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Was Assange über sich selbst enthüllt

Unter dem vielsagenden Titel “Julian Assange und wie er die Welt sieht” veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung am Freitag im Feuilleton ein langes Interview mit Wikileaks-Gründer Julian Assange. Darin gibt Assange Auskunft über die derzeitige Handlungsfähigkeit von Wikileaks und spricht über seine Rolle als “ideologische Leitfigur”. Auch sein Erzfeind Daniel Domscheit-Berg bekommt natürlich wieder sein Fett weg. Ihn bezeichnet Assange als Informanten der Polizei.

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Sein ehemaliger Weggefährte und heutiger Intim-Feind Daniel Domscheit-Berg habe bei seinem Abgang von Wikileaks Bargeld, Hardware, Material von Quellen, E-Mails, Software und Archivmaterial mitgenommen, teilt Assange in der SZ mit. Assange wörtlich: “Ich glaube, Domscheit-Berg ist ein Informant der Polizei.” Auf die Nachfrage, ob er das glaube oder wisse, sagt er: “In den Unterlagen der Grand Jury (die in den  USA gegen Assange ermittelt, Anm.d.Red.) taucht sein Name in keinem Dokument auf, während mein eigener und die Namen anderer Individuen aus unserer Organisation aufgeführt werden.”

Auch seine Kritik an der britischen Zeitung Guardian wiederholt Assange. Die Zeitung habe geheime Passwörter für die Wikileaks-Dokumente veröffentlicht. Wikileaks sei darum unter Zugzwang gewesen, das gesamte Material schnell zu veröffentlichen, rechtfertigt Assange die jüngste Veröffentlichung der restlichen US-Botschaftsdepeschen. Derzeit würden noch 20 Menschen fest für Wikileaks arbeiten. Die Blockade von Spendengeldern durch Kreditkartenunternehmen und Bezahldiensten wie PayPal hätte Wikileaks rund 90 Prozent der Einnahmen gekostet, was rund 15 Mio. Euro entspräche, so Assange. Überprüfen lassen sich solche Aussagen freilich nicht.

Am interessantesten wird das Interview, wenn Assange anfängt, über die Bedeutung von Wikileaks und sich selbst zu reden. Glaubt man seinen Worten, dann waren es nicht zuletzt die Veröffentlichungen von Wikileaks, die die Revolution in den nordafrikanischen Ländern Tunesien und Ägypten ermöglichten. Assange spricht von einem Generationenkonflikt, zwischen einer Generation, “die vom Fernsehen indoktriniert, und Menschen, die vom Internet geprägt wurden.”

Als er am Ende gefragt wird, ob er sich selbst als ideologische Leitfigur versteht, sagt er: “Das ist ein Privileg, das uns als Folge unseres Kampfes verliehen wurde.” Interessant ist dabei, dass er “uns” sagt. Will er seine Wikileaks-Mitstreiter ganz selbstlos mit einbeziehen oder rutscht ihm da ein Pluralis Majestatis heraus? Man kann es sich aussuchen.
Die Süddeutsche Zeitung hat eine Kurzfassung des Interviews online zur Verfügung gestellt. Das vollständige Interview gibt es nur in der Print-Ausgabe.

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