Journalisten streiken vor neuen Tarifverhandlungen

Die Redakteure an Tageszeitungen haben ihre Streiks am heutigen Dienstag ausgeweitet. In mehr als 20 Redaktionen legten die Angestellten vorübergehend die Arbeit nieder, um für bessere Verhältnisse zu demonstrieren. Hintergrund ist die Fortsetzung der Vertragsverhandlungen zwischen dem DJV und dem BDZV am morgigen Mittwoch.

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In Baden-Württemberg stießen zu den Streikenden von zehn Zeitungen noch die Mitarbeiter von drei weiteren Titeln hinzu. In Bayern waren zusätzlich zehn Zeitungen zum Streik aufgerufen, in Nordrhein-Westfalen waren heute mehrere Zeitungen im Rheinland an der Reihe. In Niedersachsen legten die Redakteure der Hannoveraner Titel sowie der Madsack-Heimatzeitungen die Arbeit nieder und demonstrierten am Mittag in der City der Landeshauptstadt. In Schleswig-Holstein fanden Warnstreiks bei den Kieler und den Lübecker Nachrichten statt und in Hessen wurde heute bei etlichen Zeitungen die Urabstimmung durchgeführt.
Anlass waren die Tarifverhandlungen für die rund 14.000 Redakteure an Tageszeitungen, die am morgigen Mittwoch in Hamburg in die zehnte Runde gehen. Der Deutsche Journalisten-Verband erwartet vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, dass sich die Verleger „auf dem Weg zu fairen und angemessenen Tarifverträgen weiter nach vorn bewegen“.
„Wir sind noch nicht am Ziel“, sagte DJV-Verhandlungsführer Kajo Döhring. „Vor einem möglichen Tarifabschluss liegen noch einige Stolpersteine, die aus dem Weg zu räumen sind." Dazu zählten etwa die Zuwächse von Gehältern und Honoraren oder die Struktur des Gehaltstarifvertrags für Berufseinsteiger.
Der DJV fordert eine Erhöhung der Gehälter um vier Prozent rückwirkend zum 1. August 2010. Die aktuellen Streiks, etwa in Süddeutschland und Nordrhein-Westfalen, zeigten, dass den Redakteuren viel an den Arbeitsbedingungen liege, um den Lesern hohe Qualität liefern zu können. „Auch der ideelle Wert des Journalismus liegt unseren Mitgliedern am Herzen“, kommentierte Döhring. „Es geht um nichts weniger als die Zukunft des Journalistenberufs.“
Der Verhandlungsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Werner Hundhausen, sagte: „Wir erwarten eine sachliche Fortsetzung der Verhandlungen mit dem Ziel einer Vereinbarung.“ Angesichts der schwierigen branchenwirtschaftlichen Entwicklungen habe der BDZV mit seinem Vorschlag vom 2. August ein deutliches Zeichen gesetzt, sagte Hundhausen.
Danach soll der neue Manteltarifvertrag (MTV) für Redakteure, die bereits im Beruf sind, bis zum 31. Dezember 2013 gelten. Für die Laufzeit der Vereinbarung sollen die Einmalzahlungen (Urlaubsgeld und Jahresleistung) befristet verkürzt werden können, sofern ein Verlag negative Entwicklungen am Anzeigen- und Vertriebsmarkt nachweist und zugleich zusagt, auf betriebsbedingte Kündigungen für den Zeitraum der in Anspruch genommenen Kürzung zu verzichten.
Der neue Gehaltstarifvertrag (GTV) sieht parallel zum MTV  in den ersten beiden Jahren je eine Einmalzahlung vor; im dritten Jahr soll eine prozentuale Erhöhung der Gehälter folgen.
Bei Zustandekommen eines Abschlusses von MTV und GTV haben die Verlage zudem zugesagt, auch den Tarifvertrag über die Altersversorgung (AV) unverändert bis Ende 2013 zu verlängern.

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