Der Abhörskandal beim Daily Mirror

Wer hoffte, dass der Abhör-Skandal der News of the World mit der parlamentarischen Sommerpause abflaut, kann sich nun auf die nächste Runde vorbereiten: Das Boulevardblatt Daily Mirror hat eine interne Untersuchung angestrengt, um herauszufinden, ob ihre Reporter sich ebenfalls bei der Recherche gesetzeswidrig verhalten haben. Und dessen ehemaliger Chefredakteur Piers Morgan, der inzwischen eine Chatshow bei CNN moderiert, gerät ebenfalls ins Kreuzfeuer. Weiter geht’s.

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Wer hoffte, dass der Abhör-Skandal der News of the World mit der parlamentarischen Sommerpause abflaut, kann sich nun auf die nächste Runde vorbereiten: Das Boulevardblatt Daily Mirror hat eine interne Untersuchung angestrengt, um herauszufinden, ob ihre Reporter sich ebenfalls bei der Recherche gesetzeswidrig verhalten haben. Und dessen ehemaliger Chefredakteur Piers Morgan, der inzwischen eine Chatshow bei CNN moderiert, gerät ebenfalls ins Kreuzfeuer. Weiter geht’s.
Kaum zu glauben, dass es erst eine Woche her ist. Mediengurus, Blogger, Politiker und etwaige Schadenfreudige versammelten sich mit Popcorn und Sandwiches vor ihren Fernsehern, um den parlamentarischen Medienausschuss mit den Stargästen Rupert und James Murdoch zu verfolgen. Dank Twitter war keiner allein. Als am nächsten Tag dann Premierminister David Cameron sich zum letzten Mal vor der parlamentarischen Sommerpause in einer Sondersitzung zum Abhör-Skandal den Fragen der Abgeordneten stellte, schien die Luft erst einmal raus zu sein. Sicher gab es seitdem noch ein paar Nachwehen. So wurde James Murdoch der Falschaussage bezichtigt. Aber die Titelseiten widmeten sich zum ersten Mal seit Wochen wieder der Außenwelt.
Doch die nächste Phase des Skandals zeichnete sich schon ab. Cameron sagte im Unterhaus, er würde sich nicht wundern, wenn der Mirror nicht bald ein paar Fragen beantworten müsste (Das Blatt wird von dem Verlag Trinity Mirror herausgegeben). Und am Vortag zitierte die Abgeordnete Louise Mensch ein paar Worte aus der Biographie des ehemaligen Chefredakteurs des Daily Mirrors, Piers Morgan, in dem er angeblich illegales Abhören zugab. Leider musste Frau Mensch sich später scharfe Kritik gefallen lassen, hatte sie doch angeblich missverständlich zitiert, aber die Katze war aus dem Sack.
Morgan hat seitdem abgestritten, jemals in illegales Abhören involviert gewesen zu sein.  Er hat viel zu verlieren. In 1994, mit gerade einmal 28 Jahren, wurde er von Rupert Murdoch zum Chefredakteur der News of the World ernannt. Sechs Jahre später wechselte er in den gleichen Posten zum Boulevardblatt Daily Mirror, dem Hauptkonkurrenten von Murdochs Sun. Nachdem er 2004 rausflog, konzentrierte er sich auf seine TV-Karriere. Als bestens vernetzter Klatschjournalist interviewte er PR-hungrige Stars und Politiker und trieb gleichzeitig seine eigene Popularität an. Nach Auftritten als Jury-Mitglied in ‚Britain’s Got Talent’ und ‚America’s Got Talent’ landete Morgan einen der Traumjobs im Fernsehen: Im Januar wurde er zum Nachfolger des legendären CNN-Talkers Larry King.
Zu Morgans größten Exklusivmeldungen beim Daily Mirror gehört zweifelsohne die Affäre des damaligen Trainers der englischen Fußballnationalmannschaft Sven-Göran Eriksson mit seiner schwedischen Landsmännin Ulrika Jonsson 2002. Eriksson, dessen Charme und Elan einem Elch nicht unähnlich ist, war zu der Zeit mit der glamourösen Italienerin Nancy Dell’Olio liiert. Der Seitensprung mit der hübschen TV-Moderatorin war ein Traum für jedes Revolverblatt. Aber wie kam Morgan an diese exklusive Story?
Vermutungen über das illegale Abhören der Voicemails von Jonsson werden immer lauter, nicht zuletzt, weil Jonsson selbst letzte Woche von ihren Erlebnissen erzählte. Ein Jahr nach ihrer Affäre wurde sie zur Star-Kolumnistin der News of the World. In einem Interview mit ITV1 erklärte sie, ein Kollege hätte sie gewarnt, keine Voicemails zu hinterlassen. Die Polizei fand schließlich Indizien dafür, dass ihr Handy tatsächlich abgehört wurde. Auch wenn Jonsson ihren wohlmeinenden Kollegen nicht nannte, ist es für sie klar, dass die News of the World-Reporter nicht die einzigen Hacker waren. Konkurrenz belebt das Geschäft, und wenn einer hackt, mussten die anderen mitmachen.
Ob der Mirror unter Morgan sich ebenfalls illegal in Jonssons Mailbox einwählte, wird nun eifrig diskutiert. Er sagt, man habe die Story von Jonsson’s Mutter bekommen, die freimütig über den ‚Freund’ ihrer Tochter mit seinen Reportern sprach.
Während Piers Morgan es sich in den Studios von CNN gemütlich gemacht hat, werden seinem ehemaligen Arbeitgeber ungemütliche Fragen gestellt. So hat der Mirror Anfang dieser Woche interne Ermittlungen begonnen. Auch wenn man diese bewusst nicht als ‚Untersuchungen in das mögliche illegale Abhören’ bezeichnet, steht dies klar im Mittelpunkt. Letzten Samstag meldete sich der ehemalige City-Reporter des Daily Mirrors James Hipwell als Whistleblower zu Wort. Er saß neben dem Ressort Showbiz, das laut Hipwell routinemäßig die Mailboxen von Stars abhörte. Er hat sich bereit erklärt, vor dem offiziellen Untersuchungsausschuss auszusagen.
Fast einen Monat nachdem der Abhör-Skandal das Ende der News of the World herbeibrachte, wird das Ausmaß des Einflusses von News International auf die britische Politik immer deutlicher. Täglich kommen neue Einzelheiten ans Licht, wie Rupert Murdoch 40 Jahre lang Großbritannien hinter den Kulissen manipuliert hat. Im Namen der Auflage wurde die Polizei bestochen und Karrieren von Politikern gemacht oder zerstört. Alan Rusbridger, der als Chefredakteur des Guardians für die Aufdeckung des Skandals verantwortlich ist, bezeichnete Murdochs Stellung als ‚Macht durch Immunität’ – weder die Polizei noch die Legislative wollte es mit dem Medienmogul aufnehmen. Aber der Einfluss von Murdoch ist innerhalb von Wochen kolossal zusammengebrochen. Bedeutete sein Name bislang Macht, ist jede Assoziation mit ihm jetzt pures Gift. Ein Schicksal, dass seinen ehemaligen Zöglingen und Nachahmern ebenfalls passieren kann. 

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