AOL: 40 Prozent Minus in einer Woche

Man kann AOL nicht wirklich vorwerfen, es nicht versucht zu haben: endgültige Trennung von Time Warner, Provider-Geschäft abgestoßen, ein Neustart mit einem ambitionierten Google-Manager, eine Neuausrichtung auf Internet-Inhalte, spektakuläre Zukäufe wie der der Huffington Post und TechCrunch inklusive. Ergebnis: Immer noch Verluste, immer geringere Umsätze. Die Börse verliert nun komplett die Geduld und schickt die AOL-Aktie im Verlauf der Crash-Woche um in der Spitze 40 Prozent nach unten.

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Man kann AOL nicht wirklich vorwerfen, es nicht versucht zu haben: Endgültige Trennung von Time Warner, Provider-Geschäft abgestoßen, ein Neustart mit einem ambitionierten Google-Manager, eine Neuausrichtung auf Internet-Inhalte, spektakuläre Zukäufe wie den der Huffington Post und TechCrunch inklusive. Ergebnis: Immer noch Verluste,  immer geringere Umsätze. Die Börse verliert nun komplett die Geduld und schickt die AOL-Aktie im Verlauf der Crash-Woche um in der Spitze 40 Prozent nach unten.

Man hat den Film schon mal gesehen, man ahnt längst wie er ausgeht, trotzdem sieht man mit einer gewisse Faszination am Untergang weiter zu – so dürfte es nicht wenigen Anlegern und Onlinern der ersten Stunde gehen, wenn sie AOL im Blick haben. Über 150 Milliarden Dollar war der Internet-Pionier einmal wert, gemeinsam mit Time Warner im Zuge der spektakulärsten Übernahme aller Zeiten sogar 350 Milliarden Dollar.

Und jetzt? Gerade noch nun rund eine Milliarde Dollar Börsenwert ist geblieben. Und das, obwohl doch mit der finalen Abspaltung von Time Warner 2009 alles anders werden sollte. Mit einer Marktkapitalisierung von lediglich 2,5 Milliarden Dollar hatte sich AOL Ende 2009 nochmals an die Kapitalmärkte gewagt – zum erneuten Überflieger wurde die Aktie nie.

Schwache Zahlen, dramatische Kurssverluste

Im Gegenteil: Nur kurzzeitig konnte sich das Papier in seiner zweiten Zeit an der Wall Street überhaupt ins Plus kämpfen – danach rückte der Abwärtsdruck die Aktie immer weiter ins Minus. All das war jedoch nur ein Vorspiel zu dem, was diese Woche passieren sollte: Die Aktienmärkte gingen in den Crash-Modus über – ein ziemlich ungünstiger Zeitpunkt, um Quartalzahlen bekannt zu geben, die nicht den Analystenschätzungen entsprachen.

Und so kam, was kommen musste: AOL kam im Wochenverlauf unter die Räder – und zwar so richtig. Bei rund 16 Dollar hatte die Aktie am Montag noch notiert – ganze 10 Dollar waren es gestern. Tatsächlich lasen sich die Quartalszahlen so dramatisch nicht: Zwar verliert AOL weiter Geld, aber im vergangenen Quartal nur noch 11,2 Millionen Dollar und nicht mehr 1,05 Milliarden wie im Vorjahreszeitraum, als allerdings auch Abschreibungen belastet hatten. Die Umsätze gaben weiter nach auf 542 Millionen Dollar – ein Minus von acht Prozent.

Letzte vertrauensbildende Maßnahme: Aktienrückkauf

Wo liegt also der Anlass für den drastischen Aderlass? Gemessen an den Bemühungen, die immerhin mit den Zukäufen von TechCrunch und HuffingtonPost nicht unspektakulär aussehen, ist das Ergebnis von Tim Armstrongs Turnaround-Versuchen einfach zu bescheiden. Die Werbeerlöse zogen zwar um 5 Prozent an – das ist aber viel zu wenig, um die Ausfälle des schwindenden Provider-Geschäfts, das alleine ein Minus von 23 Prozent auswies, zu kompensieren. Noch schwerer wog indes die reduzierte Prognose für das Gesamtjahr.

Als letzte vertrauensbildende Maßnahme blieb Tim Armstrong nun noch der Aktienrückkauf, der gestern verkündet wurde: 250 Millionen Dollar steckt AOL in den Aufkauf der eigenen Anteilsscheine, der unerstreichen soll, wie günstig die eigenen Papiere sind. Die Aktien zogen daraufhin immerhin um rund 12 Prozent an. Doch was bleibt, nachdem die letzte Kugel verschossen ist?   

AOL ist nun günstiger als seine Einzelteile, glaubt der AlleyInsider. Allerdings hatte Gründer Henry Blodget bereits zum zweiten Börsengang 2009 geschrieben: "AOL ist unterbewertet". Knapp zwei Jahre später wirkt diese Einschätzung so überholt wie AOL selbst.

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