ZDF.info: Auf der Suche nach der Jugend

ZDF-Chefredakteur Peter Frey hat am Montag das Konzept des neu gestalteten Digitalsenders ZDF.info vorgestellt. "Fernsehen zum Mitreden" heißt der Slogan, konzipiert ist der bisherige ZDFinfokanal als Sender "für die jungen, neugierigen und informationshungrigen Zuschauer" zwischen 30 und 50. Interaktivität und Crossmedialität werden groß geschrieben. Ein Nachrichtensender darf ZDF.info aber nicht sein.

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In einem Promo-Video des Digitalsenders ZDF.info sitzen drei junge Leute auf dem Sofa, einer hat ein Laptop auf seinem Schoß, vor ihnen flimmert das Fernsehen. Vermutlich sind die Mittzwanziger gerade dabei, einen Kommentar per Twitter an log in abzusetzen, eine Talkshow mit einem Gast aus Politik oder Wirtschaft, in der Zuschauerfragen im Mittelpunkt stehen. Die jungen ZDF-Zuschauer aus dem Video haben ihren Spaß – und so stellt sich das ZDF seine Idealzuschauer wohl vor.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey sagte am Montag in Berlin, der Sender habe "ein Problem damit, ein jüngeres Publikum zu erreichen". Der durchschnittliche ZDF-Zuschauer ist etwa 60 Jahre alt. Mit ZDF.info soll nun die "Generation Facebook" angesprochen werden. Ähnlich wie der Digitalsender ZDF.neo, der am Wochenende sein TV-Labor geöffnet hat, soll ZDF.info eine "Probebühne und Innovationsfläche" (Frey) sein. Seinen Betrieb im neuen Design und mit teilweise neuen Inhalten nimmt ZDF.info am 5. September auf.

Den Wert von durchschnittlich einer Million Zuschauer am Tag, den der ZDF.infokanal bisher erreichte, soll ZDF.info übertreffen. Investiert werde ein "niedriger zweistelliger Millionenbetrag", sagte Frey. Damit koste der Digitalsender in etwa so viel wie die Produktion des ZDF Morgenmagazins. Im Vergleich zur bisherigen Investition stecke das ZDF eine zusätzliche niedrige einstellige Millionensumme in den Sender. "Wir müssen uns nach der Decke strecken", sagte Frey. Der Online-Auftritt wurde ebenfalls neu gestaltet.

Zu den neuen Formaten auf ZDF.info gehören u.a.:

Wiso plus – ein werktägliches Servicemagazin zu Themen wie Umwelt, Recht, Geld, Technik und Leben. Jede Ausgabe dauert 15 Minuten. Zuschauer sollen Themen diskutieren und Fragen stellen sowie eigene Vorschläge machen

Europa plus – ein "crossmediales Europamagazin", das "kritisch und hintergründig" auf aktuelle Ereignisse reagieren soll

Heute plus – laut ZDF "die erste interaktive Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen". Jeden Mittwoch im Anschluss an die heute-Nachrichten sollen die Moderatoren den Zuschauern "Rede und Antwort" stehen. Also: Warum diese und nicht jene Meldung? Wie funktioniert das Studio? Etc. Pro Sendung soll ein Kritiker per Skype seine Meinung zur jeweiligen Ausgabe der Nachrichtensendung abgeben.

My info – eine Art Hitparade der meist gesehenen Beiträge aus Nachrichten- und Informationssendungen in der ZDF-Mediathek. Dazu kommen mit Info direkt und Info premium neue Dokumentations-Formate. Schon erprobte Formate wie log in, der Elektrische Reporter mit Mario Sixtus und life&style laufen weiter.

Das Konzept des Senders sei "Teil eines Verflechtungsprozesses im ZDF", der schon seit drei Jahren anhalte, sagte Eckart Gaddum, Chef der Hauptredaktion Neue Medien beim ZDF. Innovationen aus dem Internet könnten nun ins TV "zurückgespielt" werden. ZDF.info soll seinerseits Rückkopplungen mit dem ZDF-Hauptprogramm haben. Zum Slogan "Fernsehen zum Mitreden" gehört auch das permanente Duzen der Zuschauer. Die etwas überstrapazierten Schlagwörter lauten "jung", "innovativ", "crossmedial". Zuschauer sollen vom Sender zu Teilnehmern gemacht werden.   

Ein waschechter Nachrichtensender darf ZDF.info laut Rundfunkstaatsvertrag nicht sein. Dazu sagte Peter Frey, zunehmend übernehme auch das Internet die Rolle des Nachrichtenversorgers: "Im Netz bekommt man die Aktualisierung. Sich nur auf das lineare Programm zu konzentrieren, ist Denken von Gestern."

Privatsender sehen die Aktivitäten sowohl von ZDF wie ARD mit ihren Digitalsendern derweil kritisch. Im vergangenen Jahr legte der Privatsenderverband VPRT Klage gegen ZDF.neo ein. Die Klage wurde von den zuständigen Bundesländern aber abgewiesen – demnach sei der Kanal mit dem Auftrag des ZDF und dem Rundfunkstaatsvertrag vereinbar. Auch die Online-Pläne der Öffentlich-Rechtlichen sind immer wieder Gegenstand heftiger Konflikte zwischen privaten Medienunternehmen und ARD/ZDF.  

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