Schwarzfahrer machen auf Facebook mobil

Abgefahrene Idee: Auf Facebook hat sich eine Gruppe zusammengefunden, in der vor Kontrollen im Hamburger Verkehrsverbund (HVV) gewarnt wird. Auf der Pinnwand von Schwarzfahren Hamburg werden die Strecken von Bus und Bahn inklusive Personenbeschreibung zu den Ticket-Kontrolleuren gepostet. Mittlerweile gefällt über 4.000 Usern die Seite. Der HVV bezeichnet die Aktion als "modernes Schmarotzertum". Eine rechtliche Handhabe gegen die Facebook-Gruppe gibt es jedoch nicht.

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Auf der Facebook-Seite ist beispielsweise von "organisierter Kriminalität" und einer "asozialen Idee" die Rede. Auch ein Hamburger Busfahrer ärgert sich und fragt in die Runde, welcher der Fans gerne umsonst arbeiten würde: "Schwarzfahren ist so als wenn ich umsonst arbeiten soll", schreibt der Personenbeförderer an die Pinnwand. Andere verstehen die Seite nicht nur als Schwarzfahrer-Austausch-Börse, sondern als Protest gegen die hohen Preise oder fordern gar, dass der ÖPNV kostenfrei zugänglich sein soll. Zur Info: Das günstigste Ticket im Hamburger Nahverkehr kostet 1,30 Euro, das teuerste 2,80 im Großbereich.
Seitdem am Dienstag das Hamburger Abendblatt und die Hamburger Morgenpost über die Facebook-Seite berichteten, steigt die Zahl der Fans kontinuierlich an. Das Ergebnis einer Umfrage auf Abendblatt.de zeigte am Dienstagnachmittag, dass über 55 Prozent die Aktion für "pfiffig" halten, der Rest für "inakzeptabel". 
So auch der HVV sowie die Hamburger Hochbahn, deren Sprecherin Maja Weihgold die Aktion als "modernes Schmarotzertum" bewertet. "Wir sind erschrocken, dass die Seite so vielen Menschen gefällt und hoffen, dass die Nutzer erkennen, dass sie mit ihrem Verhalten anderen Menschen und den Steuerzahlern schaden", sagt sie gegenüber MEEDIA. Pro Jahr richte Schwarzfahren bei der Hochbahn rund zwölf Millionen Euro Schaden an. Beim HVV sind es gar über 20 Millionen Euro, sagt Pressesprecherin Gisela Becker. "Schwarzfahren ist kein Kavaliersdelikt." Eine Garantie, nicht erwischt zu werden, gebe die Seite nicht. Jeden Tag wären über 100 Kontrolleure im Verkehrsnetz, das könne gar nicht im Web abgebildet werden, so Becker.   
Vorgehen will weder der HVV noch die Hamburger Hochbahn gegen die Aktion, weil es keine rechtliche Grundlage dafür gibt. Dass Schwarzfahrer sich gegenseitig Tipps auf einer öffentlich zugänglichen Webseite geben, ist juristisch ähnlich einzuordnen wie die Blitzerwarnungen via Radio. Auf Facebook werden übrigens auch Schwarzfahrer in München unter MVV Blitzer fündig, für Halle, Berlin und Dortmund sind ebenfalls schon Seiten angelegt, aber bisher noch ohne Fans.


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