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Nach PR-Desaster: Ergo wagt Neustart

Ergo versucht den Befreiungsschlag: Während vor der Konzernzentrale in Düsseldorf nur wenige Sympathisanten von Martin Sonneborns Die Partei "in frivoler Aufmachung um Aufklärung" in Sachen Sex-Sause baten, stellte drinnen der Vorstandsvorsitzende Torsten Oletzky einen Prüfbericht vor und erklärte welche Konsequenzen er ziehen will. Das Ergebnis: Der Konzern erhöht die Beratungsqualität, verschärft den unternehmensweiten Verhaltenskodex und startet eine Bewertungsplattform für Versicherungsvertreter.

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Um die Beratungsqualität zu erhöhen, wollen die Düsseldorfer jeden Kunden auffordern, "Vertriebspartner und das Beratungsgespräch nach Vertragsabschluss zu bewerten". Die Bewertungen sollen dann auf den Internetseiten der Vertriebspartner veröffentlicht werden, allerdings erst "sobald eine repräsentative Bewertungsanzahl vorliegt". Wann dies der Fall ist, ist jedoch noch unklar. Zudem ist geplant, die Qualität der Beratung durch sogenannte Mystery Shopper zu erhöhen.

Die weiteren Maßnahmen sollen verbesserte Produktunterlagen und ein überarbeiteter Verhaltenskodex für selbstständige Vertreter sein. "Der Kodex formuliert einen hohen Anspruch an eine qualitativ hochwertige Beratung und integres Verhalten. Er wird verbindlicher Bestandteil der Vertreterverträge."

Auf die massive öffentliche Kritik reagierte Oletzky, der zuletzt noch Entschuldigungs-Anzeigen in großen überregionalen Tageszeitungen drucken ließ, in der offiziellen Unternehmensmitteilung nicht mit einer weiteren Ausrede. Stattdessen sagt er: "Ohne Zweifel: Es sind in der Vergangenheit Fehler passiert. Das ist ärgerlich und auch schmerzhaft. Vor allem, weil wir einen neuen Weg eingeschlagen haben und Ergo heute schon ein anderes Unternehmen ist."

Überhaupt gibt sich das Unternehmen die größte Mühe, die Affären endlich hinter sich zu lassen. Auf die längst zum legendären PR-Desaster gewordene Sex-Sause der HMI-Vertreter in Budapest geht die aktuelle Ergo-PM nur noch in knappen Sätzen ein. So heißt es unter dem Punkt "Wettbewerbsreise nach Budapest": "PwC bestätigt, dass die Umstände der Wettbewerbsreise nach Budapest sachgerecht und vollständig aufgeklärt worden sind. Ergo hat rückwirkend sicher gestellt, dass die Kunden nicht mit den Kosten der Veranstaltung belastet werden."

Bei der folgenden Pressekonferenz kamen dann doch noch weitere Details ans Licht. So sollen an dem Trip im Juni 2007 zwei leitende Angestellte und 64 selbstständige Vermittler teilgenommen haben. Die "Prostitutionsdienstleistungen" wurden dann versteckt in der Veranstaltungsrechnungen abgerechnet.

Auch bei den falschen Riester-Verträgen, mit denen die Versicherung in Verruf kam, will man reinen Tisch machen. Alle betroffenen 12.000 Kunden sollen entschädigt werden. Der Aufwand hierfür soll sich – bei vorsichtiger Schätzung – auf rund fünf Millionen Euro belaufen.

Die Düsseldorfer haben möglicherweise sogar ganz gute Chancen, dass das schlimmste ausgestanden ist. Denn offenbar war das von Martin Sonneborn initiierte Happening vor der Versicherungszentrale kein großer Erfolg. Denn nach Beobachtungen von Handelsblatt-Journalist Thomas Schmidt kamen auf fünf Demonstranten rund 30 Journalisten.

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