Ist die Frankfurter Rundschau noch links?

Wie links ist die Frankurter Rundschau noch? Über diese Frage gibt es einen Dissens zwischen dem Publizisten Rudolf Walther und der ehemaligen Schatzmeisterin der SPD, Inge Wettig-Danielmeier. Auf eine Abrechnung Walthers mit dem aktuellen Kurs der FR in der Zeitschrift Neue Gesellschaft - Frankfurter Hefte antwortet Wettig-Danielmeier mit einer Replik - und einer Watsche gegen den ehemaligen FR-Chefredakteur Wolfgang Storz.

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Die Ausgangslage: Mitgesellschafter bei der Frankfurter Rundschau (FR) ist die SPD-Medienholding ddvg. Der jeweilige SPD-Schatzmeister ist auch mitverantwortlich für die Geschäfte der ddvg, die allerdings eine eigene Geschäftsführung hat. Die Zeitschrift Neue Gesellschaft – Frankfurter Hefte wiederum wird "für" die sozialdemokratische Friedrich-Ebert-Stiftung u.a. von SPD-Politikern wie Sigmar Gabriel und Anke Fuchs herausgegeben.

Walther, der als Publizist in Frankurt lebt und auch für die FR geschrieben hat, lässt in seiner Rubrik Mediensplitter, die in der Juni-Ausgabe der Neuen Gesellschaft erschien, kein gutes Haar am FR-Management. Er schrieb: "Katastrophal wirkte sich die inhaltliche Neuausrichtung der Frankfurter Rundschau nach der Umstellung auf das Tabloid-Format aus. Parallel zur üppigeren Bebilderung der Seiten wurde der Umfang der Texte gekürzt. Statt das Profil der Zeitung nach links zu forcieren, setzte man auf einen Kurs zwischen einem zahnlosen Sozialliberalismus und Anleihen beim herrschenden Neoliberalismus." Weiter schreibt Walther über "Boulevardtexte", "seifige Interviews", "klebrige Homestories" und ein "intellektuell abgemagertes Feuilleton". Leser seien "in Scharen" vertrieben worden.

Dem ehemaligen FR-Chefredakteur Wolfgang Storz billigt Walther zu, zuvor noch den richtigen Kurs für die FR gefahren zu haben: "Dem Chefredakteur Storz gelang es, das linke Profil der Zeitung zu schärfen und das faktische jährliche Auflagenminus zu stoppen, indem er die Lokal- und Regionalberichterstattung erweiterte." Storz hatte das Blatt 2004 verlassen müssen. Laut Walther, "als politische Interessen der SPD ins Spiel kamen – man zog die feinen Handschuhe aus und die Boxhandschuhe an".

Ganz anders sieht das Wettig-Danielmeier, die damals als Schatzmeisterin mit dem Innenleben der FR bestens vertraut war. In der September-Ausgabe der Neuen Gesellschaft antwortet sie auf Walther. Die FR sei "bis heute eine linke und liberale Zeitung". Über Ex-Chef Storz kommt sie zu einem ganz anderen Urteil als der Kritiker: "Über das Wirken des Chefredakteurs Wolfgang Storz wird in verschiedenen Medien eine Legende gepflegt, die ihn als Opfer der intoleranten damaligen Mehrheitseigentümerin SPD darstellt. Tatsächlich lag der Fehler wohl darin, dass ihn die Karl-Gerold-Stiftung 2002 zum Chefredakteur gemacht hatte und von ihm den entscheidenden Beitrag zur Sanierung des Unternehmens erwartete, den er nicht leisten konnte." Die von Wettig-Danielmeier genannte Stiftung war bis zum Gesellschafterwechsel die Mehrheitsgesellschafterin der FR und hält heute noch zehn Prozent an dem Verlag.

Walthers Rechnung, 15.000 zahlende Abonnenten hätten die FR wegen der Format-Umstellung im Mai 2007 gekündigt, dementiert die SPD-Politikerin. Die verkaufte Auflage habe sich "stabil" gehalten. Die Probleme der (defizitären) Zeitung rührten vom Rückgang der Anzeigenerlöse. Unabhängig ob wegen der Format-Umstellung oder aufgrund anderer Faktoren: Laut IVW sank die Zahl der FR-Abos zwischen dem zweiten Quartal 2007 und dem zweiten Quartal 2011 von 90.187 auf 70.096 Exemplare.

Wettig-Danielmeier verteidigt schließlich auch die Entscheidung, eine gemeinsame Mantelredaktion für FR und Berliner Zeitung mit Sitz in Berlin aufzubauen. Anders als von Walther notiert, verliere die FR nicht ihre Selbstständigkeit: "Beide Zeitungen gemeinsam bilden eine Redaktionsgemeinschaft in Berlin, die sie auch gemeinsam mit Redakteuren beschickt haben. Aus dieser Gemeinschaft wird je nach den Bedürfnissen der Zeitungen angeliefert. Vieles wird in beiden Zeitungen zu finden sein, manches aber auch nicht."

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