„Die spannendsten Jahre meines Lebens“

RTLs "Raus aus den Schulden" geht in die 9. Staffel. Peter Zwegat selbst hätte zum Start des Formats nie mit einem derartigen Erfolg gerechnet. Im Gespräch mit Christopher Lesko spricht er über die neue Staffel als die ausgewogenste aller bisherigen, Beratungsabbrüche und die nötige Distanz zu Klienten. Zwegat, am kommenden Dienstag Gast bei Markus Lanz, mahnt mehr Verantwortung an: "Unsere Ressourcen sind nur auf Zeit geliehen. Was wir heute versemmeln, können unsere Kinder nie mehr aufholen."

Anzeige

Herr Zwegat, geht es Ihnen gut – und wenn ja, warum?
Ja, mir geht es gut: Erstens ist Sommer – wenn  auch ein wenig verregnet, dann beginnt in wenigen Tagen die neue Staffel von “Raus aus den Schulden“, und ich bin wirklich zufrieden. Wir haben eine gute Arbeit miteinander gemacht, sind gut in der Zeit, und die Staffel ist die ausgewogenste aller bisherigen Staffeln.
Am 31. August beginnt die bereits 9. Staffel von “Raus aus den Schulden“, und innerhalb dieser Staffel feiern Sie die 100. Folge. Als Sie vor Jahren mit dem Format begonnen haben, hätten Sie jemals einen derartigen stabilen Erfolg für möglich gehalten?
Ein doppeltes und dreifaches Nein! Als ich irgendwann im August vor fünf Jahren anfing, war mir nicht klar, was daraus werden würde: fünf tolle und arbeitsreiche Jahre – die anstrengendsten und womöglich spannendsten meines bisherigen Lebens.
Hat RTL etwas für die 100. Folge geplant? Eine Feier, eine Sonderausgabe, ein Special?
Im Augenblick rechnet RTL noch, wann der genaue Termin ist. Man muss ja berücksichtigen, dass es möglicherweise mehr als 100 Folgen waren. Man muss dabei sogenannte Recaps abziehen: Recaps  sind Folgen, in denen wir nach einem halben Jahr geschaut haben, wie es inzwischen einzelnen Familien aus der Sendung ergangen ist. Dann gab es drei bis vier Specials, die wir gesendet haben, und da streiten sich im Augenblick die Gelehrten, ob die als Folge mitgezählt werden. Die Entscheidung fällt in wenigen Tagen.
Never change a winning concept: Was erwartet die Zuschauer in der kommenden Staffel?
Das erfolgreiche Konzept ist natürlich nicht geändert worden. Wir haben das Glück und Geschick gehabt, diesmal eine sehr ausgewogene Staffel zu produzieren: Zwei, drei Mal ist der Traum vom eigenen Haus dabei. Wir haben – ungeplant – auch drei Abbrüche dabei. Insgesamt werden viele spannende Fälle zu sehen sein, in denen sich auch viele Zuschauer wiederfinden können. Ich bin diesmal sehr zufrieden, scharre aber – wie immer – vor dem Start wie ein Rennpferd mit den Hufen.
Ohne die Spannung zu nehmen, erzählen Sie doch ganz kurz etwas über die Beratungsabbrüche.
Man weiß ja vorher nie, wie sich ein Fall entwickeln wird. Man merkt beim Betrachten der Folgen auch, dass ich in den beiden Fällen, in denen die Klienten abgebrochen haben, wirklich überrascht war. Den dritten habe ich selbst beendet. In Beratungssituationen ohne TV-Zusammenhänge, brechen Klienten manchmal stumm ab: Man trifft sie dann vielleicht auf dem Markt und sieht, wie sie den Kopf weg drehen, um eine Begegnung zu vermeiden. Im Fernsehen haben wir natürlich etwas mehr Zeit, nach möglichen Ursachen zu forschen. Man kann niemanden zu seinem Glück zwingen. Zusammenarbeit innerhalb einer Beratung muss schon von beiden Seiten auch mit allen Konsequenzen gewollt werden.
Auch wenn man davon ausgehen kann, dass Ihnen alle Klienten und Fälle am Herzen liegen, gibt es doch „emotionale Unterschiede“: Sind Ihnen Situationen in Erinnerung, die Sie in besonderer Weise berührt haben?
Mit der Beratung, Sie wissen das persönlich ja genauso wie ich, ist es so: Man braucht einerseits Sensibilität und auf der anderen Seite die nötige Distanz. Das ist ein wenig wie bei Krankenschwestern. Nehmen Sie doch den Zahnarzt, der sich jeden Morgen Claudia Schiffer als Patientin wünscht und immer wieder verwahrloste Menschen mit Stummelzähnen in seiner Praxis findet. Auch er geht seiner möglichen Abneigung nicht nach, sondern braucht seine professionelle Distanz um handlungsfähig zu bleiben. Besondere Schicksale von Menschen gehen mir natürlich auch besonders nah: Wenn etwa Kinder in Familien betroffen sind oder schwere Krankheiten eine Rolle spielen.

