Facebook hat nichts gegen Zwei-Klick-Button

Facebook beschwert sich: Seit Donnerstag können Nutzer auf heise online Artikel bei Facebook ihren Freunden empfehlen. Das IT-Portal setzt dabei auf eine Zwei-Klick-Lösung, wie sie deutsche Datenschützer fordern. Das soziale Netzwerk ist davon allerdings überhaupt nicht begeistert: „Die Art und Weise wie Heise.de den Like Button eingebaut hat, verstößt gegen unsere Platform Policies“, erklärte Facebooks Deutschland-Sprecherin Tina Kulow. Zu MEEDIA sagte sie aber, nicht die Zwei-Klick-Lösung sei das Problem.

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Facebook stört sich offenbar daran, dass der auf heise.de noch nicht aktivierte Button genau so aussieht wie der echte Like-Button. "Der 2-Klick-Button ist aus Performancegründen nicht ideal – aber kein Problem", sagte Kulow gegenüber MEEDIA. Nur ein Like-Button, der keiner ist, aber grafisch so tut, als ob er einer wäre, sei nicht ok. In den Platform Policies heißt es dazu: „8. You must not use or make derivative use of Facebook icons, or use terms for Facebook features and functionality, if such use could confuse users into thinking that the reference is to Facebook features or functionality.“
Laut dem Chefredakteur der Security-Abteilung von heise online, Jürgen Schmidt, verstößt die Zwei-Klick-Lösung nicht gegen diese Regeln. „Einziger Unterschied zu herkömmlichen Lösungen ist, dass diese Buttons vor einer expliziten Aktivierung keine Daten an Facebook übertragen. Wodurch genau diese datenschutzfreundliche 2-Klick-Lösung gegen diesen Paragraphen verstoßen soll, ist bislang nicht klar.“ Auch bei der Online-Redaktion von SWR3 soll eine Beschwerde von Facebook eingegangen sein.
Heise online führte diese Lösung im Zuge seiner Initiative „2 Klicks für mehr Datenschutz“ ein. Das Projekt weist darauf hin, dass durch Facebook-Like- oder Twitter-Buttons schon beim Laden einer Seite – also ganz ohne dass der Anwender etwas dazu tut – Daten an die Betreiber der Netzwerkplattformen übertragen werden. So erkennen die Netzwerke ganz einfach, welcher Nutzer sich auf welchen Webseiten aufhält – sie können also komplette Surfprofile ihrer Nutzer erstellen. Die zweistufige Lösung soll hingegen nur Daten mit Zustimmung der Anwender übermitteln.
Um die sofortige Übermittlung zu umgehen, sind die Buttons auf heise.de und bei SWR3 zuerst deaktiviert. „Erst wenn der Anwender diese aktiviert und damit seine Zustimmung zur Kommunikation mit Facebook, Google oder Twitter erklärt, werden die Buttons aktiv und stellen die Verbindung her. Dann kann der Anwender mit einem zweiten Klick seine Empfehlung übermitteln“, erklärt Jürgen Schmidt das Prinzip in einem heise.de-Beitrag.
Hintergrund der entbrannten Diskussion ist die Forderung Schleswig Holsteinischer Datenschützer an Webseitenbetreiber des Bundeslandes, ihre Fanpage bei Facebook zu löschen und Plugins wie den „Gefällt mir“-Button auf ihren Internet-Auftritten zu entfernen (MEEDIA berichtete). Grund dafür sei das Ergebnis einer technischen und rechtlichen Analyse, wonach die Angebote gegen das Telemediengesetz und das Bundesdatenschutzgesetz verstoßen würden.
„Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig Holstein (ULD)weist schon seit längerem informell darauf hin, dass viele Facebook-Angebote rechtswidrig sind“, sagte Thilo Weichert, Leiter des Landeszentrums. „Dies hat leider bisher wenige Betreiber daran gehindert, die Angebote in Anspruch zu nehmen, zumal diese einfach zu installieren und unentgeltlich zu nutzen sind.“

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