Liz Mohn: „Außergewöhnliches Frauenleben“

Die Zeit hat mit Liz Mohn, der Chefin der Bertelsmann-Verwaltungsgesellschaft, gesprochen. Themen: Frauen und Karriere, Macht und Verantwortung. Mohn, die Witwe des 2009 verstorbenen Bertelsmann-Unternehmers Reinhard Mohn, hat gerade ein Buch veröffentlicht: "Schlüsselmomente - Erfahrungen eines engagierten Lebens." Warum sie ihre Erinnerungen aufgeschrieben hat: "Mein Leben ist schließlich ein außergewöhnliches Frauenleben."

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In der Tat: Die Geschichte von Liz Mohn, die als Telefonistin bei Bertelsmann anfing, mit Konzernchef Reinhard Mohn zusammenkam, ihn heiratete, eine Familie gründete und schließlich auch eine tragende Rolle im Unternehmen übernahm, ist spannend und aus vielen Gründen bemerkenswert. Wie Ehemann Reinhard propagiert Liz Mohn, die auch im Aufsichtsrat der Bertelsmann AG und im Vorstand der Bertelsmann Stiftung sitzt und damit eine Schlüsselrolle im Gütersloher Konzern einnimmt, die Verantwortung gegenüber Werten und Mitarbeitern. Bereits 2001 hatte Mohn ein Buch mit dem Titel "Liebe öffnet Herzen" veröffentlicht.

In einem Unternehmen dürfe Menschlichkeit nicht auf der Strecke bleiben, sagt Liz Mohn. Zur Führung einer Firma gehöre auch eine Unternehmenskultur: "Sie können in der globalen Welt unglaublich kluge Köpfe finden, aber einen guten Charakter haben diese Menschen deswegen noch lange nicht." Zu den von Reinhard Mohn 1960 festgelegten Bestandteilen der "Bertelsmann Unternehmenskultur" zählen u.a. die Delegation von Verantwortung, partnerschaftliche Führung und Verantwortung des Unternehmens gegenüber der Gesellschaft. Mohn hatte diese Grundsätze mehrfach selber in Buchform erläutert.

Liz Mohn schreibt es sich nun auf die Fahne, die Förderung von Frauen im Unternehmen vorangebracht zu haben. Als sie selber im Unternehmen angefangen habe, fehlten Frauen in Führungspositionen. Das habe sich geändert, wie auch die Rolle der Frau insgesamt. Mohn: "Deshalb rate ich auch jeder jungen Frau, nicht aus dem Beruf auszusteigen, wenn sie Kinder bekommt. Wenigstens einmal die Woche, für drei oder vier Stunden, sollte sie arbeiten gehen. Irgendwie lässt sich das immer organisieren. Rausgehen und sich weiterentwickeln, darum geht es doch." Sie selber treibe ihre Neugierde an, sagt Liz Mohn: "Dass ich mit drei Jahren einfach in der Ems schwimmen gewesen bin. Oder dass ich Eisschollen-Springen gemacht habe. Entweder man stürzt hinein, oder man schafft es." Sie lasse sich bis heute selbst durch Warnungen von Experten nicht abschrecken:  "Ich bin früh in Palästina gewesen, als es gefährlich war."

Zum operativen Bertelsmann-Geschäft, das im Konzern Hartmut Ostrowski als Vorstandsvorsitzender leitet, stellten die Redakteure Götz Hamann und Hanns-Bruno Kammertöns nur eine Frage, die am Ende des Interviews zu lesen ist. Wie zufrieden Liz Mohn mit dem Unternehmen sei, angesichts von Verlagsproblemen und mangelnden Profiten im Internet? Die eher allgemeine Antwort: "Wandel und Veränderungen wird es in unserer Branche immer geben. Aber wir haben alle Chancen, diesen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen."

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