Piratensender Bild.de: Keese vs. Videopunk

Der Außenminister streitet mit dem Punk: Springers Bloggerbeauftragter Christoph Keese kontert den Vorwurf von Markus "Videopunk" Hündgen, dass Bild.de im Netz einen Piratensender betreibt, weil das Boulevard-Portal ohne Senderlizenz Live-Bewegtbilder ins Web streamt. Dem nicht genug, provoziert Keese gleich noch das ZDF. Denn der Springer-Lobbyist übernimmt einfach ein komplettes Hündgen-Posting, an dem allerdings nicht der Blogger, sondern der öffentlich-rechtliche Sender die Rechte hält.

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Hündgen hatten den Text mit der Piratensender-Aussage im Hyperlandblog und bei W&V eröffentlicht. Dieses Blog begleitet das gleichnamige TV-Format. Das heißt wiederum, dass die Rechte an dem besagten Text beim Zweiten Deutschen Fernsehen liegen. Trotzdem bloggte Keese, der für Springer auch der wichtigste Verlags-Lobbyist für eine Verschärfung des Leistungsschutzrechtes ist: "Ich nehme mir die Freiheit, seinen Text hier einfach einmal komplett einzukopieren, denn auch Markus Hündgen ist ein Kritiker des Leistungsschutzrechts und hat gegen die kostenlose Vollübernahme sicherlich nichts einzuwenden. Im Netz soll ja Freiheit herrschen."

Dem entgegnete Hündgen nun gegenüber MEEDIA: "Von mir aus kann Keese den komplett zitierten Blog-Eintrag auf Papierhütchen drucken und einer Rasselbande zeitungslesender Menschenaffen als Supplement spendieren. Nur bezweifle ich, dass das ZDF, als Eigentümer der Nutzungsrechte, nichts dagegen hat."

In der Sache gelingt es den beiden jedoch tatsächlich, ernsthaft zu argumentieren. Kesse widerspricht der Piratensender-These mit dem Hinweis, dass Bild.de dem Telemediengesetz und nicht dem Rundfunkstaatsvertrag unterliege. "In den Gesetzen ist klar geregelt, dass Telemedien anders als private Rundfunkanbieter ausdrücklich keiner medienrechtlichen Zulassung bedürfen."

Keese antwortet auf die Hündgen Argumente, dass Bild.de schon per Definition des Rundfunkstaatsvertrags als Rundfunk-Angebot gelte, weil es ein journalistisch-redaktionelles Angebot sei, das mit seinem Live-Stream unbestritten mehr als 500 Nutzer parallel erreiche: "Doch gemäß Rundfunkstaatsvertrag fallen nur Angebote, die linear in eine Sendefolge eingebettet und für einen zeitgleichen Empfang bestimmt sind, unter die Zulassungspflicht’", schreibt Keese. "Bild.de bietet zwar hin und wieder Livestreamings, aber gewiss keine fernsehtypische Sendefolge und auch kein lineares Bewegtbild-Programm. Für den Abdruck in einer Programmzeitschrift wäre Bild.de mangels Programm gänzlich ungeeignet."

Hündgen fragt nun seinerseits Keese, wann eine Linearität beginne: "Ich erinnere mich an den Livestream bei bild.de und welt.de zur britischen königlichen Hochzeit im April 2011." Das waren seiner Meinung nach schon sehr viele Stunden, die linear aus London berichtet wurden.

Der Video-Journalist würde es für "vorbildlich" halten, wenn Springer einen Präzedenzfall schaffen würde und die Medienanstalten über die Sendelizenzfrage entscheiden würden. "Die Lizenzgebühren sind doch ein Fall für die Portokasse. Und zehntausende Blogger und YouTuber würden es Ihnen mit Kusshand danken."

Bereits am Morgen hatte Hündgens getwittert: "Wäre ‚Keese zum Frühstück‘ ein zu abgegriffener Witz?"

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