Medienprofile auf Google+ gelöscht

Google hat damit begonnen, Markenprofile in dem neuen Dienst Google+ zu löschen. Die Profile von Welt Online, DerWesten und Berliner Morgenpost sind bereits verschwunden. Andere wie die von Welt Kompakt, Berliner Zeitung oder Rhein-Zeitung sind noch in dem Netzwerk zugänglich. Google-Sprecher Stefan Keuchel: "Alle Firmenprofile laufen Gefahr, in den nächsten Tagen gelöscht zu werden." In den nächsten Monaten werde es eigene Seiten für Marken geben.

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Google hat in den Nutzungsbedingungen des neuen Netzwerks Google+ festgelegt, dass zunächst nur Einzelpersonen Profile in dem Dienst erstellen dürfen. Der befinde sich, wie Keuchel betont, immer noch in einer Testphase. Sogenannte "Business Profiles" würden "in den nächsten Monaten" freigeschaltet, kündigte Produktmanager Christian Oestlin in einem Blogpost bereits an. Für einen Testlauf hätten sich weltweit rund 40.000 Unternehmen, Marken und Institutionen beworben.

Keuchel betont indes, es sei für alle Marken und Medien sinnvoller, mit dem Aufbau eines Netzwerkes von Freunden und Followern zu warten, bis die Unternehmensprofile freigegeben seien. Denn ansonsten müssten diese alle ihre Freunde gleich wieder auf die offizielle Seite bugsieren.

Derweil fügen sich die innovationshungrigen Medienmacher in ihr Schicksal. Pete Cashmore, Gründer des immens populären Social Media Onlinedienstes Mashable, hat sein Mashable-Profil einfach "personalisiert" – statt einem Logo sehen Nutzer nun ein Foto von Cashmore. "Wir haben mit dem Team von Google+ geplaudert und sind uns einig, dass wir besser auf die offiziellen Unternehmensprofile warten." Sobald diese "Brand Profiles" online gingen, werde Mashable das Netzwerk ganz neu aufbauen.

Entsprechend ist davon auszugehen, dass Unternehmensprofile auf Google+ anders aussehen werden als normale Profile von Einzelpersonen. Die Monetarisierungsstrategie von Google+ wird sicherlich auch Unterschiede zwischen Einzel- und Firmen/Markenprofilen vorsehen.

Wie Cashmore schalten auch deutsche Medienmacher auf Einzelpersonen um. Oliver Michalsky von Welt Online schrieb am Freitag morgen den Post: "Guten Morgen allerseits! Wir hatten es ja erwartet, und diese Nacht ist es eingetreten: Google hat den Account von Welt Online gelöscht. Wir jammern keineswegs darüber, sondern freuen uns, in den vergangenen drei Wochen hier eine Menge getestet und viele interessante Leute kennen gelernt zu haben. Wie gestern angekündigt, halten wir Euch auf diesem Account sowie auf dem Account unseres Social Media Editors Kritsanarat Khunkham auf dem Laufenden. Und hoffen, dass G+ bald die angekündigten Brand Pages zur Verfügung stellt. Bis später!"

Zu den Medien-Profilen, die u.a. noch online sind, zählten am Freitag mittag: Rhein-Zeitung Koblenz (1.025 Fans), Bild.de (439), Welt Kompakt (195), Stuttgarter Zeitung Online (291), Berliner Zeitung (73), Hannoversche Allgemeine Zeitung (131) und Neue Osnabrücker Zeitung (39). Die vollständige Liste dürfte noch länger sein, große TV-Sender sind aber beispielsweise bisher nicht darunter.

Was zeigt das? Erstens: Deutsche Zeitungsmacher sind heißer auf Social Media, als ohnehin schon vermutet. Haut Google ein Soziales Netzwerk raus, springen die Digitalexperten in vielen Verlagen drauf, um zu schauen, wie sie ihr Medium auf dem Angebot präsentieren können. Das ist ein gutes Zeichen. Niemand mag mehr Trends verschlafen.

Zweitens: Google bleibt für viele Verlage ein Unternehmen, zu dem sie ein zwiespältiges Verhältnis haben. Jeden Dienst, den die Amerikaner anbieten und der auch für Medien von Vorteil sein könnte, begrüßen und umarmen sie mit Begeisterung. Denn: Ist ja kostenlos. Daran ist nichts verkehrt, im Gegenteil. Dennoch an dieser Stelle eine Spekulation: Sobald Google damit beginnen wird, das Netzwerk zu monetarisieren, dürfte vor allem bei Verlagsmanagern wieder eine Lampe aufleuchten. Sie werden von den erzielten Werbeumsätzen ohne Zweifel einen Anteil fordern. Denn: Google mache ja Geld mit ihren Inhalten. Dass die Medien zuvor in Scharen freiwillig zu Google+ gekommen waren, wird dann vermutlich nur eine untergeordnete Rolle spielen. Das ist freilich nur eine Spekulation. Aber eine recht verlässliche.

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