Anzeige

‚Herr Seibert macht noch viele Anfängerfehler‘

Die Titanic hat es wieder einmal geschafft: Nachdem das Satireblatt zuletzt als Martina Gedeck getarnt von der Wahl des Bundespräsidenten twitterte, ließ die Redaktion nun einen falschen Regierungssprecher Steffen Seibert auf Google+ Sinnvolles und weniger Sinnvolles erzählen. Im Interview mit MEEDIA erklärt Titanic-Chefredakteur Leo Fischer, wie die Idee entstand und erklärt, was die Titanic zu einem "modernen Turbounternehmen" macht: "Neumodischen Schwachsinn mitmachen, das ist unsere Devise."

Anzeige

Wie kamen Sie auf die Idee, Steffen Seibert eine Google+-Existenz zu verschaffen?
Herr Seibert ist bekanntlich von neuen Internetanwendungen fasziniert. Er macht aber noch viele Anfängerfehler, man denke an die Verwechslung von Präsident Osama mit einem Terroristen gleichen Namens. Deswegen war es für uns nicht erstaunlich, dass er sich nicht gleich zu "Google plus" getraut hat. Wir haben das vorsorglich für ihn getan und alles vorbereitet für den Tag, an dem er den Account übernehmen möchte.

Wie kam diese "Kooperation" der Titanic mit dem Bundespresseamt zustande?
Herr Seibert stellt auf seiner Onlinepräsenz alle erforderlichen Daten selbst zur Verfügung; wir konnten seinen Account ohne großen Aufwand übernehmen.

Das Profil macht einen seriösen Eindruck. Erst auf den zweiten Blick merkt man, dass der Google+-Seibert recht offenherzig postet. Nicht zu subtil für Titanic?
Das Profil besteht noch nicht sehr lange, wir wollten den Gesamtauftritt schrittweise aufbauen. Leider haben einige Google-plus-Nutzer sehr früh die Legitimität unserer Arbeit angezweifelt. Gestern gingen offenbar erste Beschwerdeanrufe beim Bundespresseamt ein. Was mich ziemlich wundert: Sehr viel einfältiger als die Twittermeldungen von Herrn Seibert waren unsere Beiträge auch nicht.

Im Namen welches deutschen Politikers würden Sie denn sonst gerne mal twittern/plussen/facebooken?
Wir twittern ja schon im Namen des hessischen SPD-Politikers Schäfer-Gümbel (@tsghessenspd) und der grünen Wahlfrau Martina Gedeck (@martinagedeck); für einen weiteren Politiker reicht unser Personal zurzeit nicht aus. Wir überlegen aber, die Aufträge auszusourcen.

Was halten Sie von Google+?
Ich hoffe natürlich, daß Google+ die Übermacht von Facebook bald brechen wird. Die Zusammenarbeit unseres Magazins mit Google stellt sich bisher jedenfalls als erfreulich unkompliziert dar.

Wie wichtig sind Social Networks für die Titanic? Nur ein Hype? Oder ein gefundenes Fressen für Satire?
Titanic ist nicht nur ein attraktives Papiererzeugnis, sondern ein modernes Turbounternehmen, das schon seit jeher alle Medien zu bedienen weiß. Aus Tradition jeden neumodischen Schwachsinn mitmachen, das ist unsere Devise.

Werden Sie im Namen des Regierungssprechers weiterplussen?
Wir haben von Herrn Seibert bisher nichts Gegenteiliges gehört und hoffen natürlich, dass er unsere Arbeit zu schätzen weiß. Der Anbieter Google ist offenbar ebenfalls noch nicht tätig geworden. Schön zu wissen, dass ehrenamtliches Engagement noch geschätzt wird.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige