Bertelsmann ist „verhalten optimistisch“

Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski und Finanzvorstand Thomas Rabe sind "verhalten optimistisch", was den weiteren Verlauf des Jahres für den Medienkonzern angeht. Die Manager beurteilen die Geschäftsentwicklung 2011 "etwas schlechter" als in 2010, sagte Ostrowski in einer Telefonkonferenz. Aber, auf Bertelsmann bezogen: "Wir sehen keine Krise und wollen auch keine Krise vorhersehen."

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Mit dem Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr zeigten sich die beiden Manager sehr zufrieden. So hätte Bertelsmann bei den Rating-Agenturen die Ziel-Ratings wieder erreicht. Es gebe Spielraum für Investitionen. Die Liquidität liegt laut Rabe bei 1,6 Milliarden Euro, die Kreditlinie bei 1,2 Milliarden Euro. Als Schwerpunkte der Strategie nannte Ostrowski die Formel "Stärken, Entwickeln, Expandieren".

Die RTL-Gruppe habe sich besser als der Markt entwickelt. Einen möglichen Einstieg der TV-Gruppe bei dem polnischen Sender TVN, über den vergangene Woche spekuliert worden war, kommentierte Ostrowski nicht.

"Stärken, Expandieren, Entwickeln"

Der Buchverlag Random House sei vor allem wegen des guten US-Geschäfts gewachsen. Das E-Book erweise sich als "Wachstumstreiber" mit einem dreistelligen Umsatzzuwachs gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In den USA werde bereits jeder fünfte Dollar mit dem Verkauf digitaler Inhalte verdient.

Gruner + Jahr habe sich vor allem in Deutschland gut entwickelt, betonte Ostrowski. Wachstumsmotor sei das China-Geschäft. Zuletzt hatten die Hamburger sich auf dem indischen Markt eingekauft.

Arvato mit Auftrag von Microsoft für Launch von Windows 8

Arvato als "Outsourcing-Dienstleister" musste deutliche Abstriche beim Operating Ebit von 99 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2010 auf 66 Millionen Euro machen. In Südeuropa und den USA gestalteten sich die Geschäfte als "schwierig". Der Rückgang des Ebit werde am Jahresende aber nicht mehr als 30 Millionen Euro betragen, prognostizierte Rabe. Es gibt auch Erfolgsmeldungen, so übernimmt Arvato laut Ostrowski den weltweiten Launch für Microsofts Betriebssystem Windows 8. 

Für die Buchclubs des Konzerns in Osteuropa werde ein Käufer gesucht, sagte Rabe. Die Mehrzahl der Clubs wurde bereits veräußert, u.a. in Frankreich. Über eine "Umorganisation" des Druckriesen Prinovis, an dem Bertelsmann beteiligt ist, würden Gespräche geführt. Der US-Drucker Brown Printing, der zum Konzern gehört, stehe aber nicht zum Verkauf, sagte Ostrowski.

Zu einem möglichen Angebot für den Musikkonzern EMI wollten sich Ostrowski und Rabe nicht mehr äußern als zu sagen: "Wir befassen uns damit." An der Bildungssparte des Verlags McGraw Hill in den USA, die ebenfalls zum Verkauf stehen soll, sei man derzeit nicht interessiert. Die Education-Sparte bleibe aber weiter "interessant".

"Wir wissen, was zu tun wäre"

Der Bertelsmann-Chef strich einzelne positive Entwicklungen im Digitalsektor hervor. Neben dem gut laufenden Geschäft mit E-Books waren das u.a. die Marke von einer Milliarde Videos, die über die RTL-Plattform angeschaut worden seien, eine Wetter-Website in den Niederlanden und die Vermarktungsaktivitäten der G+J-Tochter EMS.

Unter dem Strich agiere Bertelsmann aus einer "Position der Stärke", sagte Ostrowski. Die konjunkturellen Unsicherheiten im Markt hätten aber zugenommen. Eine Krise sei nicht zu sehen, wiederholte der Manager des Konzerns mit Sitz in Gütersloh. Aber: "Wir wissen, was im Fall einer Krise zu tun wäre."

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