Streik-Streit: „Der Frust vieler Freier ist groß“

Die Debatte um die Streik-Kritik von Lokal-Blogger Hardy Prothmann geht in die nächste Runde. Gegenüber MEEDIA melden sich jetzt der Deutsche Journalisten-Verband und die Freien-Vereinigung Freischreiber zu Wort. "Prothmann konstruiert einen Gegensatz zwischen Redakteuren und Freien, den es nur vereinzelt gibt", versucht DJV-Sprecher Hendrik Zörner zu beschwichtigen. Freischreiber-Vorstand Benno Stieber kontert: "Prothmanns Erfahrungen decken sich mit denen anderer."

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Stieber stimmt in gewissen Punkten mit Prothmann, der den streikenden Zeitungsredakteuren unter anderem Kumpanei, Honorar-Dumping und Respektlosigkeit vorwirft, überein. "Viele Feste wissen gar nicht, was draußen los ist. Der Frust vieler Freier ist deshalb groß, und die zuständigen Vereinigungen DJV und dju in Verdi setzen sich häufig in erster Linie für die Interessen der Redakteure ein." Genau wie Prothmann vermisst das Freischreiber-Vorstandsmitglied die Solidarität der Redakteure, wenn es um Anliegen der Freien geht.
Dennoch hält Stieber fest, dass sich durch die derben Kommentare kaum etwas ändern dürfte. Verlage bezahlten den freien Journalisten keine höheren Honorare, nur weil sich ein Lokal-Blogger mokiert. "Die Unternehmen stecken gerade die Grenzen für die Zukunft ab. Mit der Deckelung der Gehälter für Redakteure wollen sie ihre Rendite absichern." Dabei, so der Freischreiber, müsse journalistische Qualität, egal ob von Freien oder Festen, ordentlich bezahlt werden. Aus diesem Grund unterstütze die Vereinigung die Streiks.
Aus Sicht des DJV-Sprechers Hendrik Zörner beteiligen sich ohnehin auch viele freie Journalisten an den Streiks der Zeitungsredakteure. "Bei den laufenden Tarifauseinandersetzungen geht es nicht nur um die Festangestellten, sondern durchaus auch um die Freien. Deshalb haben sich unsere Tarifforderungen nach höheren Gehältern und Honoraren von Anfang an auf Redakteure und Freie bezogen. Aber um es klar zu sagen: Es geht bei den Tarifauseinandersetzungen um Tarifverträge und die gelten nun mal überwiegend für feste Anstellungsverhältnisse."
Die Kritik, dass sich der DJV stärker für die Interesse von Redakteuren einsetzten, weist er zurück. "Der DJV muss keine Stärkung der Freien-Position planen, denn das gehört zu unserem Kerngeschäft seit Jahrzehnten. Konkrete Maßnahmen der letzten Jahre sind etwa die mit den Zeitungsverlegern vereinbarten gemeinsamen Vergütungsregeln für hauptberuflich tätige Freie an Tageszeitungen oder die zahlreichen Prozesse, die wir bisher durchweg erfolgreich gegen Verlage wegen deren Honorarbedingungen für Freie geführt haben." Darüber hinaus gebe der Verband Freien, die DJV-Mitglieder sind, Hilfe bei der Existenzgründung und praktische Tipps für den Berufsalltag.

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