Auf Wiidersehen: Nintendos schneller Sturz

Nintendo, mit der Wii-Konsole zum Innovationstreiber der Spielebranche avanciert, hat ein Problem: Sein Handheld 3DS, der mit seiner Technik erneut die Maßstäbe setzt, floppt auf ganzer Linie. Seit der Markteinführung des Geräts geht es für den japanischen Konzern steil bergab: Der Aktienkurs fiel um 100 Euro, als Buße verzichten leitende Manager auf ihr halbes Gehalt. Und auch die 2012 erscheinende Wii U verspricht keine Besserung. Big N – Opfer der Smartphone-Euphorie – steckt in einer tiefen Krise.

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Nintendo, mit der Wii-Konsole zum Innovationstreiber der Spielebranche avanciert, hat ein Problem: Sein Handheld 3DS, der mit seiner Technik erneut die Maßstäbe setzt, floppt auf ganzer Linie. Seit der Markteinführung des Geräts geht es für den japanischen Konzern steil bergab: Der Aktienkurs fiel um 100 Euro, als Buße verzichten leitende Manager auf ihr halbes Gehalt. Und auch die 2012 erscheinende Wii U verspricht keine Besserung. Big N – Opfer der Smartphone-Euphorie – steckt in einer tiefen Krise.
Bis Ende Juli gingen nach Nintendo-Angaben 4,3 Millionen 3DS-Geräte über die Ladentheke. Fragt man die Zahl hingegen beim renommierten Branchenportal VGChartz.com ab, sind es nur 3,9 Millionen Verkäufe. In Wahrheit spielt es keine Rolle, welcher Wert stimmt. Enttäuschend sind sie beide. Nintendo reagierte mit einer drastischen Preissenkung: von 249 auf 169 Dollar beziehungsweise von 25.000 auf 15.000 Yen. In Deutschland kostet das Gerät noch 159 Euro. Dadurch läuft der Verkauf zwar etwas besser, Nintendo zahlt aber angeblich für jedes verkaufte Gerät drauf, da die Produktions- und Marketingkosten pro Stück höher sind.
Infolge der enttäuschenden Verkaufszahlen des 3D-fähigen Handhelds senkte Nintendo seine Gewinnprognose für das aktuelle Geschäftsjahr um 82 Prozent von 1,4 Milliarden auf 260 Millionen Dollar. Bemerkenswert war daraufhin die Reaktion von Konzernchef Satoru Iwata: Er verzichtet – angeblich freiwillig – auf die Hälfte seines Gehalts. Statt zwei Millionen Dollar kassiert er nur noch eine Million. „Ich bin mir bewusst, dass sowohl der kurzfristige Erfolg sowie der mittel- bis langfristige Erfolg in meinen Verantwortungsbereich fallen“, teilte er in einem Statement mit. Auch die Direktoren werden mit 20 bis 30 Prozent Einbußen leben müssen. Das ist laut Iwata notwendig, um zu zeigen, dass auch das Management eine Verantwortung trägt.

Genau wie die Gehälter und Gewinnprognosen purzeln auch die Verkaufszahlen der bisherigen Cashcows. Laut VGChartz setzte Nintendo im vergangenen Jahr 20,9 Millionen DS- und 17,6 Millionen Wii-Geräte ab. Das ist zwar immer noch gut, im Vergleich zu 2009 jedoch ein massiver Rückgang um fast ein Drittel. Im zweiten Quartal 2011 halbierten sich sowohl die Hard- als auch die Software-Verkaufszahlen gar gegenüber dem Vorjahresquartal.
Bei dem üblichen Konsolen-Lebenszyklus von rund sieben Jahren ist diese Entwicklung zwar nicht verwunderlich. Mit der angekündigten Wii U steht aber nicht gerade ein großer Hoffnungsträger in den Startlöchern. Denn die Konsole setzt – ähnlich wie der 3DS – auf außergewöhnliche Technik und Steuerung. Ein Konzept, das mit Wii und DS funktionierte. Doch Wii U und 3DS erreichen den Freizeitspieler, für den sie gedacht sind, nicht. Warum?
Die besonderen Funktionen des 3DS sind seine 3D-Unterstützung sowie die Möglichkeit, Spiele als Augmented Reality zu erleben. Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, verursacht die dreidimensionale Darstellung bei vielen Nutzern jedoch nach wenigen Minuten Kopfschmerzen. Und Augmented Reality bietet zwar revolutionäre Funktionen. Ist für eine tragbare Konsole aber kaum zu gebrauchen. Verglichen mit modernen Smartphones, mit denen sich Spiele-Handhelds heutzutage messen lassen müssen, raucht der 3DS noch in einer weiteren Kategorie ab: Er kommt ohne 3G-Internetverbindung daher.
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Bleibt die 2012 erscheinende Wii U mit ihrem Space-Controller, der an ein iPad mit Knöpfen erinnert. Fraglich, ob dieses Gerät die Talfahrt abbremsen kann. Die Steuerung wirkt kompliziert – besonders für Games-Entwickler. Die mussten ihre Titel schon für die Wii stark überarbeiten, weshalb viele Top-Spiele gar nicht für die Konsole erschienen sind. Und die wenigen sogenannten AAA-Titel, die es für die Wii gab, darunter „Mario Kart“, „Super Smash Bros. Brawl“ oder „Super Mario Galaxy“, waren dann auch meist Eigenentwicklungen von Nintendo. Bei der Wii U dürfte das Problem noch drastischer werden.
Mit seinen Innovationen scheint Nintendo schneller zu sein, als so manchem Games-Entwickler recht sein dürfte. Darunter leidet auch der Kunde. Ihm geht das Futter an guten Spielen bald aus. Am Ende fällt das auf Nintendo zurück – und schlägt sich in schlechten Verkaufszahlen nieder.

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