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Kurbjuweit sponsert Nachwuchs-Reporter

Eigeninitiative in Zeiten der Budgetkürzungen: Dirk Kurbjuweit, Leiter des Hauptstadtbüros des Spiegels, stiftet ein eigenes, mit 5.000 Euro dotiertes Recherche-Stipendium: “Für mich ist es ein schwer erträglicher Gedanke, dass die Welt rasch zusammenwächst, der Journalismus aber nicht Schritt halten kann, weil kaum ein Verlag aufwendige Recherchen finanzieren will. Wir könnten dann den Anspruch, die kontrollierende Gewalt zu sein, nicht mehr aufrecht erhalten", zitiert das Reporter Forum den Stifter.

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Die Recherche-Hilfe trägt den – erst einmal – verwirrenden Titel Seminyak-Stipendium. Der Name bezieht sich auf einen kleinen Ort auf der indonesischen Insel Bali. Dort war Kurbjuweit zu der Hochzeit eines Freundes eingeladen und diskutierte viel mit befreundeten Journalisten über die Situation in den Redaktionen. "In letzter Zeit sind solche Gespräche oft deprimierend", schreibt der Kisch-Preis-Träger. "Die Print-Journalisten rechnen aus, ob es Print bis zur ihrer Rente noch geben wird. Die Online-Journalisten fragen sich, ob sie jemals den Lebensstandard und die Arbeitsbedingungen von Print-Journalisten erreichen werden. Der Strukturwandel macht uns unsicher und pessimistisch."

Kurbjuweit kam in Seminyak die Idee für das Stipendium, das nun jeweils an einen Journalisten oder eine Journalistin vergeben wird, der/die unter 35 Jahre alt ist und sich mit einem Lebenslauf, einem Exposé der Geschichte und mit Angaben zu einem Medium, für das der Text infrage kommen könnte, bis zum 15. Oktober 2011 bewirbt. Zudem verlangt die Jury, in der neben dem Stifter noch Nils Minkmar von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Ariel Hauptmeier von Geo sitzen, noch einen Rechercheplan, eine Kostenschätzung und drei Textproben.
Kurbjuweit sieht gerade jetzt, wo die Welt sich immer schnell vernetzt und zusammenwächst, die Notwendigkeit zu aufwendigen Recherche-Reise. Der Wiesbadener hat allerdings mittlerweile den Eindruck, "dass sich die aufwendige Recherche auf ganz wenige Medien konzentriert, und das finde ich bedauerlich und auch ein bisschen bedrohlich." Deshalb soll das Seminyak-Stipendium nun eine "kleine Antwort darauf sein".

Kurbjuweit gelingt mit seinem Stipendium wohl die schönste Liebeserklärung an den Journalismus des Jahres.

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