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Apple: Lieblingsaktie ohne Käufer

So gut sich die Geschäfte für Apple entwickeln – an der Börse läuft es nicht mehr für den Darling der Wall Street. Und das, obwohl sich Analysten und Marktexperten mit positiven Einschätzungen und neuen Kurszielen förmlich überbieten. Die Credit Suisse hat gestern in einer Investorenkonferenz die größten Probleme der Aktie erörtert – und sieht trotzdem weiter Kurse von 500 Dollar. Die Aktie reagiert darauf mit einem neuen Schwächeanfall und liegt weiter hinter den Indizes zurück.

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So gut sich die Geschäfte für Apple entwickeln – an der Börse läuft es nicht mehr für den Darling der Wall Street. Und das, obwohl sich Analysten und Marktexperten mit positiven Einschätzungen und neuen Kurszielen förmlich überbieten. Die Credit Suisse hat gestern in einer Investorenkonferenz die größten Probleme der Aktie erörtert – und sieht trotzdem weiter Kurse von 500 Dollar. Die Aktie reagiert darauf mit einem neuen Schwächeanfall und liegt weiter hinter den Indizes zurück. 

„Alle menschlichen Fehler sind Ungeduld“, stellte Franz Kafka einmal fest: „ein vorzeitiges Abbrechen des Methodischen, ein scheinbares Einpfählen der scheinbaren Sache.“ Apple-Aktionäre dürften sich 2011 an diesem Scheideweg zwischen Realität und Pseudo-Realität befinden: Während das Kult-Unternehmen aus Cupertino Rekord für Rekord vermeldet, fristet es an der Börse ein ziemlich klägliches Dasein – zumindest für das, was Aktionäre aus der Vergangenheit gewohnt waren: Gewinne von 4500 Prozent binnen nicht einmal eines Jahrzehnts.


2011 ist das Plus auf 3 Prozent zusammengeschmolzen, während die Leitindizes Dow Jones und Nasdaq Composite um acht bzw. fünf Prozent vorne liegen. Apple, so ungewöhnlich sich das für den Erfolgskonzern aus Cupertino anhört, ist in diesem Börsenjahr bislang zum klaren Underperformer avanciert. 



333 Dollar? Kursziel 500 Dollar!



In den übersichtlichen Dimensionen des einstelligen Prozentbereichs ist das nicht unbedingt das Problem – es fängt vielmehr beim Blick auf die aktuelle Geschäftsentwicklung an. Denn die ist, bei aller gebotenen Vorsicht vor Superlativen, nicht weniger als spektakulär. Gewinnwachstum im vergangenen Quartal: 95 Prozent. Umsatzwachstum: 76 Prozent. Rekordgewinne von knapp 6 Milliarden Dollar, Erlössprünge von fast zehn Milliarden Dollar – all das ist unerreicht in der Geschichte der Technologiebranche. „Apple schießt aus allen Zylindern“, fasst Steve Jobs die jüngste Konzernbilanz vor knapp einem Monat zusammen. Tatsächlich lässt sich Apples anhaltendes Momentum kaum anders beschreiben.


Wie jedoch passt das zum Liebesentzug der Börse, der nun schon rund ein halbes Jahr anhält? Mit zunehmender Skepsis der Analystenzunft hat die schwache Börsenperformance zumindest nichts zu tun. Die Ökonomen und der führenden Investmentbanken überbieten sich Woche für Woche bei ihrer scheinbaren Lieblingsbeschäftigung: der Nennung immer neuer Kursziele. Erst gestern rief die Schweizer Investmentbank Credit Suisse das in diesen Tagen nicht gerade nahe gelegene Kursnievau von 500 Dollar binnen der nächsten 12 Monate. Wohl gemerkt: Angesichts des aktuellen Kursniveaus von 333 Dollar entspricht das einem satten Aufschlag von 50 Prozent.



Apples fünf Probleme aus Anlegersicht

Credit Suisse Analyst Kulbinder Garcha nannte gestern auf einer Investorenkonferenz aber auch gute Gründe für die aktuelle Underperformance, die in den letzten Wochen immer wieder diskutiert wurden. Es sind dies:



1. Apple hat kein echtes Produktionsproblem  – die Nachfrage nach dem iPad sei einfach schwächer als angenommen. Im vergangenen Quartal konnten „nur“ 4,7 Millionen TabletMacs verkaufen, obwohl Analysten mit mindestens 6 Millionen Geräten gerechnet hatten. 



