweder man bewegt sich in Kreisen (Medien, Werbung, Politik), in denen eh jeder eins hat. Mindestens. Oder man gilt schnell als Depp, weil man soviel Geld für eine eigentlich unnütze Spielerei zum Fenster rauswirft.

Einsatzmöglichkeiten

Da hat das iPad natürlich wieder die Nase vorn. Man kann mit dem iPad – genau wie mit dem Kindle – elektronische Bücher lesen. Aber noch viel mehr: Spiele, Medien, Anwendungen, Internet, Mails, Musik, Filme. Das iPad ist eine echte Wunderkiste, die sich in das verwandelt, was die Fantasie der App-Autoren hergibt. Der Kindle dagegen ist ein One-Trick-Pony: Man kann damit lesen. Punkt. Zwar hat der Kindle auch einen “experimentellen” Browser eingebaut, aber wer den mal benutzt hat, verzichtet darauf gerne. Und die Spiele, die es für den Kindle zum Runterladen gibt, sind der Erwähnung nicht wert. Der schwarzweiße, langsame E-Ink-Bildschirm, der den Kindle zum Lesen perfekt macht, verhindert praktisch jede andere sinnvolle Anwendung mit dem Gerät.

Mediennutzung

Zahlreich sind die Medienapps für das iPad. Aber auch auf dem Kindle kann man eine stattliche Anzahl Zeitungen und Zeitschriften abonnieren. Der Kindle hat hier den Vorteil, dass die Medien über die 3G-Verbindung auch ohne Mobilfunkvertrag weltweit zuverlässig geliefert werden. Die Nachteile sind bekannt: Es gibt bei vielen Medien keine oder nur sehr wenige Bilder, die dann auch noch in Schwarzweiß daherkommen. Und: Einige Medien specken ihre Kindle-Versionen ab, d.h. es werden nicht alle Artikel der Print-Ausgaben ausgeliefert. Warum? Man weiß es nicht und ärgert sich. Ein weiterer Nachteil des Medienkonsums auf dem Kindle ist der Preis: Die Einzelausgaben sind oft genauso teuer oder nur unwesentlich günstiger wie die Print-Ausgaben, gleiches gilt für Abos. Ein Vorteil ist, dass man via Amazon völlig unproblematisch Probeabos abschließen kann. Und weil Amazon alles abwickelt und nicht die Verlage, ist es auch ganz einfach die wieder zu kündigen, ohne dass man von Werbung behelligt wird.

Auf dem iPad rangeln dagegen viele aufgemotzte Multimedia-Versionen von Zeitungen und Zeitschriften um Aufmerksamkeit. Und während Medienkonsum auf dem Kindle vor allem reduziert und teuer ist, gibt es auf dem iPad viele verschiedene Preismodelle und Varianten. Von der inkludierten iPad-Nutzung als Print-Abonnent über digitale Abo-Modelle und Einzelverkauf ist alles möglich. Ganz generell ist der Medienkonsum auf dem Kindle eher etwas für Hardcore-Fans von sehr textlastigen Publikationen, die viel unterwegs sind. Alle anderen sind mit dem iPad medientechnisch besser bedient.

Technisches

Das iPad kann alles was der Kindle kann und noch viel mehr. Technisch ist das iPad ganz klar die viel größere Schau als der kleine, graue E-Reader. Der Kindle hat auf der Technik-Seite aber drei Vorteile gegenüber dem großen Tablet: Akkulaufzeit, E-Ink-Bildschirm und eingebautes 3G. Weil der Kindle fast Nichts kann, außer Text darstellen, verbraucht er auch fast keinen Strom. Einmal geladen hält der Kindle-Akku Tage und Wochen durch, ohne an die Steckdose zu müssen. Ideal fürs Lesen auf langen Reisen oder im Urlaub. Dank der genialen App-Politik von Amazon kann man seine Kindle-Bücher auch auf iPad oder iPhone oder Android-Phone weiterlesen, wenn der Kindle gerade mal nicht zur Hand ist. Und der flimmerfreie, passive E-Ink-Bildschirm ermöglicht tatsächlich ein ermüdungsfreies Lesen wie auf Papier – auch im hellen Sonnenlicht. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist außerdem die kostenlose Mobilfunkverbindung des Kindle in den Amazon-E-Book-Store. Wer einmal im Ausland einfach so in Sekunden ein neues E-Books runtergeladen hat, will diese Funktionalität nicht mehr missen – ganz ohne Fixkosten, Verträge und Gedöns.

Fazit

Kindle vs iPad – das ist ein ungleicher Kampf. Das iPad ist dem Kindle in fast allen Belangen überlegen. Aber der Punkt ist: Der Kindle will gar kein iPad-Killer sein. Amazon hat den E-Reader einzig und allein aufs Lesen hin ausgerichtet und dafür funktioniert er perfekt. Mit 189 Euro ist der Kindle inklusive 3G auch deutlich günstiger als ein iPad, das in seiner kleinen Ausführung rund 500 Euro kostet. Das iPad ist für sehr vieles sehr gut geeignet – aber nicht für das Lesen langer Texte. Der Kindle ist für fast gar nichts gut geeignet – außer für das Lesen. Und was ist jetzt mit der einsamen Insel? Auch wenn fast alle objektiven Punkte für ein iPad sprechen würden – die ganz persönliche Entscheidung würde für den Kindle fallen. Gründe? Eigentlich ein einziger, ganz banaler Grund: Langfristig macht Bücherlesen mehr Spaß als Angry Birds und Co.

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