Peter Zwegat und Christopher Lesko

Sie sind ja seit langem ein hartnäckiger Verfechter von Prävention: Aufmerksamkeit und Wahrnehmung des Themas “Schulden“ haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Gleichzeitig verschulden sich öffentlich sukzessive immer mehr Staaten. Was ist besser geworden im Umgang mit dem Thema Verschuldung, seit Sie mit “Raus aus den Schulden“ begonnen haben, und was ist nach wie vor lausig?
Fangen wir mit dem Lausigen an und nehmen die schlechte Nachricht zuerst: So, wie seit längerer Zeit viele Staaten mit Steuergeldern und Verantwortliche mit Geld umgehen, trägt das schon südeuropäische Züge. Schauen Sie sich doch beispielsweise mal das Thema der Fußballigen in Spanien und Italien an. Da geht vielen doch jeder Bezug zur Wirklichkeit verloren. Insgesamt denkt die Politik übrigens viel zu sehr in Wahlperioden. Daran, dass – angefangen bei Umwelt und Natur bis hin zur finanziellen Ausstattung – wir alles in einer Regentschaft auf Zeit nur geliehen haben, denken nur wenige. Und alles, was wir heute versemmeln, müssen unsere Kinder und Enkel bezahlen und können es möglicherweise gar nicht mehr aufholen. Dazu kommt, dass Wirtschaftskrisen, Missmanagement und Spekulationen von einer ganz speziellen “Schicht“ verursacht werden – aber alle müssen bluten. Das ist wirklich lausig.
Die Prävention bei der privaten Verschuldung hat sich in den letzten fünf Jahren einerseits schon verbessert. Und auf der anderen Seite ist es, wie in der Sexualität: Jede neue heranwachsende  Generation muss Ihre eigenen Lehren aus ganz eigenen Umweltbedingungen ziehen. Die Mechanismen von Werbung werden immer raffinierter, Online Medien gewinnen mehr Raum – auch für Internet-Kriminalität – und häufig ist gerade da der clevere Verkäufer ein Schritt schneller, als der Konsument und User.
Sie sprechen ja mit einem Vertreter eines Online-Mediums…
Ja, und zwar gerne. Aber der Siegeszug von Online hat auch seine Tücken und produziert Verlierer. Das Wettrennen zwischen cleveren Web-Verkäufern und überforderten Kunden gleicht manchmal dem zwischen mit allen Wassern gewaschenen Rennpferden und einem dreibeinigen Esel.
Sind denn durch Ihre Arbeit und das RTL-Format generell Aufmerksamkeit und die Qualität von Prävention besser geworden innerhalb der letzten Jahre?
Die Aufmerksamkeit bestimmt. Eine generelle Qualitätsverbesserung von Prävention wäre mir zu großspurig. Ich weiß nicht, ob man davon sprechen kann, nur weil ich meine Arbeit mache. Manchmal gibt es Situationen, die mich freuen: In einem meiner Fälle besuchte ich den Pressesprecher der Staatsanwaltschaft eines Amtsgerichtes. Wir liefen mit der Kamera über den Hof und plötzlich kreischten Jugendliche aus einem Fenster eines Dachgeschosses: Drei Azubi-Klassen mit 60 jungen Menschen in der Ausbildung zu Angestellten des Justizwesens. Die machten sich gerade mit dem Insolvenzrecht  vertraut, produzierten eine Wandzeitung und schauten regelmäßig unsere Filme. In dem Zusammenhang habe ich erfahren, dass auch die Dozenten die Filme schauen und im Unterricht besprechen. Ich fand das spannend und auch witzig: Oben quälen sich die Klassen mit dem Insolvenzrecht und unten läuft der Protagonist eines ihrer Lehrfilme vorbei.
Ich frage mal nicht, ob es der Pressesprecher war, der von der Insolvenz bedroht war… Ich stelle mir vor, dass gerade in Situationen drohender Weltwirtschaftskrisen die Talk-Show-Anfragen an Peter Zwegat zunehmen. Sehen Zuschauer Sie über Ihr Format hinaus künftig in Diskussionen?
Ich erhalte viele Anfragen, auch als Ratgeber bei Fragen der Verschuldung von Kommunen, Ländern und Staaten. Diese Anfragen lehne ich grundsätzlich ab, ich bin ja kein VWL´er oder BWL´er. Ich fühle mich mangels betriebswirtschaftlicher und wirtschaftswissenschaftlicher Kompetenz auch nicht dazu berufen, zu jedem Aktien-Debakel Stellung zu nehmen. Das überlasse ich den Fachleuten auf diesem Gebiet und nehme mir nicht die Frechheit heraus mich dazu zu äußern. Insgesamt halte ich meine öffentlichen Auftritte eher in Grenzen. Da ich fast täglich drehe, kann ich aus Zeitgründen nicht allen Anfragen nachkommen. Ich suche mir daher genau aus, mit wem ich spreche und wo ich hingehe. Ich habe aktuell einer Talk-Show-Einladung zugesagt.  Am 30. Oktober werde ich Gesprächspartner von Markus Lanz beim ZDF sein.
Herzlichen Dank für das Gespräch!

Am 30.08.2011, 22.45 Uhr ist Peter Zwegat im ZDF in der Talk-Show von Markus Lanz zu sehen. Am 31.08. beginnt die neunte Staffel von “Raus aus den Schulden“, RTL, 21.15 Uhr.
Mehr über den Autor www.leadership-academy.de

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige