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Murdoch wird Falschaussage vorgeworfen

Der Sohn des Medienmoguls Rupert Murdoch hat bei seinem Auftritt vor dem Medienausschuss am Dienstag möglicherweise gelogen. Das sagen zumindest der Ex-Chefredakteur der News of the World, Colin Myler, und der Rechtsberater Tom Crone des inzwischen eingestellten Revolverblatts. Damit bringen sie den vermeidlichen Erben von News Corporation in arge Bedrängnis. Und in den USA werden alte Anschuldigungen gegen den Konzern aufgewärmt, die von Mafia-ähnlicher Unternehmenskultur berichten.

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Der Sohn des Medienmoguls Rupert Murdoch hat bei seinem Auftritt vor dem Medienausschuss am Dienstag möglicherweise gelogen. Das sagen zumindest der Ex-Chefredakteur der News of the World, Colin Myler, und der Rechtsberater Tom Crone des inzwischen eingestellten Revolverblatts. Damit bringen sie den vermeindlichen Erben von News Corporation in arge Bedrängnis. Und in den USA werden alte Anschuldigungen gegen den Konzern aufgewärmt, die von Mafia-ähnlicher Unternehmenskultur berichten.
Der Auftritt von James Murdoch von den Abgeordneten war aalglatt, aber scheinbar nicht fehlerfrei. Der Chairman von News Corp. in Europa erklärte, er wusste nichts von einem wichtigen Beweisstück in Bezug auf das Abhören von Gordon Taylor, dem Chef der Professional Footballers Association. Dabei geht es um eine Email unter dem Titel “Für Neville” (Neville Thurlbeck war der Chefreporter der News of the World), in der von insgesamt 35 Abhörangriffen auf Taylor gesprochen wird. Diese Email hätte die Verteidigung von News International, dass lediglich deren Adelsreporter Clive Goodman und Privatdetektiv Glen Mulcaire diese illegalen Praktiken angewandt hat, zunichte gemacht.
James erklärte vor dem Medienausschuss, man habe sich mit Taylor in 2008 außergerichtlich auf die astronomische Kompensationszahlung von 700.000 Pfund geeinigt, weil seine Anwälte einen Gerichtsstreit für aussichtslos hielten. Während eines Gerichtsverfahrens wäre diese Email aber als Beweisstück veröffentlicht worden. Die Anschuldigung gegen James lautet daher, dass er sich außergerichtlich mit Taylor einigte, um das zu verhindern. Der ehemalige Chefredakteur der Sonntagszeitung Colin Myler sowie der Rechtsbeistand Tom Crone erklärten, sie hätten James ausdrücklich auf diese Email hingewiesen. Demnach habe James schon lange gewusst, dass das Phone-Hacking kein Einzelfall war. Der 38-jährige Sohn von Rupert Murdoch wies diese Anschuldigung in einer Stellungnahme ab.
Währendessen wird in den USA ein älterer Rechtsstreit aufgewärmt, in dem News Corp. beschuldigt wird, die Website eines kleinen Mitbewerbers gehackt zu haben. Vor zwei Jahren hat die In-Store Marketing-Firma Floorgraphics die US-Sparte des Konzerns News America verklagt, neben Datendiebstahl auch bösartige Gerüchte über das Unternehmen verbreitet zu haben. Laut New York Times wurde das Computersystem von Floorgraphics von einer I.P.-Adresse aus dem Hause News America angegriffen. Kurze Zeit später verlor Floorgraphics Kunden wie Safeway und Winn-Dixie. In dem Gerichtsverfahren sagte der ehemaliger Angestellter des Medienkonzerns, Robert Emmel, gegen seinen früheren Arbeitgeber aus. News Corp. stritt die Anschuldigungen ab. Aber um das Problem zu beseitigen, kaufte News America kurzerhand den kleinen Streithahn für 29,5 Millionen Dollar, auch wenn Floorgraphics angeblich nur Umsätze von einer Million Dollar pro Jahr machte. Man muss sich fragen, ob das vielleicht Schweigegeld war.
In diesem Jahr musste News America weitere Schecks schreiben. Die Firma Insignia Systems, ebenfalls im In-Store Marketing tätig, bekam 125 Millionen Dollar, um eine Klage wegen wettbewerbswidrigen Verhaltens und Kartellrechts fallen zu lassen. Und die Marketingagentur Valassis Communications strich eine stolze Kompensationszahlung von 500 Millionen Dollar ein, nachdem sie bereits 300 Millionen Dollar vom Gericht zugesprochen bekamen, um mit News America an bestimmten Projekten zusammenzuarbeiten. Ein halbe Milliarde Dollar sind nicht wenig, noch nicht einmal für News Corp.
Wie schon der Anwalt der Familie des ermordeten Schulmädchens Milly Dowler, dessen Mailbox ebenfalls angegriffen wurde, meinte: „Hier geht es nicht um eine Einzelperson, sondern um die Kultur in dem Unternehmen.” News Corp. ist offensichtlich extrem aggressiv im Umgang mit der Konkurrenz wie im Beschaffen von Nachrichten. Und Gesetze oder Gerichte scheint man gern zu umgehen. Das Magazin Forbes berichtete 2005, dass der Chef von News America, Paul V. Carlucci, seinem Verkaufspersonal eine Szene aus dem Film “Die Unbestechlichen” vorspielte, in dem Al Capone einen Mann mit einem Baseball-Stock erschlägt.
Und der Guardian berichtet über ein Mittagessen mit den Gründern von Floorgraphics  und Carlucci, der missverstanden hatte, dass Floorgraphics an News America verkauft werden sollte. „Ab jetzt betrachten Sie uns als Konkurrenten – und verstehen Sie eins: Wenn Sie jemals in einen unserer Geschäftszweige einsteigen, werden wir Sie vernichten. Ich arbeite für einen Mann, der alles will und es nicht versteht, wenn jemand ihm erklärt, dass er nicht alles haben kann.” Carlucci und Murdoch haben viel von den Unbestechlichen gelernt. Ob der Film allerdings eine gute Grundlage für Unternehmenskultur bietet, ist zweifelhaft.

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