RTL Group: der TV-Musterknabe

Die RTL Group hat einmal mehr glänzende Halbjahreszahlen vorgelegt. Von Krise redet bei dem TV-Konzern keiner. Das wäre auch vermessen bei einem operativen Gewinn von 557 Mio. Euro im 1. Halbjahr 2011 und der Aussicht auf den zweiten Rekordgewinn in Folge am Jahresende. Holding-Chef Gerhard Zeiler gab als Devise denn auch ein gepflegtes "Weiter so" aus. Besser als derzeit kann es für die RTL Group - zumindest in den Kernmärkten - nicht laufen.

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Deutschland, Frankreich und Holland ziehen das Geschäft der Gruppe mit Macht. Vor allem RTL Deutschland ist mit einem Zuschauer-Marktanteil von geradezu fabulösen 35,7 Prozent und einem operativen Gewinn von 268 Mio. Euro (mehr als die Hälfte des Gesamtgewinns!) das Zugpferd Nummer eins. Die Umsatzrendite in Deutschland liegt bei kaum noch steigerbaren 30 Prozent.

Aber auch die französischen Sender M6 und W9 steuerten mit 149 Euro Gewinn einen ordentlichen Batzen bei und RTL Nederland lieferte 59 Mio. Euro zum EBITA. Das bedeutet in Holland eine Steigerung beim operativen Gewinn von sagenhaften 84,4 Prozent. Das Top-Trio Deutschland, Frankreich und Holland erwirtschaftet alleine 476 Mio. Euro des Gesamt EBITAs von 557 Mio. der RTL Group. Diese Hauptmärkte der RTL Group sind kerngesund , super-profitabel und satt. Wachstum ist hier kaum noch möglich. Das derzeitige, sehr hohe Niveau zu halten wäre für Zeiler und seine Truppe schon ein großer Erfolg.

Aber es gibt auch ein paar weniger schöne Flecken auf der RTL-Landkarte – bilanztechnisch gesehen. Probleme bereiten laut Zeiler vor allem die ost- und südeuropäischen Märkte. In beiden Regionen gingen die TV-Werbeumsätze verglichen mit dem 1. Halbjahr 2010 zurück. Vor allem Spanien und Griechenland sind Länder, die dem RTL-Group-Chef ein paar Sorgenfalten auf die Stirn treiben dürften. Ein Rückzug aus diesen Märkten steht aber wohl nicht zur Debatte. Immerhin konnte der griechische RTL-Sender Alpha TV seine Zuschauer- und Werbemarktanteile gegen den Trend steigern.

Was die digitalen Medien betrifft, kann Zeiler entspannt sein. Die Online-Plattformen der RTL-Gruppe haben fast eine Milliarde Video-Abrufe im Netz verzeichnet. Eine Steigerung von rund 30 Prozent pro Jahr. Auch die digitalen Werbe-Umsätze wachsen – sind aber nicht ansatzweise mit TV vergleichbar. Bilanzmäßig bleibt das Digital-Geschäft für die RTL Group auf absehbare Zeit ein Zuckerle.

Am Ende der Rechnung fürs erste Halbjahr bleiben der RTL Group unterm Strich 382 Mio. Euro Netto-Gewinn (Vorjahr: 357 Mio. Euro) bei einem Gesamtumsatz von 2,751 Mrd. Euro (Vorjahr: 2,661 Mrd.). Die nächsten zwei Monate, so Zeiler, würden darüber entscheiden, ob die RTL Group das Rekord-Ergebnis vom vergangenen Jahr mit einem operativen Gewinn von über einer Milliarde Euro wird toppen können. Zeiler ist mit Prognosen gewohnt zurückhaltend, man weiß ja nie, was im 4. Quartal noch alles passiert. Er sei vorsichtig optimistisch, sagte er. Will heißen: Es müsste schon sehr viel schieflaufen, wenn die RTL Group das Jahr 2011 nicht zum zweiten Mal in Folge mit einem Rekord abschließt.

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