2. Das iPhone könnte sich seiner Sättigungsgrenze nähern. Im März-Quartal war der Absatz des beliebten Apple-Smartphones um 113 Prozent in die Höhe geschossen.



3. Apple machte zuletzt 20 Prozent des Nasdaq 100-Index aus, ehe die Technologiebörse den Index anpasste und Apples Anteil auf 12 Prozent reduzierte. Im markenbereiten S&P 500-Index kommt Apple auch bereits auf einen Anteil von 2,6 Prozent. In anderen Worten: Die Aktie ist „overowned“ – Anleger und Fonds sind bereits gut investiert, neue Käufer sind nicht mehr so zahlreich wie noch vor Jahren, als das Papier optisch günstiger war.



4. Steve Jobs. Allein diese beiden Worte reichen aus, um bei Apple-Aktionären für Schweißausbrüche zu sorgen. Nur ein neues, noch so unscharfes Bild auf einem Tabloid-Portal, nur ein noch so vages Gerücht über den kranken Apple-CEO reichen in diesem Jahr aus, um die Apple-Aktie unter Druck zu setzen.   



5. 66 Milliarden Dollar in Cash – und keine Anlagestrategie. Tatsächlich: Geld kann zum Problem werden. Nämlich, wenn es nicht vermehrt – das ist schließlich das Mantra der Wall Street. Apple missachtet es seit Jahren mit einem kalten Schulterzucken: Keine Dividendenzahlungen, keine Übernahmeziele. Apple hortet Geld wie Heu – und könnte Ende nächstes Jahres schon auf der unglaublichen Summe von 100 Milliarden Dollar sitzen. 


iPad 2: „Mutter alle Nachfragen“? 



Gerade dieser letzter Punkt beweist jedoch, in welchen Dimensionen sich das zweitwertvollste Unternehmen der Welt eigentlich bewegt – in einer Welt der Luxusprobleme. So findet Garcha dann auch zu allen fünf Problemen die passenden Gegenargumente: Das iPad 2 verzeichne „die Mutter aller Nachfragen“, zitiert der Analyst COO Tim Cook. Mehr noch: Apple könne langfristig die Hälfte des 300 Millionen Geräte großen Tablet-Markets einnehmen. 



Auch beim iPhone sei Apple mit seinem Wachstum noch längst nicht am Ende – 85 Prozent seien dieses Jahr drin, 50 Prozent 2012. Apples Marktanteil im S&P? Könne auf 5 Prozent wachsen, so der Credit Suisse-Mann. „Apple ist einzigartig“, folgert Garcha, hält das Apple Management aber auch im Falle von Steve Jobs’ Ausscheiden für die fähig, das Momentum beizubehalten. Ein billigeres iPhone, boomende Absätze in den Schwellenländern und eine verstärkte Nachfrage auf Unternehmensseite sind die zusätzlichen Absatztreiber. Und irgendwann wird auch Apple an einer Dividendenzahlung nicht mehr vorbeikommen, glaubt Garcha. 

Apple-Aktie: „Lächerlich billig“


Die Aktienpreis selbst bleibt für den Analysten das größte Kuriosum – wie für den überwältigenden Anteil der Wall Street-Experten. Bei aktuell 333 Dollar kommt Apple angesichts der durchschnittlichen Gewinnschätzungen von 25 Dollar je Aktie im laufenden Geschäftsjahr auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13. Abzüglich des immensen Cash-Anteils von etwa 80 Dollar je Aktie gegen Ende des Geschäftsjahres im September wechselt Apple in diesen Tagen gar nur für ein KGV von 10 den Besitzer – und ist damit deutlich billiger als der Durchschnitt des S&P.

Angesichts eines Gewinnwachstum von 95 Wachstum ist das ein sehr seltenes Missverhältnis, das bald noch größer werden könnte:  „Ohne den Bargeld-Anteil fällt Apples KGV im nächsten Jahr auf 8. Das ist lächerlich billig“, folgert der Vermögensverwalter James Altucher.  Wall Street-Veteran James Cramer sieht das genauso: „Selbst mit Bargeld-Anteil ist Apple günstig.“ 

Was der Lieblingsaktie der Wall Street jedoch in diesen Tagen fehlt, sind Käufer: „Es scheint, als sei bereits jeder, der die Aktie haben will, auch schon investiert.“ Das wäre schließlich die logischste Erklärung von allen: Am Ende des Tages wird der Kurs an der Börse schließlich genauso bestimmt wie auf dem Fischmarkt: von Angebot und Nachfrage. Bleiben die Käufer aus, sinken die Kurse  – selbst in Tagen der im gigantischeren Rekorde.   

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