Uli Baur will den Focus nicht umbauen

Trotz des plötzlichen Abgangs von Wolfram Weimer aus der Focus-Chefredaktion will das Nachrichtenmagazin seinen eingeschlagenen Kurs fortsetzen. Wie der neue alleinige Chefredakteur Uli Baur zu Horizont.net sagte, setze das Heft weiter auf "Relevanz und Fakten". Genau so wolle man in München "dem Leser aber auch ganz pragmatisch Orientierung für seine eigene Lebenswirklichkeit bieten". Die Stimmung in der Redaktion nach Weimers Ausscheiden beschreibt er als "glänzend".

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Angesprochen auf den Versuch, den Focus als konservativ-intellektuellen Anti-Spiegel zu etablieren, sagte Baur zu Horizont, dass das Wort "intelligent" besser zum Focus passe als "intellektuell". Er lege viel Wert auf recherchierte Geschichten, aber "einordnende Beiträge von Gastautoren" werde man auch in Zukunft finden.
Anders als der Focus-Gründer und Ex-Chefredakteur Helmut Markwort wollte Weimer das Magazin hin zu mehr Relevanz statt "Fakten Fakten Fakten" führen. Eine Mischung aus Economist und Paris Match sollte es werden. Eine neue Bildsprache, neue Ressorts. Weimer war nach dieser Interpretation auf halber Strecke steckengeblieben. Nicht aus eigener Schuld, denn sein Konzept wurde verwässert. Neben Relevanz-Titeln zu Energie, Fukushima und Euro standen altbekannte Auflagenbringer wie "Urlaubs-Spezials" und Berichte aus der "Diät-Gesellschaft". Mehr Stern als Spiegel also, aber zum Spiegel schaute Weimer. Er fühlte sich offenbar ausgebremst in dem Unterfangen, den Hamburgern Paroli zu bieten.
Weimers Pläne für einen Newsdesk, für Ableger wie Focus-Literatur oder mehr Berichterstattung aus Berlin lägen auf Eis, hieß es vor zwei Wochen. Markwort nutze seine Rolle als Herausgeber sehr aktiv, heißt es bei Burda. Im Sinne seines Weggefährten Baur, und gegen die Interessen von Weimer.

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